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Kultur Liebermann im Gartenlokal
Nachrichten Kultur Liebermann im Gartenlokal
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18:34 06.07.2016
Max Liebermann schuf das lichte Gemälde mit dem Titel „ Gartenlokal am Wannsee“ im Jahre 1934. Quelle: Karen Bartsch
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Berlin

Man kann ja in der Liebermann-Villa am Berliner Wannsee nicht nur schauen – auf die Bilder und Lebenszeugnisse des Künstlers, dann weiter über den See hinweg oder in die knallbunte Pracht des Staudengartens – sondern auch anderweitig genießen. Ein Stück Obsttorte oder ein kühles Glas Rosé im Hauscafé besorgt und dann hinunter zu den lichten Birken am Wasser, wie sie ganz ähnlich auch schon Max Liebermann (1847– 1935) selbst erlebt – und dutzendfach gemalt – hat: Schon ist man, zumindest an Schönwettertagen, mitten drin im Lebenslust-Gesamtkunstwerk.

Der Künstler mittendrin im Kaffee- und Kuchenparadies

Der Maler selbst scheint das ähnlich genossen zu haben, ohne dabei die Arbeit zu vernachlässigen: Bilden doch derartige Freizeit- und Freiluftvergnügungen einen kontinuierlichen Themenstrang seines Schaffens seit den Münchner Jahren über die Holland-Aufenthalte bis eben an den Wannsee, wo er seit 1914 die Sommermonate verbrachte und dann mittendrin war im Bier-, Kaffee- und Kuchenparadies.

Viele Exponate stammen aus Privatbesitz

Eine Karte zeigt, dass sich die entsprechenden Etablissements entlang der Havelseen damals sogar noch dichter reihten als heute. Es ist also eine Art Heimspiel, wenn nun im Obergeschoss des Hauses eine Reihe dieser Motive zusammengeführt sind – viele davon aus Privatbesitz und entsprechend wenig bekannt wie ein von Lichtfülle und summender Lebenslust geradezu berstendes Flussufer-Kneipenbild aus dem holländischen Leiden.

Ein weiteres Holland-Motiv gibt es sogar doppelt: als (Pleinair?-)Skizze und ausgeführtes Gemälde – was interessante Einblicke zulässt, wie Liebermann dem Motiv durch die Hinzufügung einiger Gartenstühle und wenige Farbintensivierungen vibrierende Spannung verleiht. Doch auch bekannte Publikums-Renner wie der berauschende Blick vom Hochufer bei Nikolskoe mit seinen flirrenden Sonnenflecken und den fernab übers Wasser gleitenden Segelbooten – aus dem Bestand der Nationalgalerie – fehlen nicht.

Max Liebermann. Quelle: IMAGO

Lebensfreude pur also, Sommermärchen-Feste unteutscher Leichtigkeit? Doch nicht ganz. Zum einen setzen einige Künstlerkollegen Kontrapunkte, und da gibt es dann eben nicht nur den lyrisch entspannten, in sich selbst ruhenden Pointillismus eines Max Uth, sondern auch ein gewittrig sturmzerwühltes, fast schon leise apokalyptisches See-Restaurantbild des Expressionisten Franz Heckendorf.

Martha Liebermann ereilte ein tragisches Schicksal

Und wenn dann eine Vitrine im ehemaligen Atelierraum an das tragische Schicksal von Martha Liebermann erinnert – der Gefährtin all dieser Sommer, die dann nach Liebermanns Tod das Haus zwangsverkaufen musste und 1943 statt der Deportation nach Theresienstadt lieber den Freitod wählte – „liest“ man auch einige der Liebermann-Bilder anders. Vor allem die letzten nach 1933, dem Jahr der faschistischen Machtübernahme und seines Austritts aus der Akademie der Künste.

Milde Farben, zeichnerische Präzision

Der Maler und Grafiker Max Liebermann (1847–1935) gehört zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Impressionismus.

Andere Lichtverhältnisse und Maltraditionen geben dem deutschen Impressionismus einen anderen Charakter. Dieser zeichnete sich durch mildere Farben und eine stärkere zeichnerische Präzision aus. Liebermann bezeichnete die Natur daher sogar als „einfach und grau“.

Die Ausstellung „Max Liebermann – Biergärten und Caféterrassen“ kann noch bis zum 12. September in der Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 14109 Berlin besucht werden.

Geöffnet ist täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag und Sonntag 10 bis 19 Uhr.

Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger, 96-seitiger Katalog, für die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin herausgegeben von Martin Faass.

Was sich da unter den Gartenbäumen sammelt, agiert jetzt im gedämpften Halblicht, wird manchmal aus ziemlich weiter Entfernung gesehen und auch sonst auf melancholische Distanz gebracht. Das mag zwar, wenn man sich nähern würde, immer noch fröhlich plauderndes und trinkendes Volk sein wie ehedem – doch der, der es beobachtet und malt, gehört schon nicht mehr dazu.

Von Gerald Felber

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