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Kultur Leslie Mandoki trommelt für die Freiheit
Nachrichten Kultur Leslie Mandoki trommelt für die Freiheit
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13:34 07.03.2017
Leslie Mandoki will sich einmischen – künstlerisch und politisch. Quelle: Foto: Julian Stähle
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Potsdam

Es ist eher die Ausnahme, dass ein Popmusiker in einer Zeitungsredaktion vorbeischaut. Leslie Mandoki verfolgte bei seinem MAZ-Besuch auch eine politische Mission. Und sicher auch eine geschäftliche. Und eine idealistische.

Der kleine, stämmige Schlagzeuger mit dem Walrossbart ist ein Tausendsassa ohne Berührungsängste. Sicher ist Mandoki auch ein Mensch, der gern gefällt. Den MAZ-Fotograf lässt er aber trotz eines blauen Auges gewähren, das er sich bei einem Sturz zugezogen hat, als er bei Glatteis aus dem Auto stieg.

Seiner unermüdlichen Strippenzieherei ist es zu verdanken, dass heute Abend (6. März) im Konzerthaus Berlin so gestandene Stars wie Al Di Meola und Klaus Doldinger, Bill Evans und Till Brönner miteinander auf der Bühne stehen und aus purer Freude musizieren. Seit 25 Jahren macht Leslie Mandoki immer wieder mit einer neu zusammengewürfelten „Weltstar-Band“ von sich reden. In seinem Hause am Starnberger See in Bayern, wo er als Nachbar von Peter Maffay mit Frau und drei Kindern lebt, gehen viele Pop-, Rock- und Jazzlegenden ein und aus.

Die 2017er „Man Doki Soulmates“-Tour startete am 1. März im L‘Olympia in Paris. Zwei Tage später konzertierten die 14 Musiker im Hammersmith Apollo in London und heute schließen sie die „Wings of Freedom“-Konzerte in Berlin ab. Mit dem pathetischen Titel „Schwingen der Freiheit“ möchte Mandoki für eine „liberale, offene Gesellschaft“ werben.

Der 64-Jährige steht für das Schicksal der furiosen Jugend-Protestkultur der 1970er Jahre, die längst Teil des Establishments geworden ist, einer Generation, die mit dem Älterwerden viele Kompromisse eingegangen ist. „Ich bin immer noch widerspruchsfreudig“, antwortet Mandoki auf die Frage, ob er sich nicht zu sehr angepasst hat. „Ich spiele noch die gleiche Musik und habe immer noch lange Haare.“

1975 floh der Ungar mit Freunden durch einen Eisenbahntunnel in den Westen. Im Aufnahmelager für Asylbewerber gab er damals zu Protokoll, dass er gekommen sei, um mit seinen Idolen Ian Anderson von Jethro Tull, Jack Brus von Cream und Al Di Meola gemeinsam zu musizieren. Damals wurde er als Spinner belächelt. Der Absolvent des Musikkonservatoriums Budapest, der in Ungarn politisch verfolgt wurde, musste zunächst die deutsche Sprache erlernen und Fuß fassen. Da kam ihm ein Angebot des Schlager-Produzenten Ralph Siegel ganz Recht, Teil der Retortenband Dschinghis Khan zu werden.

Der passionierte Jazzrocker war sich also nicht zu schade, als falscher Mongole banale Stimmungsmusik wie „Dsching- Dsching- Dschingis Khan“ oder „Moskau, Moskau“ zu performen. Später zog er selbst ein Tonstudio auf und etablierte auf dem hart umkämpften Markt so erfolgreiche Größen wie die No Angels, Jennifer Rush und auch den Rapper Sido.

László oder Leslie?

Leslie Mandoki heißt eigentlich mit Vornamen László. So hieß auch einer der drei Freunde, mit denen er 1975 aus Ungern floh. Um Verwechslungen auszuschließen, warfen die beiden Lászlós eine Münze und entschieden, wer ab sofort Leslie heißt.

Der zweite Freund war Gábor Csupó, der zehn Jahre später in den USA als Produzent der ersten drei Staffeln der „Simpsons“ bekannt wird.

In Deutschland bekannt wurde der Jazzmusiker Leslie Mandoki in seiner Rolle als falscher Mongole in der Band „Dschingis Khan“ (1979 bis Mitte der 1980er Jahre).

Später arbeitete er u. a. mit mit Engelbert, Joshua Kadison, Phil Collins, den No Angels oder Jennifer Rush.

Auf der Gästeliste

Mandoki erschloss sich auch noch ein weiteres Geschäftsfeld. Seine Firma liefert Tonspuren, die der „Emotionalisierung von Marken“ dienen. Red Rock Production kreiert Jingles und das Sounddesign, wenn der Volkswagen-Konzern seine Autos promotet, wenn die Fußballer von Bayern München auflaufen oder die CDU/CSU in der Wählergunst steigen möchte. „Ich möchte Frau Doktor Merkel auch in diesem Jahr mit einem Wahlkampflied unterstützen“, sagt Mandoki im MAZ-Gespräch und fügt fast staatsmännisch hinzu. „Ich verstehe ihren christlich-humanistischen Ansatz, sie wollte Menschen in der Not ein Obdach geben. Dass das nicht in Abstimmung mit den europäischen Partner erfolgt ist, ist schade.“

Hat dieser leidenschaftliche Trommler keine Angst, mit schönen Klängen die Menschen zu manipulieren? „Nein, denn Musik muss sich nicht mit der Lüge beschmutzen und behauptet niemals, die Wahrheit zu sein“, lautet seine Antwort. Es reiche, „wenn man authentisch und ehrlich ist“. Doch in einem Punkt war er offenbar dann doch zu naiv und affirmativ gestimmt. Als bestallter „Musical Director“ bei VW und Audi hat er wiederholt öffentlich die Ingenieurskunst des Konzernes und von „Professor Doktor Winterkorn“ gepriesen. „Ich habe das im guten Glauben getan“, verteidigt er sich und fügt etwas zerknirscht hinzu: „Ich bin erschüttert über die soziale Diskrepanz.“ Seine Ansicht nach hätte Winterkorn nach dem Abgasbetrug auf Boni verzichten müssen.

Mandoki ist ein alt gewordener Hippie, der die Nähe zur Macht schätzt und sich darauf versteht, die Musik für Legitimationszwecke einzusetzen. Er ist kein Linker, hat sein Herz aber nicht völlig an den Kommerz verloren. Die alten Ideale der Flower-Power-Zeit treiben ihn immer noch um. 1992 lud er aus Euphorie über den Fall der Mauer viele Stars in seine Geburtsstadt Budapest ein. Aus dieser Initiative ging 1993 das Sziget Festival hervor, heute eines der größten und beliebtesten Festivals der Welt. Im kommenden August werden zum 25. Mal Hunderttausende Besucher auf einer Donauinsel („The Island of Freedom“) zusammenströmen.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán gehört ebenso zu den Mandoki-Bewunderern wie Angela Merkel. Orbán richtete ihm zu Ehren vor vier Jahren eine große Feier im Jagdsaal des Parlamentes in Budapest aus. Auf kritische Nachfrage hört man aus Mandokis Mund keine negativen Worte über die politische Lage oder die Flüchtlingspolitik in Ungarn. Ungarn habe sich mit dem Großkapital angelegt, den Monsanto-Konzern und den IWF aus dem Land geworfen. „Vor sieben Jahren konnte der ungarische Staat die Renten und Beamtenpensionen nicht bezahlen, heute hat das Land keine Außenstände mehr und die Jugend hat wieder eine Zukunft“, so Mandoki. Das Wirtschaftswachstum sei mit 3,7 Prozent das höchste in Europa. Das „Ungarn-Bashing der Deutschen“ erklärt sich Mandoki mit Unwissenheit. Alle deutschen Medien hätten aus Spargründen ihre Korrespondenten aus Budapest zurückgerufen, behauptet er. Die Oppositionszeitung Népszabadság sei vom österreichischen Eigentümer eingestellt worden, da sie rote Zahlen schrieb und nicht aus politischen Gründen. Als Kronzeugen für die Pressefreiheit in Ungarn führt Mandoki Jan Mainka an. Der Chefredakteur der deutschsprachigen Budapester Zeitung habe ihm 16 Zeitungstitel gezeigt, die alle aus verschiedenen Perspektiven regierungskritisch berichten würden.

Der Musiker Mandoki möchte auch gesellschaftspolitisch etwas bewegen. Aus „purem Patriotismus“, wie er es nennt, kandidierte er 2013 auf einem hinteren Listenplatz der CSU für den bayerischen Landtag. Was würde er tun, hätte er aktuell in Deutschland politisch etwas zu sagen? „Ich würde die Medien stärken. Ich bin mit einer Lügenpresse aufgewachsen. Heute ist es wichtig, den Qualitätsjournalismus vor dem Bloggerwahn zu schützen.“

Von Karim Saab

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