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Kultur Luftballons zum Luther-Spektakel
Nachrichten Kultur Luftballons zum Luther-Spektakel
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00:37 01.11.2015
Stefanie Hoppe mit Luther-Luftballon und Luther-Keksen. Quelle: MAZ/Stürmer
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Potsdam

Martin Luther – ganz praktisch: Seit Neuestem kann man sich vom Reformator durch den Supermarkt begleiten lassen. Einfach den Chip mit seinem Konterfei in die Halterung des Einkaufswagens gesteckt und los geht’s. Auf einem Frühstücksbrettchen ist sein Segen zu lesen. Mit Luther-Socken kann man sich seine Füße wärmen. Auf denen ist der bekannte Satz verewigt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Und der evangelische Werbedienst vertreibt ebenso Krawatten, Tassen und Frisbee-Scheiben mit seinem Bildnis.

Was hätte Luther eigentlich dazu gesagt, dass er jetzt – das 500. Reformationsjubiläum 2017 wirft seine Schatten voraus – auf solchen Alltags-Produkten prangt? Als eine Art Kult-Figur. Stefanie Hoppe, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Bergholz-Rehbrücke (Potsdam-Mittelmark), schmunzelt und sagt: „Ein Teil meiner Kollegen denkt, solche Werbe-Artikel sind Mumpitz. Die fahren nicht auf sowas ab. Aber Luther hätte wohl nichts dagegen gehabt. Weil er ja auch keine Scheu hatte, seinerzeit moderne Medien wie Flugblätter und Flugschriften zu nutzen.“ Er habe kleine Heftchen in großen Mengen herausgegeben, darin standen seine Kritik an der katholischen Kirche und Überzeugungen vom protestantischen Glauben. Luther habe ja auch überlegt, wie er seine Botschaft zu den Menschen bringen kann. Und sie ergänzt: „In unserer Zeit sprechen die Leute eben auf bildliche Sachen wie Logos mit Wiedererkennungswert an.“

Wenn die 39-jährige Pfarrerin am Sonnabend in der alten schönen Fachwerkkirche von Bergholz mit ihrer Gemeinde das Luther-Spektakel samt einem kleinen Theaterstück feiert, bei dem Szenen wie der Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg nachgespielt werden, wird sie zum Schluss Luther-Bonbons in die Menge streuen und -Kekse verteilen, von denen sie eine Kiste bestellt hat. Auch Luther-Luftballons. „Aber verbunden mit dem Hinweis, sie im Ort ranzuhängen, damit alle erinnert werden, dass Reformationstag ist.“

Der Reformator

Geboren wurde Martin Luther 1483 in Eisleben (Sachsen-Anhalt). Er studierte Jura in Erfurt, wurde dort Mönch im Augustinerkloster. Und hielt nach seinem Theologie-Studium ab 1512 als Professor Vorlesungen in Wittenberg.

Am 31. Oktober 1517 soll er seine 95 Thesen, mit denen er u. a. den Ablasshandel der katholischen Kirche kritisierte, an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen haben. Dies gilt als Geburtsstunde der evangelischen Kirche in Deutschland.

Auf dem Reichstag in Worms 1521, wo er verhört wurde, widerrief er seine Ansichten nicht. Von Mai 1521 bis März 1522 tauchte er als „Junker Jörg“ auf der Wartburg in Eisenach unter. Er übersetzte das Neue und Alte Testament ins Deutsche. Luther starb 1546.

Absichtlich hat sie den Beginn erst auf 17 Uhr gelegt. Denn sie wisse ja, „dass ein Großteil der Familien zum Einkaufen nach Berlin fährt, wo kein Feiertag ist. Und die Kinder wollen abends noch in ihren Grusel-Kostümen um die Häuser ziehen und klingeln“. Einmal, als sie in Wannsee predigte, hatten sie diese im Gottesdienst schon an. Halloween als Konkurrenz? Nerven würde es sie nicht, wenn auch bei ihr heuer Kids vor der Tür stünden. „Ich hab’ doch genug Luther-Süßigkeiten da. Und könnte ihnen dann auch gleich noch was zur Reformation erklären, die meisten wissen ja gar nicht, was am 31. Oktober 1517 passiert ist“, sagt die Pfarrerin.

Wer war Luther für sie? „Ein sehr kluger, gelehrter, gläubiger Mensch. Aber zugleich auch zweifelnd. Er hat immer hinterfragt. Zum Beispiel, wieso muss man sich sein Heil mit einem Ablassbrief erkaufen?“ Ihr imponiert, dass er nicht zauderte, für seine Meinung und Ideale einstand. Auf dem Reichstag in Worms 1521, wo er verhört wurde, nicht widerrief und letztlich mit seinem Mut viele mit seinen reformatorischen Ideen ansteckte. „Auch wir sollten bei vielem generell fragen: Muss das so sein?“, sagt Stefanie Hoppe.

Von Angelika Stürmer

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