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Lemmy Kilmister – Antiheld des Heavy Metal

Motörhead Lemmy Kilmister – Antiheld des Heavy Metal

Lemmy Kilmister, Sänger von Motörhead, wurde am selben Tag wie Jesus geboren und wird von seinen Fans wie ein Messias verehrt. Eine Hommage an einen bald 70-Jährigen, der selbst ungezählte Jünger hat, der früher kaum einer Kneipenschlägerei aus dem Weg ging, es heute aber sanfter mag.

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Metal-Rebell Lemmy wird 70.

Quelle: epd

Potsdam. Ein paar Tage, nachdem die Terroristen Paris attackierten, ließ Lemmy Kilmister einen Kampfflieger starten. Das Flugzeug stieg über der Bühne auf, hektisch schwenkende Suchscheinwerfer richteten sich aufs Publikum. Motörhead spielten „Bomber“.

Lemmy Kilmister ist kein Sänger, er ist ein Frontmann. Beim Tour-Auftakt Mitte November in Düsseldorf, als andere zu Frieden und Zusammenhalt aufriefen, richtete er im Interview mit dem ZDF seinen Zorn auf die IS-Attentäter: „Die mögen keinen Rock’n’Roll – und ich mag sie nicht.“ Der gebürtige Waliser ist tolerant, aber nicht diplomatisch. Befiehlt ihm einer, wie er zu leben hat, reagiert er wie ein seines Lieblingsspielzeugs beraubter Junge. Wenn dann auch noch die Religion ins Spiel kommt, ist Schluss mit Lustig. Um so kurioser ist an seiner vor Kuriositäten strotzenden Biografie, dass er als Sohn eines Militärseelsorgers und einer Bibliothekarin, am 24.12.1945 geboren wurde. Er feiert seinen 70. Geburtstag also am gleichen Tag wie Jesus Christus. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass man beide beim Vornamen nennt. An einer gemeinsamen Party hätte Lemmy, der polyamoröse Schluckspecht, aber sicher kein Interesse. Er verachtet Vergötterung – und wird dafür vergöttert.

Wo Riffs heiliger sind als Choräle

„Man braucht keinen Gott, man braucht etwas, an das man glaubt und das kann gerne Rock’n’Roll sein“, hat Lemmy in demselben ZDF-Interview gesagt. Seinen Zugang zu der laut lärmenden Glaubensgemeinschaft, der Riffs heiliger sind als Choräle, fand Lemmy unter anderem als Roadie von Jimi Hendrix. Er besorgte der Legende die Drogen, er selbst naschte daran fast ohne Ende. Ihm gelang das Kunststück als Bassist von seiner ersten „Hawkind“, die psychedelischen Rock spielten, herausgeworfen zu werden, weil er zu viel Drogen nahm. Und das in den 70ern, als Tourbusse fahrenden Apotheken glichen. Wobei er sich und seinem Sohn Paul immer einbläute: Finger weg von der Nadel. Eine enge Freundin und viele Weggefährten waren am Heroin verreckt.

Sagt man Lemmy, so wie einst Metallica, er sei der Gottvater des Heavy Metal, erwidert er, dass er keinen Heavy Metal spielt. Tatsächlich ist Motörhead musikalisch Elvis und Co. näher als Bombast-Rockern wie Iron Maiden. Es gibt einen zu Tränen rührenden TV-Auftritt, bei dem Lemmy in schwarzer Kutte und Stiefeln am Klavier sitzt und Jerry Lee Lewis schmettert. Er singt mit einer Stimme, als hätte Roy Black Benzin geschluckt. Lemmy verehrt die Beatles dafür, dass sie ihre eigenen Songs schrieben und nicht so ein autoritärer Haufen waren wie die Rolling Stones, am meisten verehrt er aber Little Richard. In ihm sieht er einen schwarzen, schwulen Rock’n’Roller, der sein Ding machte und sich um Konventionen nicht scherte.

Aus dem Kneipenschläger ist ein Wassertrinker geworden

Einst gierte der Sammler von militärischem Krims-Krams, der gleichzeitig vehementer Kriegsgegner ist, darauf, Journalisten anzupöbeln und kaum eine Kneipe ohne Schlägerei zu verlassen, Heute mag er’s sanfter. Der Tourbus gerät zur Alters-WG, man soll Lemmy schon beim Wassertrinken ertappt haben. Wenn es Alkohol sein soll, lässt er den Whisky mit Cola stehen und greift zu Wodka mit Orangensaft. Weil Cola für einen Diabetiker zu süß sei – ist doch klar. Die Gesundheit zwingt ihn immer wieder zu Konzertabsagen, die Auftritte bleiben trotzdem ausverkauft. Gehen sie auf die Bühne, spielen Motörhead so schnell und laut wie seit 40 Jahren schon. Dazu passt, wie der Vergötterte sich sein Ableben wünscht. Möglichst schnell, am liebsten auf der Bühne – einen Herzinfarkt fände er gut.

Von Maurice Wojach

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