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Kultur Funny van Dannen mit neuem Album
Nachrichten Kultur Funny van Dannen mit neuem Album
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14:34 26.09.2018
Funny van Dannen. Quelle: Jaro Suffner
Potsdam

Funny van Dannen, 60 Jahre, singt von müden Steinen, die gerne schlafen würden, von Uhren, die nicht immer an die Zeit denken wollen, von sprechenden Insekten und melancholischen Tieren.

Herr van Dannen, früher wohnten Sie in Kreuzberg, heute am Berliner Standrand – bringt man das Leben besser auf den Punkt, wenn man etwas abseits sitzt?

van Dannen: Das hängt vom Lebensalter ab. Früher, als die Kinder klein waren, ist Kreuzberg toll gewesen. Wir hatten damals nichts, wir brauchten auch nichts. In anderen Städten hätte man schon für Kleidung und Mobiliar viel ausgeben müssen. In Kreuzberg hat man immer improvisiert und kam fast ohne Geld zurecht.

Fehlen Ihnen Lärm und Widersprüche, um Lieder, Chansons und Moritaten zu schreiben?

Nein, ich brauche die Außenwelt nicht. Mir ist es lieber, wenn ich keine durchgedrehten Leute um mich herum habe. In meinem Kopf ist es schon wirr genug. Das ist eine wilde Mischung aus Ohnmacht, Übermut und Albernheit. Ich gehe nicht mehr davon aus, dass ich etwas Neues erzähle, aber halte mich an den Satz von Karl Valentin: „Alles ist gesagt, aber noch nicht von jedem.“ (lacht)

Neues Album am 28. September

Funny van Dannen kam am 10. März 1958 als Franz-Josef Hagmanns-Dajka in Tüddern zur Welt, das damals unter niederländischer Verwaltung stand. Heute gehört der Ort zum nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg.

Er schloss eine Ausbildung zum Grafikdesigner ab, arbeitete nie in diesem Beruf – hatte aber nach seinem Umzug 1978 nach West-Berlin den Wunsch, als Kunstmaler zu arbeiten.

Erste musikalische Erfahrungen sammelte er als Heino-Parodist im südlimburgischen Dialekt.

Sein 18. Album „Alles Gute, Motherfucker“ erscheint am 28. September. Er debütierte mit „Clubsongs“ im Jahr 1995.

Seine Tournee führt ihn u.a. nach Berlin (8.11., RBB-Sendesaal).

Wird Kunst verkrampft, wenn sie Geld bringen muss?

Eine Freundin aus der Modebranche muss ihre Kollektionen immer pünktlich zur nächsten Saison fertig haben. Keine Ahnung, ob ich dem standhalten könnte. Ich habe immer lustig drauflosgeschrieben, alle zwei Jahre kam eine CD heraus. Obwohl: Eigentlich habe ich viel mehr produziert, als veröffentlicht werden konnte. Das Label hat geschimpft – nee, Funny, wir können jetzt nicht schon wieder ´ne Platte rausbringen, das schaffen wir promomäßig nicht!

Ihre Lieder sind anteilnehmend und verachtend – in welcher Reihenfolge?

Ich bin menschenfreundlich eingestellt, aber manchmal passiert was auf der Welt, im Großen wie im Kleinen, das mich böse macht. Darum sind es eben keine Kinderlieder, wie manche glauben. Das ist ein großes Missverständnis. Ich singe oft „Scheiße". Sowas mögen Kinder nicht. Vor kurzem kam eine Mail: „Wir machen eine CD mit Kinderliedern, schick mir doch mal was rüber". Dem habe ich geantwortet: „Ich schreibe keine Kinderliede!". Er darauf: „Haha, unsere Kinder singen deine Lieder ständig." (lacht)

Sie sind ein Punk, der sich im Kostüm des Liedermachers tarnt...

Ja, da ist was dran. Manche Leute halten mich für harmlos, und plötzlich merken sie, in welche abseitigen Gegenden ich sie führe. Das ist nicht kalkuliert, aber so kann es sein. Auch früher habe ich nie lupenreinen Punk gespielt. Es war damals bei mir jazziger und dissonanter. Die interessanten Sachen sind musikalisch nervöser als der Punk gewesen, fand ich.

„Was für ein Blödsinn!“

Wahrscheinlich verachten Sie den Kommerz.

Es gibt Stücke von den Toten Hosen mit meinen Texten, aber die habe ich nie für die Toten Hosen geschrieben. Es war kommerziell erfolgreich, das fand ich gut. Mit Campino gucke ich dann, was von meinen Texten zu ihm passt. Für andere Leute schreiben könnte ich nicht. Bei Campino klappt es, weil wir beide ein rheinisches Naturell haben.

Kommt es bei Konzerten vor, dass Sie Scham für das empfinden, was Sie getextet haben?

Nein. Aber manchmal denke ich: Mein Gott, was für ein Blödsinn! (lacht)

Woher haben Sie diesen fast dadaistischen Humor?

Von meinen Eltern habe ich ihn nicht. Mein Vater ist ein stiller, geselliger Mensch. Er ist im Karneval aufgetreten. Vorbilder waren eher die Mundartsänger meiner Heimat, die sangen über die Liebe, aber die waren nicht dadaistisch unterwegs. Meine Eltern kennen meine CDs, mein Vater hört sich das ganz gerne an. Meine Mutter kann wenig damit anfangen. Sie ist sehr traditionell. Als Holländerin ist sie beinharte Monarchistin und steht sehr auf niederländische Schnulzensänger.

Schnulzen singen Sie auch...

Ja, die spiele ich sehr gerne.

„Ein Treffer wäre schön gewesen“

Fühlen Sie sich verkannt, weil Sie nie in den Top 10 standen?

Nein, ich bin eher erstaunt, dass ich überhaupt einen gewissen Erfolg mit meinen Liedern habe. Es gibt ja nicht so viele, die auf der gleichen Wellenlänge funken. Aber es wäre natürlich schön gewesen, wenn ich mal einen Treffer gelandet hätte. Damals mit den Toten Hosen gab es ja schon Hits, das Lied über Bayern München zum Beispiel. Aber das waren Erfolge, weil es die Hosen gesungen haben.

Gemein, kaum singt es Campino, geht es ganz nach oben.

Das ist in Ordnung. Ich bin nicht der Mann fürs Riesenpublikum. Dort würde ich wohl missverstanden. Mein größter Erfolg war das Buch „Neues von Gott" – das haben sich die Leute bestimmt gekauft, weil sie dachten, da stehe wirklich etwas Neues über Gott drin (lacht).

Ein Rätsel, warum es bei Ihrem Talent nicht zur großen Karriere gereicht hat.

Meine alte Plattenfirma hatte nicht mal Geld für Studioaufnahmen, ich musste die ersten Alben live einspielen. Als ich Anfang der 90er-Jahre die Lassie Singers mitgründete, hatte eine der Sängerinnen Kontakt zu Sony – denen hatte ich etwas geschickt. Die haben nur zurückgeschrieben: Leider können wir für Ihre Texte keine Vision entwickeln (lacht). Ich möchte auch weiterhin Lieder zum Beispiel über „Schilddrüsenunterfunktion" schreiben. Das ist nicht populär. Aber manchmal denke ich: Gefällt mir ganz gut.

: Lars Grote

Von Lars Grote

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