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Letzte Lieder von Manfred Krug

Label Künstlerhafen Letzte Lieder von Manfred Krug

Das Label Künstlerhafen wurde im Juli 2016 in Bad Belzig gegründet, es setzt auf eine feine, renommierte Auswahl, die nicht den Mainstream predigt, sondern das Besondere – aber nicht Abseitige – sucht. Während der Aufnahmen zu Manfred Krugs letztem Album starb der Künstler. Mit Courage und Herzblut wurde die Platte dennoch fertiggestellt. Sehr erfolgreich.

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Manfred Krug brannte in den letzten Monaten seines Lebens für die Musik – er wollte singen, doch konnte das letzte Album nicht mehr fertigstellen.

Quelle: DPA

Bad Belzig. Sie wollen Popstar werden? Gut. Dann brauchen Sie ein Label. Ein großes Label, wenn Sie auf die wirklich dicken Bühne möchten – da, wo früher auch mal Unterwäsche vor die Füße flog. Ein großes Label ist auch dann nicht schlecht, falls Sie auf Platz eins der Hitparade drängen. Ein Ort, von dem die Musiker zuweilen glauben, sie würden dort ein besserer Mensch.

Leider ist das eine trügerische Perspektive, die nach Therapie verlangt. Niemand könnte diese Therapie nachdrücklicher, vor allem aber freundlicher und ruhiger anbieten als Dirk Mahlstedt, 48 Jahre, und Dirk Tscherner, 46, die über ihrem Kaffee sitzen – einer mit Milch (Mahlstedt), die andere schwarz (Tscherner). Sie sind Geschäftspartner beim Label Künstlerhafen aus Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark), sie hören zu, lassen ausreden, gehen aufeinander ein. Seltene Attribute in der Welt der Populärmusik.

Ihr Label ist klein, vor allem ist es jung. Im Juli 2016 gingen sie an den Start. Sie wollten nicht wie die großen werden, wie die Major-Labels. „Die nehmen zehn Künstler unter Vertrag und wissen, sieben gehen unter, nur drei schaffen es“, sagt Tscherner. Das sei Musik als eine Art Laborversuch. Nur selten würden hier die Besten überleben.

„Bei großen Labels wird am ersten Tag der Veröffentlichung überlegt, wie man die Verträge mit den Künstlern löst, wenn die Verkaufszahlen nicht stimmen“, erzählt Dirk Mahlstedt. Er kam von der Entertainmentgruppe Edel zum Künstlerhafen. Auch Edel ist groß, unter den Independent-Labels ist es das größte unabhängige Musikunternehmen Europas. „Es gehört keinem Konzern, man muss nicht in New York nach einem Bleistift fragen.“ Das Haus arbeitet visionär, setzte früh auf Vinylplatten, kaufte die Presswerke, es läuft gut. „Wenn große Labels bei Edel pressen lassen wollen, müssen sie mitunter zehn Wochen warten“, sagt Mahlstedt.

Manfred Krug, Katrin Sass, Tine Wittler

Das Bad Belziger Label Künstlerhafen wurde im Juli 2016 gegründet, es besteht aus Dirk Tscherner und Dirk Mahlstedt, der zuvor 20 Jahre beim Musikunternehmen Edel gearbeitet hat.

Veröffentlicht haben beim Künstlerhafen u.a. Manfred Krug, Katrin Sass, Caroline Kiesewetter, Tine Wittler und Joo Kraus.

Bislang konzentrierte sich die Arbeit vom Künstlerhafen auf Plattenveröffentlichungen, die Bereiche Management und Organisation von Live-Auftritten sollen nun ausgebaut werden.

Er hat Edel dennoch nach 20 Jahren verlassen, weil er mehr Bewegung wollte – raus aus der großen Firma, rein in ein kleines, agiles Projekt. Dirk Tscherner hat er über die Band Keimzeit kennengelernt, sie arbeitet mit Edel zusammen und wird von Tscherner gemanagt.

Fast ist es in diesen Zeiten fahrlässig, ein neues Label unter Segel zu setzen. Die Musikbranche verdient kaum Geld. Beim Künstlerhafen trauten sie sich trotzdem, denn sie hatten einen Trumpf: Manfred Krug. Krug aber starb im Oktober 2016, kurz nach der Label-Gründung. „Das hätte kaufmännische unser K.O. sein können“, räumt Dirk Tscherner ein.

Manfred Krug wollte sein neues Album zum 80. Geburtstag im Februar 2017 veröffentlichen. Es ging darum, eine Auswahl besonders persönlicher Stücke neu mit dem Babelsberger Filmorchester zu arrangieren. Eine Werkschau der besonderen Art. Diese Arbeit plante er unbedingt an der Seite von Dirk Mahlstedt, da Mahlstedt aus Tagen bei Edel ein beruflicher Freund geworden war. Krug folgte Mahlstedt, der Edel in gutem Einvernehmen verlassen hat, zum neu gegründeten Künstlerhafen. Krug, der große Name, gab dem neuen Label eine Spur von finanzieller Planungssicherheit.

Auf Malta von Manfred Krugs Tod gehört

Als er starb, war die Platte fertig, nur Krugs Gesang hatte gefehlt. Ausgerechnet. Dirk Tscherner hörte vom Tod, während er auf Malta an den Aufnahmen mit dem Keimzeit Akustik-Quintett saß. Was tun? Sie sprachen mit Krugs Witwe. Es reifte die Idee, wie das Album noch zu retten sei.

Prominente Freunde von Krug wurden angesprochen. Wollt ihr singen? Die Arrangements mit dem Filmorchester waren durchweg tief, es kamen nur männliche Stimmen infrage – für Frauen wie Krugs Tochter Fanny oder die Weggefährtin Uschi Brüning gab es von vornherein anders gestimmte Lieder.

Nun singen Jan Josef Liefers („Sonntag“), Stefan Gwildis („Sie“) oder Ulrich Tukur („Lass mich nicht gehen“). Auch Gunter Gabriel ist dabei („Alles geht einmal zu Ende“), mit ihm hat Krug in den 80ern Trucker-Lieder aufgenommen.

Das Album stieg in den deutschen Charts auf Platz 15, die Jazz-Charts hat es im März gar angeführt. „Was für ein Erfolg!“, schwärmt Mahlstedt. Wie das Album abgeschnitten hätte, wenn Krug noch auf Tour mit ihm gegen wäre und es unter die Leute hätte bringen können, darüber möchte er nicht grübeln. Ein Label lässt sich nicht im Konjunktiv führen.

Was den Künstlerhafen ausmacht, „ist die individuelle Betreuung der Musiker“, sagt Dirk Tscherner, „wir sind immer erreichbar.“ Es gibt maßgeschneiderte Regelungen. Möchte jemand keine Download-Veröffentlichungen? Alles lässt sich regeln. Das Profil des Künstlerhafens geht leicht in Richtung Jazz, auf jeden Fall aber gründet es auf erwachsener Musik.

„Wir haben nicht die Mittel, jemanden groß rauszubringen, er muss schon eine künstlerische Haltung mitbringen“, sagt Dirk Mahlstedt. Damit umreißt er die Musiker, vor allem aber den reifen Umgang, den das kleine Label Künstlerhafen seinen Sängern bieten kann.

Von Lars Grote

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