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Lollapalooza: Aufs falsche Feld gesetzt?

Festival in Hoppegarten Lollapalooza: Aufs falsche Feld gesetzt?

Das erstmals in Brandenburg ausgetragene Lollapalooza-Festival schwankt zwischen Entzücken und Entsetzen. Das bunte Fest in Brandenburg bot gute Konzerte, aber vor allem eine katastrophal schlechte Organisation. Dabei geriet der von Anwohnern so gefürchtete Lärmbelästigung in den Hintergrund.

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Dicht gedrängt erlebten die Fans zwei Tage die Konzert ihrer Lieblingsbands und Sänger, darunter Mumford & Sons, London Grammar, die Foo Fighters und Cro.

Quelle: dpa-Zentralbild

Hoppegarten. Als Sandra Bleckert das Lollapalooza-Festival „eine Katastrophe“ nennt, kann sie am Samstagnachmittag nicht ahnen, dass einige Konzertbesucher Stunden später in denselben Worten schimpfen werden. Die Anwohnerin der Rennbahn in Hoppegarten (Märkisch Oderland) protestiert mit Schildern gegen den neuen Standort des Festivals. Einer der Slogans darauf: „Lollapalooza macht jeden Gaul verrückt“. Um die Last der Tiere mit dem Lärm zu begreifen, genüge ein Blick in ihren Stall. „Zwei Pferde hatten weit aufgerissene Augen, ich habe versucht sie mit Bachblüten zu beruhigen“, sagt Bleckert.

Anwohner protestieren gegen den Lärm vor ihrer Haustür

Anwohner protestieren gegen den Lärm vor ihrer Haustür.

Quelle: dpa

Einige Auftritte später kippt auch die Ausgeglichenheit der Besucher in Ärger um. Die britische Folkrock-Band Mumford & Sons verabschiedet sich gerade von der Hauptbühne, da warten Tausende bereits an den überfüllten Ausgängen. Sie treten auf der Stelle, Ordner erzählen was von „temporär geschlossen“ und erregen mit bürokratisch formulierten Beschwichtigungsversuchen noch mehr Zorn. Manche warten mehr als eine Stunde auf Durchlass, im Laufschritt ziehen sie dann zum S-Bahnhof Hoppegarten.

Veranstalter entschuldigt sich für Abreise-Chaos

Der Startpunkt zur Heimreise gerät zur Endstation. Vor der Treppe stauen sich Menschen, die Bundespolizei verkündet per Lautsprecher, den Bahnhof zu sperren. Manche werden ihre Wohnungen im fünf Kilometer entfernten Berlin erst Stunden später erreichen. Einer Frau kullern Tränen übers glitzernd geschminkte Gesicht. Vereinzelt kollabieren Menschen im Gedränge.

Via Internet nahmen die Veranstalter Stellung zu den langen Schlangen an vielen Ständen und zu den Problemen bei der Abreise vom Festival. Darin heißt es unter anderem: „Die Samstagnacht war für uns alle eine wirkliche Herausforderung. Wir wissen, wie sehr Euch diese lange Abreise mitgenommen hat. Es tut uns wirklich leid, wie lang der Rückweg für viele von Euch wurde.“

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Das Wetter ist nicht ideal, aber die Musik stimmt und das Bier schmeckt: Das Lollapalooza-Festival lockt auch an seinem dritten Veranstaltungsort Hoppegarten Zehntausende Besucher an und glänzt nicht zuletzt mit einem schrägen Rahmenprogramm. Wir zeigen die schönsten Bilder.

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Das erstmals in Brandenburg ausgetragene Lollapalooza-Festival schwankt zwischen Entzücken und Entsetzen. Vor allem Lokalmatadore, wie die Punkrock-Band Beatsteaks und das mal quietschbunt und mal fast gar nicht bekleidete Anarcho-Pop-Kollektiv Bonaparte, begeistern die jeweils 85.000 Besucher am Wochenende.

Geld bezahlen dafür, Geld zu bezahlen

Abseits der Bühnen stehen sich die Musikfans überall die Füße platt – beim Einlass, bei den Toiletten und Essensbuden. In Hoppegarten gewöhnen sich die mühevoll Angereisten daran, Wartezeiten in Stunden zu messen. Dabei preisen sich die Festival-Macher als Event ohne lange Bezahlschlangen. Jeder Besucher trägt am Armband einen Chip. Bezahlen kann nur, wer auch brav an einer der Aufladestationen Geld gelassen hat. Jedes Mal geht ein Euro Gebühr drauf. Geld bezahlen dafür, Geld zu bezahlen – was soll das? Eine Kassiererin zuckt die Achseln. Aber das Restgeld bekäme man per Online-Formular nächste Woche zurück. Herzlichen Dank.

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Mit Indie-Musik und Elektro lockt das Lollapalooza-Festival Zehntausende nach Hoppegarten bei Berlin. Mit dabei sind unter anderem Marteria, die Beatsteaks und Mumford & Sons.

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Dabei betonen die Organisatoren immer wieder, wie wichtig ihnen neben der Musik all das Menschliche dazwischen ist. Sie haben einen „grünen Kiez“ aufgebaut, eine Art Öko-Erlebniswelt. Statt Milch von der Kuh gibt es an einem Stand ein Hafergetränk, die Verkäufer werben für die „Post-Milk-Generation“. Auf der „Kidsapalooza“-Kinderbühne führt eine Gruppe namens Bummelkastens Klopapierschlacht die Liste Bands und Sänger an.

Tausende schütteln sich im Takt der Bässe

Die Erwachsenen bejubeln neben den Foo Fighters, der Mega-Band des Ex-Nirvana-Drummers Dave Grohl, auch viele deutsche Stars. Der Rapper Marteria animiert dauerhüpfend und unterstützt durch Pyrotechnik und Gaststars die Meute zum Ausflippen. Als wüssten sie, dass sie stundenlanger S-Bahn-Stillstand erwartet, schütteln sich Tausende im Takt der dicken Bässe. Dann wieder heben sie bei „Bengalische Tiger“ die Arme und folgen den Anweisungen des Rostocker Rappers: „Jetzt wird Goethe zitiert, also Faust hoch.“ Da ist das Rückreise-Chaos nur noch ein paar Songs entfernt – und die Faust wird vor stiller Wut in die Tasche wandern.

Krach um den Lärm

Wegen möglicher Lärmbelästigung für die Anwohner der Rennbahn hatte es bereits vor dem Festival kontroverse Diskussionen geben.

Kurz vor dem Festival-Start hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschieden, dass der Veranstalter vom Lärm besonders stark betroffenen Anwohnern ein Ersatzquartier zu bezahlen habe.

Angeordnet wurde, die Musik am Samstag um 23 Uhr und am Sonntag um 22 Uhr zu beenden.

Von Maurice Wojach

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