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Kultur Lia Pale macht aus alten Kunstliedern Songs der Gegenwart
Nachrichten Kultur Lia Pale macht aus alten Kunstliedern Songs der Gegenwart
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00:16 17.02.2019
Von ihr wird man in den nächsten Jahren sicher noch viel hören: die Sängerin Lia Pale. Quelle: Severin Koller
Potsdam

Franz Schuberts tiefsinniger Zyklus „Winterreise“ dürfte sich kaum mit dem heutigen Bedürfnis nach Entertainment vertragen. Oder doch? Lia Pale, eine junge Sängerin aus Wien, trieb am Freitag im Nikolaisaal den Kunstliedern der Romantik die deutsche Schwere aus. Schubert-Lieder wie „Einsamkeit“ oder „Der Wegweiser“ wurden von Mathias Rüegg am Klavier in Jazzmanier arrangiert und mit leichtem Swing unterlegt. Der größte Verfremdungseffekt ergab sich aber durch die Übersetzungen der Texte ins Englische. 

Normalerweise heißt es: „Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht,/ Ewig verlornes Lieb! ich grolle nicht...“ Lia Pala übersetzt die ersten Worte der Verse von Heinrich Heine mit „I Don't Complain“, was recht gefällig klingt und die Dramatik des Robert-Schumann-Liedes unterschlägt.

Als Gast der vom RBB-Kulturradio mitveranstalteten Reihe „The Voice in Concert“ ging es im Foyer des Nikolaisaals vor etwa 100 Besuchern aber vor allem darum, die Qualitäten einer noch nicht so bekannten Sängerin zu entdecken. Sympathischerweise versuchte Lia Pale gar nicht, ihre Aufregung zu verbergen. Fast jeden Song pries sie vorab als eines ihrer Lieblingslieder an. Und wenn sie sich wiederholt bei den Besuchern bedankte und den Auftrittsort lobte, um dann noch die Beteuerung hinterherzuschicken, dass sei nicht als „Ranschmeiße“ misszuverstehen, hielt manch einer die Luft an. Sie gewann aber das Publikum durch offenherziges Plaudern im Wiener Dialekt.

Und sobald sie den ersten Ton eines Liedes anstimmte, war sie sich ihrer Sache ganz sicher. Der Pianist Rüegg, ein älterer Herr mit silbergrauem Pferdeschwanz, gab ihr den nötigen Rückhalt und hielt sich bescheiden zurück. Lia Pale verfügt über eine sensible und auch kräftige Stimme und intoniert nahezu perfekt. Mittendrin griff sie manchmal zu einer Sopran- oder einer Bass-Querflöte oder auch zu einem Egg-Shaker. Im Zusammenspiel gab es leider nur wenige Momente echter Improvisation. Das Wagnis, die menschliche Stimme einmal mit dem Querflötenton zu koppeln, traute sie sich noch nicht zu.

Lia Pale trug auch eigene Lieder in englischer Sprache vor, eines mit dem Titel „Voltaire“, das sich als Plädoyer für Meinungsfreiheit und Meinungsstreit verstand. Doch die Tonlage blieb gefällig, zwischen Gesang und Klavier kam kein Misston auf, auch kein beherzter Dialog.

Wer das heute verstörende Pathos und die ungestüme Erregung des Goethe-Gedichtes „Heidenröslein“ in der Version von Johannes Brahms im Ohr hat, könnte die Fassung von Lia Pale erträglicher finden, aber auch etwas flach. Mit der Interpretation der amerikanischen Jazz-Ballade „Body & Soul“ im Gestus eines Kunstliedes der deutschen Romantik stellte das Duo auch eine interessante Rückkopplung her. Die Sängerin gehört eben einer Generation an, die das Crossover von Kindesbeinen an erlebt hat. Auf These (Klassik) und Antithese (Pop) folgt nun die Synthese. Am Tag des Auftritts in Potsdam brachten Pale und Rüegg ein fünftes gemeinsames Album heraus mit dem Titel „The Brahms Song Book“.  

Von Karim Saab

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