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Kultur Leipziger Schule und Junge Wilde
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17:05 30.05.2016
Bernhard Heisig: Filmfestival III aus dem Jahr 1995. Quelle: Fotos: VG Bild-Kunst, Bonn 2016/Peter Adamik
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Potsdam

Gegenständlich, Hauptsache gegenständlich. Das war die Marschrichtung, als sich Kunstinteressierten im Vorstand der Berliner Volksbank Mitte der 80er-Jahre entschieden, Kunst zu sammeln. Eine Entscheidung ganz gegen den damaligen Mainstream, denn um 1985 war bei vielen zeitgenössischen Künstlern in Westdeutschland Gegenständlichkeit verpönt. Kunstwerke, die sich mit der Figürlichkeit der realen Welt auseinandersetzten, entstanden vor allem im Osten.

Gegenständliche Malerei der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart aus Berlin und Ostdeutschland ist derzeit im Kunstform der Berliner-Volksbank-Stiftung zu sehen. Viel DDR-Kunst ist darunter. Hier eine kleine Auswahl.

Im Nachhinein eine glückliche Wahl der Banker, denn so kam es, dass die Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank heute eine üppige Sammlung an ostdeutscher Kunst besitzt. Darunter sind Werke von Größen der Leipziger Schule wie Bernhard Heisig, Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer – alles Leute, die damals im Westen nur von Spezialisten geschätzt und deshalb als Schnäppchen zu haben waren – im Vergleich zu den Preisen, zu denen sie heutzutage gehandelt werden.

Bank-Art zeigt rund 80 Arbeiten von 47 Künstlern

Derzeit ist ein Teil dieser Schätze im Kunstforum der Bank in Berlin-Charlottenburg zu sehen. „Bank-Art – Drei Jahrzehnte Kunstsammlung der Berliner Volksbank“ zeigt nur einen Bruchteil des Bestandes, den die Banker erworben haben. Insgesamt 1450 Werke von 145 Künstlern der Nachkriegszeit ab etwa 1950 bis zur Gegenwart nennt das Geldhaus sein eigen. Nicht ausschließlich ostdeutsche Kunst ist darunter, auch die einstige westberliner Szene ist gut vertreten.

Kuratorin Janina Dahlmanns hat versucht, das umfangreiche Material zu gliedern und rund 80 Arbeiten von 47 Künstlern ausgewählt. Die Kunsthistorikerin hat den Rundbau des Kunstforums in drei Bereiche aufgeteilt: Einerseits „Außenwelten“, die den Blick auf die Umgebung des Künstler zeigen, anderseits „Innenwelten“, also Werke, die Fantasie und Reflexionen der Künstler thematisieren, und schließlich im Zentrum der Ausstellung ein Raum mit Werken des großen Außenseiters der DDR-Kunst und Meisters der introvertierten Weltabgeschiedenheit: Gerhard Altenbourg.

Kunst der Nachkriegszeit

Die Sammlung der Berliner Volksbank umfasst 1450 Arbeiten von 145 Künstlern der Nachkriegszeit aus Berlin und Ostdeutschland. Ein Großteil der Werke hängt in den 60 Standorten der Bank in Berlin und Brandenburg.

Bank-Art ist die fünfte große Schau aus dem Bestand, seit die Bank im Jahr 1985 damit begann, gegenständliche Kunst aus der Region zu sammeln.

Vorangegangen waren die Ausstellungen „Staatskünstler, Harlekin, Kritiker? DDR-Malerei als Zeitdokument“ (1991), „Ostwind – fünf deutsche Maler: Altenbourg, Heisig, Mattheuer, Metzkes, Tübke“ (1996/97), „Dialoge“ (1999/2000) und „Bilder & Bilanzen. Von Antes bis Zylla“ (2005).

Bank-Art – Drei Jahrzehnte Kunstsammlung der Berliner Volksbank. Kunstforum, Budapester Str. 35, Berlin. Geöffnet täglich von 10-18 Uhr, Eintritt 5 Euro. Bis 24. Juli.

Kuratorin Dahlmanns hat diese Einteilung vor allem gewählt, um das Einordnen in Ost-West-Schublanden zu vermeiden und die thematischen Gemeinsamkeiten zu unterstreichen. Und doch ist es fast unmöglich die alte Systemgrenze zu ignorieren. So springen die unterschiedlichen Perspektiven schon bei den Stadtansichten Berlins ins Auge. Helmut Middendorf etwa malte die Oranienstraße in Kreuzberg 1983 in expressiven vor Kraft strotzenden Farben. Rainer Fetting, wie Middendorf zu jener Zeit ein Vertreter der sogenannten Jungen Wilden im Westen, hüllt die Mauer 1978 in ein violettes Abendlicht.

Der Osten bleibt lange grau

Direkt gegenüber hat Dahlmanns zwei Arbeiten ostdeutscher Künstler platziert. Harald Metzkes „Feuerwerk“ von 1989 zeigt ein euphorisches Lichtspektakel über einem dreckig grau-braunen Ostberlin. Was nach der Knallorgie bleibt ist klar: Depression pur. Und Konrad Knebel malt noch 1995 seine „Drei Giebel“ im Nachwende-Berlin in triste grau-bläuliche Pastelltöne. Der Blick auf die Stadt ist in Ost und West doch lange recht verschieden geblieben. Und gerade dies zu sehen, macht eine der Reize dieser Ausstellung aus.

Es lohnt sich, diese Schau abzuschreiten, zumal sie in dieser Bandbreite so bald nicht mehr zu sehen sein wird. Die Volksbank hat das Gebäude am Olaf-Palme-Platz verkauft. Bis ein Ersatz gebaut ist, wird das Geldhaus in einem Provisorium unterkommen. „Eine so umfangreiche Ausstellung werden wir frühestens in zehn Jahren wieder zeigen können“, sagt der Sprecher des Kunstforums, Franz Michael Rohm.

Mattheuer, Heisig, Tübke

So wird etwa Wolfgang Mattheuers „Albtraum“ von 1982, eine Variante seines Jahrhundertschrittes, wie er in Form eines Hakenkreuzes mit proletarisch-internationalistisch gereckter Faust derzeit in Potsdam vor dem Haus der Brandenburgisch-preußischen Geschichte steht, bald nur noch hin und wieder als Leihgabe zu sehen sein. Dasselbe gilt für Bernhard Heisigs Arbeiten zum Thema Filmfestival von 1979 und 1995. Oder Werner Tübkes „Vision des Harlekins II“ von 1988 – eine pralle Arbeit in Stile der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts, doch voller Anspielungen und Kommentare.

Gerhard Altenbourg, der Emigrant der Innerlichkeit

Und schließlich das Altenbourg-Kabinett: 16 Arbeiten des DDR-Emigranten in die Innerlichkeit. Lange galt er als Geheimtipp im Westen und wurde vor allem dort gesammelt. Mittlerweile erfreut sich das Werk des nur wenige Tage nach dem Mauerfall 1989 verstorbenen Künstlers zunehmender Beliebtheit. Zuletzt waren Arbeiten von ihm im Cottbuser Dieselkraftwerk zusehen, nun bis zum 24. Juli im Kunstforum.

Von Mathias Richter

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