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Liebe wider Willen

Lullys „Armide“ bei den Musikfestspielen Liebe wider Willen

Kostümfest und Tanzspektakel: Lullys „Armide“ wird in einer originellen Fassung bei den Potsdamer Musikfestspielen aufgeführt. Die Zerrissenheit der Heldin des Stückes zwischen Sehnsucht und Verzweiflung wurde von der Hauptdarstellerin Emilie Renard mit großer Intensität verkörpert.

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Mit Pathos: Emilie Renard als Armide.

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Potsdam. „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. feierte in Versailles ausschweifende Feste mit glanzvollen Ballettaufführungen. Die Musik bestellte er bei seinem Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully. Der erfand für Versailles eigens ein neues Genre, die „Musiktragödie“. Eine solche Musiktragödie ist auch „Armide“, Lullys großer Wurf aus seinem letzten Lebensjahr. In der Inszenierung von Deda Christina Colonna hatte das Stück am Samstag seine Potsdamer Premiere. Die auf kurzweilige zwei Stunden beschnittene Fassung lief bereits 2015 bei den Innbrucker Festwochen.

Es geht um die Königin Armide. Sie hält den Kreuzritter Renaud auf ihrer einsamen Insel gefangen, da sie ihn durch Zauberkräfte verliebt gemacht hat. Doch dann verliebt sie sich selbst in ihren Erzfeind. Gefühle unterliegen nicht dem eigenen Willen – das war zu Zeiten der Aufklärung ein so brisantes Thema, dass zahlreiche Komponisten eine „Armide“-Oper schrieben.

Die Zerrissenheit zwischen Sehnsucht und Verzweiflung wurde von der Hauptdarstellerin Emilie Renard mit großer Intensität verkörpert. Die Mezzosopranistin singt als große Tragödin, ohne ihren dunkel-geschmeidigen Wohlklang zu vernachlässigen.

Den Spannungshöhepunkt erlebt man vor der Pause: Armide – als Nervenbündel zwischen Stolz, Hass und Zuneigung – versucht, den schlafenden Renaud zu erstechen. Doch sie bringt es nicht übers Herz. Begleitet wird der pathetische Monolog nur vom Generalbass, den aber der musikalische Leiter Patrick Cohën-Akenine mit heftigen Akzenten ausstattet. Dazu schien der Mond durch die Fensterfront der Orangerie.

Auch sonst ging Cohën-Akenine mit seinem Barock-Ensemble „Les Folies françoises“ schlicht, aber effektvoll vor. Zum Einsatz kommt nicht das üppig ausgestattete Orchester des Sonnenkönigs. Die Mini-Besetzung beschränkt sich auf Flöte, Oboe und Fagott, die nicht immer ganz sauber intonieren. Die beherzt und angeraut klingenden Streicher spielen zu fünft, aber trotzdem fünfstimmig. So gerät Lullys Musik ins Leuchten; das Klangbild wirkt lebendig und klar konturiert.

Rupert Charlesworth meistert die hohe Tenorpartie des Renaud ohne Anstrengung. Indem er die verschiedenen Gefühlszustände deutlich zeichnet, macht er als Liebhaber und als Krieger eine überzeugende Figur. In den Nebenrollen glänzen Pietro di Bianco und Tomislav Lavoie mit kraftvollen Bässen.

Regisseurin Deda Cristina Colonna stellt den Sängern sechs Mitglieder der „Nordic Baroque Dancers“ zur Seite, deren Drehungen und Trippelschritte alte höfische Tänze aufgreifen. Die barocken Originalen nachempfundenen Kostüme (Francesco Vitali) wirken dabei zuweilen unfreiwillig komisch. Riesige knallbunte Federbüsche, wallende Mäntel und Römer-Tunikas lassen an einen Kostümverleih denken – zumal in Brokat eingekleidete Schaufensterpuppen als Requisiten dienen.

Von Antja Rößler

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