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Kultur Lesung von Heinz Strunk im Potsdamer Waschhaus
Nachrichten Kultur Lesung von Heinz Strunk im Potsdamer Waschhaus
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15:42 13.03.2019
Heinz Strunk: Ein Mann, der nicht lacht, doch andere zum Lachen bringt – auch in Potsdam. Quelle: Dennis Dirksen
Potsdam

Er hält Literaturkritik mitunter für verschwafelt und hasst Comedians. Heinz Strunks Ansichten sind deutlich, mitunter sogar drastisch.

Herr Strunk, Ihr Roman „Der Goldene Handschuh“ ist gerade von Fatih Akin verfilmt worden – es geht um eine Kneipe in St. Pauli, wo ein Mörder seine Opfer sucht. Waren Sie erschrocken, wie blutig die Bilder geworden sind? Die Altersfreigabe liegt bei 18 Jahren.

Heinz Strunk: Das Interesse an der Verfilmung war riesig, aber das Buch ist nun drei Jahre alt. Lange her. Den „Goldenen Handschuh“ habe ich nahe an den historischen Gerichtsakten geschrieben. Ja, die Story ist drastisch, aber sie hat mich nicht besonders verstört, weil es durch diese Aktennähe auch eine technische Arbeit war. Am Ende überrascht es trotzdem, wie viele Emotionen im Text liegen. Das wird mir beim Schreiben nicht immer bewusst.

Dann lassen Sie uns darüber sprechen, was damals auf den „Goldenen Handschuh“ folgte. Sie haben Ihren Roman „Fleckenteufel“ überarbeitet, der ursprünglich 2009 erschien, die Fäkalwitze sind nun gestrichen. Sind die Ihnen peinlich?

Ich finde es ein sehr schönes Buch, vor allem, nachdem ich es jetzt um einige Passagen erleichtert habe. Es war die Antwort auf Charlotte Roches schrecklichen Roman „Feuchtgebiete“. Zu meinem Bedauern hat diese Bearbeitung keinen mehr interessiert. Trotzdem bin ich froh, dass jetzt mein Buch übers Erwachsenwerden ohne den ganzen Pupsquatsch vorliegt, er hat der literarischen Qualität geschadet.

Sie schauen in Ihren Büchern auf Menschen am Rand der Gesellschaft. Liegen dort die interessanteren Themen?

Das Leben der Reichen, Gesunden und Glücklichen ist für ein Buch uninteressant – generell sind diese Lebensläufe ausgesprochen langweilig. Jede ernstzunehmende Literatur beschäftigt sich mit den gebrochenen Existenzen, gerade das Tragische macht diese Leute reich. Denn es ist kein leeres Leben, weil es radikal mit Problemen konfrontiert ist. Die Blankeneser Chefarztszene interessiert mich nicht, ich habe mehr Ahnung von traurigen Biografien.

Zur Person

Heinz Strunk wurde am 17. Mai 1962 in Hamburg geboren, bürgerlich heißt er Mathias Halfpape.

Zusammen mit Jacques Palminger und Rocko Schamoni bildet er das humoristische Trio „Studio Braun“.

Sein Debütroman „Fleisch ist mein Gemüse“ hat Heinz Strunk 2004 veröffentlicht – er wurde 2008 vom Regisseur Christian Görlitz verfilmt.

Das Buch „Der goldene Handschuh“ ist 2016 erschienen, unter der Regie von Fatih Akin läuft die Verfilmung seit 21. Februar in den Kinos.

Im Potsdamer Waschhaus, Schiffbauergasse 6, liest Heinz Strunk an diesem Donnerstag ab 20 Uhr aus seinen Erzählungen „Das Teemännchen“.

Wenn Sie in Ihrem aktuellen Erzählband „Das Teemännchen“, aus dem Sie in Potsdam lesen, über eine verfallende Pommesbuden-Schönheit schreiben – nehmen Sie dann Anteil an deren Schicksal, oder können Sie das kühl aus der Distanz betrachten?

Ich versuche nicht, in den Texten zu werten, sondern nüchtern aufzuschreiben, was passiert. Es wird mir manchmal vorgeworfen, dass ich Hass in meine Geschichten lege, wenn ich von einer kaputten Liebe mit einer übergewichtigen Frau erzähle. Aber wenn ich mit offenen Augen durch eine Fußgängerzone gehe, finde ich dort deformierte und zerstörte Gestalten. Ich erfinde nichts hinzu.

Sie haben aus Ihrer Zeit beim Trio „Studio Braun“ den Ruf des Humoristen. Mittlerweile wirkt es, als sei der Witz komplett aus Ihren Storys verschwunden.

Natürlich haben meine Geschichten aus dem „Teemännchen“ mit Humor nichts mehr zu tun. Aber ich schreibe die Kolumne „Intimschatulle“ im Satiremagazin „Titanic“, da stecken wieder Witze drin. Im „Goldenen Handschuh“ gab es ja Spurenelemente von Humor, aber der war fernab vom Mainstream. Das hatte nichts mit Comedy zu tun. Ich bin ein erklärter Hasser der Comedians.

Ein Hasser?

Ja, Comedy ist das Schlimmste, was es gibt.

Meinen Sie Mario Barth mit seinen ewigen Mann-Frau-Witzen?

Jemand wie Mario Barth ist mir egal, der wird halt als Fratze immer hervorgezerrt, wenn man sich lustig macht über die Branche. Comedians beherrschen generell nur eine Art von Gag, das ist für mich der ganzjährig verlängerte Arm des rheinischen Karnevals. Ob da nun Paul Panzer oder Chris Tall stehen, spielt keine Rolle. Alles, was als Stand-Up-Comedy durchs Land geistert, finde ich schrecklich.

Nicht so verkrampft wie bei Loriot

Sie können rigoros in Ihrem Urteil sein. Halten Sie es aus, wenn Leute bei Ihren „Teemännchen“-Lesungen lachen, obwohl Sie diese Storys für nicht witzig halten?

Doch, finde ich in Ordnung, denn ich möchte keinen verkrampften literarischen Abend wie aus den Loriot-Sketchen. 50 Bildungsbürger, die Angst haben, sich zu räuspern, das wäre Wahnsinn. Dass die Lesungen durch die Art, wie ich sie vortrage, offenbar eine humoristische Ebene haben, freut mich.

Es wirkt, als würden Ihre Bücher mit den Jahren besser, je weniger die Texte autobiografisch klingen.

Stimmt, ich schreibe nicht mehr ausdrücklich über mein Leben, weil in meinem Alltag nicht der Stoff für einen ganzen Literatur-Kanon steckt. Es langweilt mich, immer in der Ich-Perspektive zu erzählen. Am liebsten ist mir im Moment die dritte Person Präsenz.

Fühlen Sie sich wohl im Literaturbetrieb? Sie geben sich betont bodenständig, weit weg vom hochgestochenen Ton, in dem viele Buchkritiken verfasst sind.

Ich fühle mich nicht als Teil der Literaturszene. Interessant war die vielleicht nach dem Zweiten Weltkrieg in der Gruppe 47, als die Probleme des Landes diskutiert wurden. Heute steckt sehr viel Eitelkeit im Büchergeschäft, das schlimmste Geschwafel höre ich immer bei der Jury vom Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Keiner versteht, was gemeint ist. Im Grunde ist das schon Komik.

Ihre kauzigen Texte und Pointen klingen unverkennbar norddeutsch, mögen die Leute das auch im Süden?

Egal ob ich in München, Leipzig oder Hamburg lese, es kommen nur Menschen, die etwas mit mir anfangen können und sich mit mir beschäftigt haben. Trotzdem finde ich, dass es in Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle gibt – es ist genau so groß wie das noch immer ausgeprägte Ost-West-Gefälle.

Von Lars Grote

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