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Kultur Lutz Dammbeck im Filmmuseum
Nachrichten Kultur Lutz Dammbeck im Filmmuseum
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18:17 07.11.2018
Die Ausstellung „Metamorphosen“ zeigt Details der Animationsfilme von Lutz Dammbeck. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

„Was soll ich machen? Lachen wahrscheinlich“, sagt Lutz Dammbeck, „kann ich aber nicht.“ Er verschränkt die Arme, wenn jemand kommt, der ihn vor die Kamera stellt. Dammbeck ist einer, der sich lieber selbst ein Bild macht, und noch eines, im Zweifel fügt er sie zusammen. Er hat als Plakatmaler begonnen, bald aber die Bilder in Bewegung gesetzt und animierte Filme daraus gemacht. Dammbeck kann Motive wach küssen.

Aber er kann sie auch töten, wie damals 1984 in Potsdam, als seine Arbeit dort zum ersten Mal im Filmmuseum ausgestellt wurde. Micky Maus hatte einen Dolch im Leib, er hat sie als lithografischen Druck gezeigt, Dammbeck bereut nichts. „An meinen Mordfantasien zu Micky Maus hat sich nichts geändert, sie haben sich nur verfeinert.“ Er würde es mittlerweile so formulieren: „Micky Maus steht für die Rolle der Unterhaltung als Therapieverfahren, um die Schäden der Moderne zu reparieren.“ So gesehen ist Lutz Dammbeck ein großer Reparierer, der aber findet, dass sie in Amerika mit ihren Filmen und eben Micky-Mäusen nicht mehr aufs Leben gucken, sondern häufig auf die Propaganda – die dem Leben im Weg steht.

„Die Sucht nach Beachtet-Werden steht Kunst im Weg“

„Ist es nicht traurig, wenn es nur um die öffentliche Bedeutung geht, die man erzielt?“ fragt Dammbeck, der 1986 aus der DDR in den Westen ausreisen konnte und seither in Hamburg lebt. „Diese Sucht nach dem öffentlichen Beachtet-Werden steht der Kunst im Weg, leider ist sie nicht nur in Amerika verbreitet, sondern auch bei den alten DDR-Malern Heisig, Sitte und Tübke.“ 

Er ist ein überaus freundlicher Mann, das sollte man zwingend betonen, wenn man über Lutz Dammbeck schreibt, dessen Arbeit jetzt abermals in Potsdam ausgestellt wird. Seine Animationsfilme werden im Filmmuseum dokumentiert, gleich neben der Ausstellung zur Olsenbande. Wo die Olsens sich in den Witz flüchteten, geht Dammbeck direkt ins Experiment. Für die Heinrich-Böll-Stiftung schreibt er gerade an einem Vortrag „Utopie und Implosion“, er habe diesen Auftritt „unvorsichtigerweise“ zugesagt. Der Schluss steht für ihn fest, „es endet mit uns allen in der Implosion.“

Das darf man nicht als Pessimismus nehmen, denn es ist viel Poesie dabei, wenn Dammbeck arbeitet. Sein Wille zur Opposition schärft seine Sinne. Sein Unbehagen, sich abbilden zu lassen, lenkt alle Energie ins Werk, über das er auskunftsfreudig reden kann. Sein kreativer Ansatz hat sich über die Jahre verändert, früher war er unbedingt dafür, dass die Betrachter selbst die Reihenfolge suchen, in der sie seine Werke würdigen. Heute fühlt er sich am wohlsten mit seinen Filmen, „denn im Kino läuft das Stück genau so, wie ich es gemacht habe“. Vielleicht sei er nun „altersweise“, denn für ihn steht mittlerweile fest: „Ein Werk muss abgeschlossen sein.“

Lieber Stones als Bildungskanon

Ein revolutionärer Satz für jemanden, der eigentlich die Vieldeutigkeit liebt und über den die Potsdamer Kuratorin Dorit Molitor sagt: „Eigentlich müssten wir seine Arbeiten übereinander ausstellen, weil seine Ideen immer parallel laufen.“ Dammbeck hat sich früh dem Prinzip des Pop verschrieben. 1967 begann er ein Studium an der Leipziger Kunstakademie, doch er hat sich nicht für den dort gelehrten Kanon des Sozialistischen Realismus interessiert, sondern für Cartoons und Rockmusik der Stones oder von Jefferson Airplane. Er machte Experimental- und Animationsfilme wie „Der Mond“ oder „Einmart“, Szenen aus diesen Werken zeigt die aktuelle Schau in Potsdam. Sie ist nicht groß. Doch ihre Temperamente sind so vielfältig wie jene von Lutz Dammbeck, der, wenn man ihn fragt, was er von Beruf sei, ganz gegen seine Gewohnheit eine kurze, klare Antwort gibt: „Ich bin Künstler.“

INFO „Metamorphosen – Lutz Dammbeck“ im Filmmuseum Potsdam, Breite Straße 1a, bis 10.3.19. Täglich ab 10 Uhr bis Kinoschluss. Details zur Dammbeck-Filmreihe unter www.filmmuseum-potsdam.de

Von Lars Grote

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