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Lieber zu Pferde als im Auto

Roland Nicolaus in Galerie „Kunst-Kontor“ Lieber zu Pferde als im Auto

Der Maler Roland Nicolaus ist in der Potsdamer Galerie „Kunst-Kontor“ ein altbekannter Gast – nun zeigt er Bilder der vergangenen 40 Jahre. Immer wieder findet man ironische Zitate alter Meister und jene aus der Mythologie. Nicolaus sagt, er sei zeitgenössisch, aber nicht modern. Das führt gerade bei der Jagdgöttin Diana zum Funkenschlag.

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Roland Nicolaus in Potsdam mit seiner „Diana im Bade“, in Öl gemalt, fertiggestellt 2012.

Quelle: Lars Grote

Potsdam. Roland Nicolaus braucht Reibung, Gegenwind und einen klugen Einwurf, den er entkräften kann – dann spannt er die Statur, es wirkt, als würde sich der Mann entfalten, samt der Garderobe, die er trägt, und die wohl sagen will, er sitze lieber hoch zu Pferde als in einem Auto. Nicolaus, 62 Jahre, stemmt sich gegen den Geist der Zeit. Er sei „zeitgenössisch, aber nicht modern“, sagt er.

Schon in der DDR habe er nie die „Super-Traktoristin Inge“ gemalt, keine dieser Frauen, die mit einer „Rekordernte an Hülsenfrüchten“ nach Hause kommen und ein verschwitztes Lächeln für den Maler übrig haben. Er habe den verordneten „historischen Optimismus“ verworfen. Lieber nahm er Farben wie Hellblau oder Rosa, Facetten, die politisch nicht gesichert schienen. Doch was er daraus machte, waren keine kolorierten Kindereien. Seine nackte „Berliner Venus“ von 1986 war ein Hungermädchen, ihr Körper mager, ihr Blick verloren bis autistisch, ein blasser, strenger Gestus wie im Mittelalter.

Nicolaus hebt unmerklich das Kinn, es folgen Sätze, die sein Unbehagen an der Gegenwart in Worte fassen, die mit Wucht und Eleganz auch große Bühnen füllen würden – nicht nur die heimelige, exquisit bespielte Galerie „Kunst Kontor“ von Friederike Sehmsdorf an Potsdams Jungfernsee.

Ironische Zitate großer Meister

Roland Nicolaus wurde 1954 in Ost-Berlin geboren, er studierte zunächst an der Hochschule für Kunst und Design in Halle, später Malerei an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee.

Meisterschüler ist Nicolaus an der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin bei Willy Neubert gewesen.

Ein Markenzeichen seiner Arbeit ist das Spiel mit ironischen Zitaten großer Meister, der Mythologie und der Kunstgeschichte.

„Chapeau! Nicolaus – Werke aus 40 Jahren“ in der Galerie „Kunst-Kontor“, Bertiniweg 1a, Potsdam. Bis 1. Mai.

„Ich bin kein Pastor, ich interessiere mich nicht für den Menschen. Mich interessiert das Bild vom Menschen“, sagt er, wenn man ihm mit Berlin kommt, das er von oben malte, aus der Chefetage der Grundkreditbank, die jetzt abgerissen wird. Er suchte seine Perspektive auf Augenhöhe der Gedächtniskirche, unten wimmeln die Passanten, kleine Kleckse. Im August des letzten Jahres wurde das Bild fertig. Er malte ein zweites, ein Winterbild im Nebel, um 15 Uhr der letzte Strich. Am nächsten Abend fuhr ein Laster in die Menge auf dem Weihnachtsmarkt. Das Attentat hat dieses Bild verändert.

Roland Nicolaus hat vor vier Wochen den Himmel des Gemäldes umgemalt, „ich habe es dramatisiert“, es liegt nun hinter Nebel, wie London in den Werken von William Turner. „Nebel“, sagt Nicolaus, und wieder spannt er sich, „ist nicht grau, das ist ein Trugschluss – Nebel spielt ins Grünliche.“

Erstmals habe Berlin „Metropolencharakter“ auf seinen Bildern des vergangenen Jahres, doch eigentlich liebe er Potsdam. „Wegen der Schönheit“, sagt er. Weil Preußen „Poesie“ sei, viel eher als „Militarismus“. Er präzisiert: „Preußen ist gebaute Poesie“, nicht nur für die alten Herrscher, auch für die Bürger. Denn Preußen habe Bürgerkönige gehabt. Er selbst wohnt in Blumberg, Ortsteil der Gemeinde Ahrensfelde (Landkreis Barnim), östlich von Berlin.

Die Jagdhunde werden zu Möpsen

Nicolaus legt Wert auf Handwerk und auf Widerständigkeit, der Kunst des 20. Jahrhunderts habe er misstraut. Sie sei „miserabilistisch“, er horcht den Wörtern nach, die er da formt, und lächelt. Miserabilistisch, das bedeutet, die Kunst muss hässlich sein, deprimiert, um zu gelten. Und wer es wage, „schöne Bilder“ zu malen, sei „intellektuell verdächtig“. Schön, auch wenn er dieses Wort belächelt, ist allemal Diana, die Nicolaus auf dem Bild „Diana im Bade“ 2012 gemalt hat. Diana, die nackte Göttin der Jagd, wurde von Aktaion überrascht, der zur Strafe in einen Hirsch verwandelt wurde. Die Jagdhunde hat Nicolaus als Möpse gemalt. Ein Scherz. Seine Hunde haben Aktaion in der Mythologie zerfleischt.

Dann wiederum die beiden „Schwarzwaldmädels“, 2015 in Öl. Modegirls mit Bollenhüten, hinreißend schön und oberflächlich. Nicolaus kann beides, Mythen und Mode. Er kann es sich erlauben. Ein Meister unserer Zeit.

Von Lars Grote

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