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Kultur Lutz Seiler gewinnt Thüringer Literaturpreis
Nachrichten Kultur Lutz Seiler gewinnt Thüringer Literaturpreis
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19:32 21.09.2017
Der Lyriker und Romancier Lutz Seiler. Quelle: dpa
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Erfurt

In seinen Texten sei eine interessante Polarität zu spüren, die nachdenklich mache und das Denken erfrische, sagte der MDR-Kulturredakteur Torsten Unger in seiner Laudatio. „Bewahrenswerte Vergangenheit wird in seinen Texten ebenso liebevoll beschrieben, wie Zukunft beschworen wird.“ Es sei die Bildsprache Seilers, der es gelinge, „unheilvolle Geschichte auf wunderbare Weise aus der Verankerung der Zeitgeschichte zu lösen und auf die Reise in die Ewigkeit der Kunst zu schicken.“

„Verschwundene, die bisher stumm waren“

Unger würdigte besonders Seilers Roman „Kruso“. Im Epilog sei der Autor den Schicksalen nachgegangen, die bisher von der Vergessenheit verschluckt gewesen wären. Habe es bisher Bücher über spektakuläre und erfolgreiche Fluchtgeschichten aus der DDR gegeben, füge Seiler diesen nun ein Kapitel grausam gescheiterter Fluchtversuche über die Ostsee hinzu. „Verschwundene, die bisher stumm waren, bekommen nun eine Stimme, die Vergessenen erhalten ein Denkmal,“ sagte Unger. Der Roman sei künstlerisch meisterhaft, sein Epilog moralisch meisterhaft und mehr als redlich.

Der seit 2005 vergebene Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Er soll Autoren ehren, die selbst oder durch ihr Schaffen in besonderem Maße mit dem Kulturland Thüringen verbunden sind. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Sigrid Damm (2005), Ingo Schulze (2007) und Wulf Kirsten (2015).

Seiler wurde 1963 in Gera geboren und lebt heute in Wilhelmshorst bei Berlin und in Stockholm. 1990 schloss er ein Studium der Germanistik ab, seit 1997 leitet er das Literaturprogramm im Peter-Huchel-Haus. Für seine Werke erhielt er mehrere Preise, darunter den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Bremer Literaturpreis, den Uwe-Johnson-Preis und 2014 den Deutschen Buchpreis.

Von epd/RND

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