Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Klaus Hoffmann kommt nach Potsdam

Liedermacher Klaus Hoffmann kommt nach Potsdam

Er gibt sich lässig. Wählt ungefragt das „Du“. Der Liedermacher Klaus Hoffmann empfängt zum Gespräch in sein Berliner Büro, das wie eine Wohnung wirkt und erzählt von Freunden und von alten Zeiten. Am Mittwoch spielt er in Potsdam.

Voriger Artikel
Zeitschrift für Schallplatten-Liebhaber: "Mint"
Nächster Artikel
Christiane Paul bringt „Death Watch“ mit

Klaus Hoffmann

Quelle: imago stock&people

Potsdam. Klaus Hoffmann braucht Nähe, das ist nichts Schlechtes in der weiten, weltläufigen Wohnung am Berliner Kurfürstendamm, die an Paris erinnert. Er wohnt hier nicht, das ist nur sein Büro, seine Lebensgefährtin hat es mal „gefunden“. Hoffmann trägt ein blaues Polohemd, er sagt: „Du hast Glück, ich bin heute gut gelaunt.“ Ein „Sie“ kommt ihm nicht in die Tüte. Er will sich Menschen nähern, auf Tuchfühlung gehen, das „Du“ ist ja in diesem Fall ein gutes Instrument.

Er holt sich einen Block, „ich schreibe bei unserem Gespräch mit, in Ordnung?“ Das ist keine Kontrolle, sondern der Drang zu Kreativität. Am Ende wird er sagen: „Du hast mir Themen für vier Lieder geschenkt.“ Er hat es eilig, denn er muss jetzt noch zu Wowereits Geburtstagsfeier. Hoffmann analysiert knapp und präzise das Verhältnis vom alten Berliner Bürgermeister zu dessen Lebensgefährten, aber das darf man hier natürlich nicht veröffentlichen.

Hoffmann braucht keine Fragen, er braucht nur ein Glas Wasser und ein Gegenüber, das ihm Spannung und kurz auch mal die Stirn bietet. Er erzählt von seinem Bassisten, den er von Peter Maffay hat, und von dem ersten Treffen, als er ihn am Flughafen abgeholt hat, Jahre her. „Der hatte einen Schnauzer, er wirkte wie ein Wohnungsloser, ich bin fast umgefallen. Doch wir sind mittlerweile beste Freunde.“ Auch sein Toningenieur ist ein Freund, der lebt in München, zu dem fährt Hoffmann mit der Band zuweilen, „um beim Italiener viel zu fressen und zu saufen“. Das gebe ihm Kraft.

Schauspieler und Liedermacher

Klaus-Dieter Hoffmann wurde am 26. März 1951 in Berlin-Charlottenburg geboren, seine Mutter war Fabrikarbeiterin, sein Vater Finanzbeamter – er starb, als der Sohn zehn Jahre alt war.

Nach seiner Schauspielausbildung hatte Hoffmann Theaterengagements an renommierten Berliner und Hamburger Bühnen, 1976 spielte er die Hauptrolle im Film „Die neuen Leiden des jungen W.“

Mehr als 40 Alben hat Klaus Hoffmann eingespielt, darunter viele Live-Platten.

In Potsdam spielt Hoffmann an diesem Mittwoch: Nikolaisaal, Wilhelm-Staab-Straße 10/11, 20 Uhr, Karten unter 0331/28 888 28.

Natürlich, so ein Leben kostet. Gut Essen, gut Wohnen. „Ich trete 60 bis 80 Mal im Jahr auf, denn ich muss Kohle machen, um das Leben zu finanzieren. Vor allem bin ich sprachbesoffen. Ich muss mich äußern auf der Bühne.“ Dann erzählt er von einem weiteren Freund, dem niederländischen Liedermacher Herman van Veen. Dem sei er ähnlich. „Herman sagt manchmal zu einer Frau, die er gerade kennenlernt: Gudrun, ich will zehn Kinder mit dir! Ach, ich habe ja schon zehn…“

Anfänge reizen Hoffmann. „Scheiße, ich will wieder Pop machen“, ruft er, „so wie früher, nicht nur die Liedermacherei.“ Aus der Pop-Zeit gibt es Plakate von ihm, „fantastische Plakate, da war ich jung und dünn! Doch du brauchst 2000 Leute für so einen Auftritt, die Hallen sind nicht leicht zu füllen.“ Sein Freund Till Brönner (überhaupt hat er sehr viele Freunde) erinnert ihn an seinen eigenen Beginn. Brönner, dieser smarte Trompeter.

Hoffmann, 64 Jahre, ist zum Preußen erzogen, „meine Disziplin kotzt mich an“, sagt er. „Meine Stimme war mir sehr lange unerträglich.“ Die Tür zur Selbstversöhnung hat Jacques Brel geöffnet, der belgische, französischsprachige Chansonier, „er ist nicht so verkopft wie die deutschen 68er, sondern zeigt Gefühle.“ Das Französische liebt Hoffmann mit dem Herzen, das Englische mit dem Kopf – es sei so präzise und sinnfällig in seinen Wendungen. Doch auch das Deutsche mag er, seine eigene Arbeitssprache. Gerade hat er sich von Sarah Connor das Album „Muttersprache“ geholt.

„Ich war in meinem Turm, Singen hat mir das Leben gerettet“, betont Hoffmann. „Stehen, Bestehen, Fliehen – ich folge meinen Füßen“, so nennt Hoffmann seinen mentalen Dreiklang. Auch wenn er als Kind die Elternwelt gefürchtet habe, sei er ein Glückskind: „Du musst die treffen, die du treffen willst.“ Es gab die Gelegenheit, mit Charlie Chaplin kurz zu plaudern: „Habe ich nicht gemacht, er ist zu klug und zu erfolgreich.“

Hoffmann sei nun ausgeglichener als früher. „Damals raunten die Leute, du bist ein Riesentalent – dabei hatte ich nur schlecht geschlafen.“

Von Lars Grote

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?