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Lucas Gregorowicz ist der neue Krause

„Polizeiruf 110“ aus Brandenburg Lucas Gregorowicz ist der neue Krause

Er flüchtete als Kind aus Polen, spielt Theater am Wiener Burgtheater, kennt Brandenburg von seinen Motorradtouren und positioniert sich klar in der Flüchtlingsfrage. Der smarte Schauspieler Lucas Gregorowicz, der Horst Krause beim „Polizeiruf 110“ beerbt, ist am Sonntag erstmals als Kommissar an der Seite von Maria Simon zu sehen.

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Ganz anders als Horst Krause, trotzdem gut: Lucas Gregorowicz.

Quelle: dpa

Potsdam. Nur einmal ist ihm Horst Krause begegnet, ganz zufällig in Berlin. Lucas Gregorowicz (39) stellte sich ihm als sein Nachfolger vor, dann gingen sie Bier trinken und Krause gab ihm seinen Segen. Am Sonntag ist Gregorowicz erstmals als Ermittler zu sehen, hier spricht er über seine Flucht aus Polen und die neue Fernsehrolle.

Herr Gregorowicz, Sie sind in London geboren, obwohl die Stadt in Ihrem Leben sonst keine Rolle spielt...

Lucas Gregorowicz: Viele Polen haben damals in England gearbeitet, auch mein Vater. Er kam zurück und hat meine Mutter kennengelernt, er nahm sie in seinem VW-Käfer hochschwanger mit nach London, quer durch die DDR, quer durch West-Deutschland. In England sagten die Ärzte, dass meine Mutter in ihrem Zustand keinesfalls zurück nach Polen könne. Also kam ich 1976 in London auf die Welt.

Warum sind Sie zurückgekehrt nach Polen?

Gregorowicz : Mein Vater wollte weiter nach Amerika, doch meine Mutter hat gesagt, sie möchte unbedingt in ihre Heimat. Also bin ich zehn Jahre in Polen aufgewachsen. Dann ging es wieder bei Nacht und Nebel über die Grenzen ins Ruhrgebiet, diesesmal in einem kleinen Fiat Bambino. Wir zogen nach Bochum.

Sie reden von der Vorwendezeit – es war damals nicht leicht, von Polen in die Bundesrepublik oder nach London zu fahren.

Gregorowicz : Mein Vater hat viel Charme, zu seiner Zielgruppe gehören Frauen auf Ämtern (lacht). Ich habe keine Ahnung, wie er das macht.

Wie kam es, dass Sie die Rolle im Brandenburger „Polizeiruf 110“ bekamen? Eine begehrte Rolle mit vermutlich starker Konkurrenz.

Gregorowicz: Soll ich ehrlich sein?

Bitte!

Gregorowicz: Ich bin der einzige Schauspieler in Deutschland, der Polnisch und Deutsch kann. Die hatten gesucht, doch keinen anderen gefunden.

Der Neue greift am Sonntag im „Polizeiruf 110“ ein

Lucas Gregorowicz wurde am 31. August 1976 in London geboren. Er wuchs in Polen auf – als er zehn Jahre alt war, ging seine Familie nach Bochum. Dort nahm er Schauspielunterricht.

Einen Namen machte sich Gregorowicz am Schauspielhaus Bochum unter der Regie von Leander Haußmann in Shakespears „Viel Lärm um nichts“.

Im Kino gab er seine Premiere in „Solino“ von Fatih Akin.

Polizeiruf 110: Grenzgänger. Sonntag, ARD, 20.15 Uhr.

Wie verlief Ihr erstes Treffen mit Maria Simon, die seit Jahren die Kommissarin im Brandenburger „Polizeiruf“ spielt?

Gregorowicz: Es gab ein Casting, wir haben zusammen eine Szene gespielt, Drehbuchschreiber und Regisseur haben zugeschaut und geguckt, ob sie Ideen dazu haben. Dann kam die gute Nachricht: Ich bin genommen!

Haben Sie gleich einen Ton für die Rolle gefunden, oder mussten Sie lange suchen?

Gregorowicz : Im Grunde habe ich den ersten Film damit verbracht, mich zurechtzuruckeln. Der Sender kam mir sehr entgegen, die wollten, dass es spontan von mir entschieden wird, was der neue Kommissar sagt, und was er nicht sagt. Jeder sucht seine Rolle anders – mir hilft es zum Beispiel nicht besonders, mir vorzustellen, was die Lieblingsfarbe der Figur ist, oder ob sie als Kind eine Katze hatte.

Ist es heikel, einen deutsch-polnischen Krimi zu drehen, oder ist das Verhältnis zwischen den Ländern mittlerweile so entspannt, dass es keine Risiken bei solchen Filmen gibt?

Gregorowicz: Offenbar gibt es viele Reibungen oder heikle Punkte, über die man Geschichten erzählen und damit auflösen kann. Gerade ein Krimi kommt ja schnell zur Sache, vor dieser Kulisse lassen sich viele Szenarien entwerfen, über die man zum Beispiel zusammen lachen kann.

Haben Sie alte Filme mit Horst Krause gesehen?

Gregorowicz: Ehrlich gesagt, nein. Ich war nie die Zielgruppe dafür.

Wie kann man bei Krause nicht zur Zielgruppe gehören?

Gregorowicz: Ich bin kein Krimigucker...

Wenn Ihnen Krimis fremd gewesen sind: Ist die neue Gattung reizvoll, was sagen Sie nach ihrem ersten Dreh?

Gregorowicz: Einen Kommissar zu spielen, das ist ein eigenes Fach. Als Kommissar musst du gewisse Dinge bedienen. Wenn Imogen Kogge, die mal die Kommissarin in Brandenburg spielte, sagt, dass sie nicht mehr fragen wolle, wo der Verdächtige zwischen 20 und 21 Uhr gewesen ist, kann ich das verstehen. Andererseits kennt man als Schauspieler natürlich viele Fernsehkommissare und nimmt es als Herausforderung, nicht in diese Fallen zu tappen und es eben anders zu machen. Ich habe versucht, mich von den alten Mustern zu lösen, und ertappte mich trotzdem dabei, wie ich gerade etwas ungeheuer Klischeehaftes tue. Doch das gehört dazu. Du musst die Tradition der deutschen Fernsehkrimis mit dem Versuch, das alles abzuschütteln und dein eigenes Ding zu machen, miteinander versöhnen.

Kennen Sie sich mental in Brandenburg aus? Was für ein Ton gehört in einen Film aus dieser Gegend?

Gregorowicz : Ich wohne derzeit in Wien und habe nicht so viel Kontakt zu Brandenburg. Aber ich bin mit dem Motorrad durch Deutschland gefahren, immer die schönsten Strecken, und habe von Brandenburg vor allem ein landschaftliches Bild, nicht unbedingt ein mentales. Ich hatte große Vorurteile gegenüber Frankfurt (Oder), die sich nicht bestätigt haben. Frankfurt hat mich an Bochum erinnert, meine Heimat. Bei der Premiere des Filmes haben uns die Leute unglaublich herzlich empfangen, und sie sind stolz darauf, dass ihre Stadt so protegiert wird.

Reizt Sie an diesen Städten der Charme von harter Arbeit?

Gregorowicz : Wenn ich in Wien bin, fühle ich mich schnell erschlagen von der Opulenz und Schönheit. Manchmal fahre ich 30 Kilometer raus nach Wiener Neustadt, weil dort die Schönheit fehlt, und ich mich dort ein bisschen zu Hause fühle.

Es geht im Film um Flüchtlinge, obwohl das Thema zu Zeiten der Dreharbeiten nicht so drängend war wie heute...

Gregorowicz: Man sieht im Film ja noch erstaunlich leerstehende Flüchtlingsheime. Als ich mit meiner Familie aus Polen kam, lebten wir erstmal im niedersächsischen Übergangslager Friedland – mein Bruder und ich hatten ein Etagenbett und konnten Tom und Jerry gucken. Das war relativ komfortabel. Heute dagegen platzt das Haus, und nicht nur dieses, aus allen Nähten.

Haben Sie noch einen polnischen Pass, oder nur den deutschen?

Gregorowicz : Ich habe keinen polnischen Pass mehr, weil mich das Land irgendwann zur Armee einziehen wollte. Da war es die bessere Idee, den Pass loszuwerden.

Ist denn Ihr Polnisch akzentfrei?

Gregorowicz: Ich dachte eine Weile, es wäre akzentfrei – doch dann fuhr ich nach Polen und wurde eines Besseren belehrt.

Was für einen Blick haben Sie heute auf Polen?

Gregorowicz: Immer, wenn ich von Frankfurt während der Dreharbeiten hinüber nach Polen gefahren bin, habe ich mich daran erinnert, wie meine Familie damals tagelang an der geschlossenen Grenze stand. Wir hofften einfach, dass wir rüberkommen. Es war nervlich sehr aufreibend. Wenn ich heute sehe, dass es dort keine Grenzkontrollen mehr gibt, empfinde ich das als Segen – auch in diesen Zeiten, in denen wegen der Flüchtlinge wieder darüber diskutiert wird, die Grenzen stärker zu kontrollieren. Dass sich die Menschen diesseits und jenseits der Grenze treffen und austauschen können, ist ein hohes Gut – es hilft gegen die Angst, die im Moment herrscht.

Von Lars Grote

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