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Ludwig Rauch zeigt malende Fotografie in Potsdam

Ausstellung Ludwig Rauch zeigt malende Fotografie in Potsdam

Wie mit poetischer Hand wirken die Fotografien von Ludwig Rauch komponiert. Er hat mehrere seiner Bilder hintereinander gelegt, dadurch entstehen Effekte, die hinein in die Malerei reichen. Auf Klimbim wie Photoshop-Programme, mit denen man Fotos manipulieren kann, verzichtet Rauch - seine Arbeit ist handgemacht, doch wird am Computer zusammengefügt.

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Getreide, Blumen, Gräser – sie tragen die Maserung von Holz. Und täuscht das, oder explodieren sie tatsächlich?

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Auf den Bildern zeigt sich die Natur in einer Schönheit, die so künstlich wirkt wie jene roten Äpfel aus dem Supermarkt – auch da glaubt man, sie seien angemalt von einem Pinsel. Im „Kunstraum“, der Galerie des Potsdamer Waschhauses, geht es nicht um Äpfel, sondern um die Ähren von Getreide, um gebeugte Kornblumen oder schlicht um Hafer, der verschlungen zur Sonne wächst. Die Formationen sehen aus wie Scherenschnitte, klare Kontur, doch ihre Farbe wirkt wie warmes Holz, in das sich Jahresringe eingefressen haben. Die Anmutung ist golden, und in der Summe wirken diese kuriosen, kolorierten Windungen fast wie ein Feuerwerk.

„Natural Lines“ nennt Ludwig Rauch die Bildstrecke, die sich aus neun Motiven zusammensetzt. Rauch, 1960 in Leipzig geboren, hat sich einen Namen als Fotograf gemacht, nun schlägt er die Brücke zur Malerei. Nicht, dass er Stift oder Pinsel nähme. Weiterhin setzt er aufs Foto, legt aber verschiedene Bilder wie Schichten hintereinander. Früher hätte man „Mehrfachbelichtung“ zu seinem Arbeitsstil gesagt, heute lässt sich der Prozess in groben Zügen so beschreiben, dass verschiedene Motive am Computer überlagert werden. Rauch meidet die Bearbeitung mit Photoshop, diesem Programm, das eine Welt mit wenig Mühe aus den Angeln hebt – schnell sind Regler verschoben, Kontraste geschärft, der Himmel klart auf, von Fotoshops Gnaden. Eben diesen Ansatz meidet er.

Bilder, die wie Krankenakten wirken

Ludwig Rauch hat alle Fotos selber aufgenommen, hat sie nicht bearbeitet, allenfalls zum Negativ gewendet, was naturgemäß die Aura eines Geisterfilmes nach sich zieht. Nur die Überlagerung der Bilder hat er sich als Kniff gestattet – die Palette der Stimmungen, die daraus wuchs, ist reichhaltig. Manches wirkt wie Taschenspielerei, dessen Witz recht theoretisch bleibt – etwa bei die Reihe „Pointing at Reality“, in der eine Lochschablone vor den Bildern liegt, die Motive also grob gepunktet wirken, wie einer der Siebdrucke von Andy Warhol. Mal ist eine Brücke, dann ein Dampfer oder eine Hütte zu sehen. Nur schemenhaft, von den Punkten grob verstellt. Das ist Popart, in der seit jeher das Alltägliche mit leichter Manipulation im Bildaufbau gezeigt wird. Diese Bilder sollen wie Krankenakten unserer modernen, seelenlosen Zeit gelesen werden, doch bei Ludwig Rauch bleibt man bei dieser Serie ratlos. Gedanklich taugen diese Bilder nicht zum Funkenschlag.

Publikationsverbot und Übersiedlung

Ludwig Rauchs Ausstellung „Nothing true at all“ ist noch bis 12. Juni zu sehen, Mi-So 13 bis 18 Uhr. Kunstraum Potsdam c/o Waschhaus. Schiffbauergasse 4d. www.kunstraumpotsdam.de

Im Obergeschoss der Galerie zeigt Phillip Langer im selben Zeitraum seine „blind“, aus dem Gedächtnis gemalten Porträts und seine mit Kohle, Sand, Wasser und Tinte geschaffenen Welten, die tief und nicht greifbar wirken.

In Leipzig kam Ludwig Rauch 1960 zur Welt, dort studierte er Bildjournalismus, 1986 folgte ein Publikationsverbot in der DDR. Übersiedlung nach West-Berlin im Januar 1989. Seither freier Fotograf und Künstler.

Fruchtbarer sind, neben der filigran gebauten Reihe „Natural Lines“, kühne Kompositionen wie „Diary of Struggle with Daily Reality“, wo eine Frau, nur mit rotem Rock bekleidet und weißer Blume im Haar, vor einem Klotz kniet. Wie zur Hinrichtung. Doch diese böse Ahnung wird durch elegantes, erotisches Flair schnell unterlaufen. Im Vordergrund ein Pfau, dessen Rad sich transparent über die Frau und den Klotz legt. Farblich vollendet arrangiert, wirkt die weiße Blume wie eine Krone. Hier wird Stimmung transportiert auf eine Weise, die den Sinn ersetzt. So geht Poesie. Sie bringt die Dinge auf den Punkt, ohne sie mühsam auszubuchstabieren.

Von Lars Grote

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