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19:45 05.12.2018
Akustisch und anschmiegsam: Lyambiko und Begleiter stellen ihr Weihnachtsalbum vor. Quelle: Werner Barthel
Potsdam

Das muss wie Weihnachten sein, wenn Lob wie dieses erschallt. Zumal im Mutterland des Jazz – für Lyambiko, eine gebürtige Ostthüringerin. Der Boston Globe rühmte die famose Sängerin: „Sie besitzt die Dramatik einer Billie Holiday, die Erotik einer Julie London und die Schärfe einer Nina Simone.“ So viel Lametta. Ihre vokalen Vorzüge bringt die Tochter eines Tansaniers und einer deutschen Mutter seit bald zwei Jahrzehnten zur Geltung. Saxofon, Klarinette und Big Band in der Jugend, das prägte. Ihre erste Band gründete Lyambiko mit 17. Bewegte sich durch Pop, Folk und Blues auf schmeichelhafte Weise. Selbst später, als sie tiefer in den Jazz einstieg, ließ sie stets die Türen – es waren mindestens 24 – offen. Bereit hier oder dort durchzuschreiten. Bereit für Bewegung. Bereit für kreative Suche.

Viel mehr Geschenke

JD McPherson muss eine Zeitmaschine haben. Kurz vor dem Fest hat er sie wieder in Gang gesetzt. Und ist irgendwo in den fünfziger Jahren ausgestiegen. In jener Zeit, in der sich der Songwriter und Sänger aus Oklahoma einfach wohlfühlt. Das merkt man sofort. Abends wurde das Radio angestellt und um die Tanne getanzt. JD jedenfalls sorgt für prächtige Weihnachtsstimmung. Mit Doo-Wop im Gesang, hüpfenden Jump-Blues und Rockabilly. Alles gutes Zeugs. Nostalgisch und formidabel. Eine Reise durch den glitzernden Winterwald, wie er wohl nur in der Erinnerung wächst. Muss ja nicht die eigene sein. Der größte Pluspunkt zu all dem Schwung ist der Schalk in den Songs: JD kann Socken nicht leiden. So sehr nicht, dass sein Christmas-Album sogar auch noch so heißt. Seiner Mama sagt er, dass er die gruseligen Strickpullover nicht mag. Das macht man doch nicht.

JD McPherson: Socks. New West/PIAS/Rough Trade.

„Dude, so halten wir das hier in Texas, lädt Rodney Crowell zur Weihnachtsfete. Dort geht die Party richtig ab. Crowell kann von Weihnachten gar nicht genug bekommen. Er spürt es überall. Daher verpackt er einen Song in schmissigen Western-Swing. Sowas traut sich heutzutage kaum noch jemand. Außer Landsmann Willie Nelson. Wen der Blues packt, weiß Crowell auch - den dicken Kerl, der mit all den Gaben versucht, durch den Kamin runterzurutschen. Mittenmang mischt der Country-Musiker ein Saxofon-Solo, das flott gleich mehrere Motive anderer Weihnachtslieder vereint. Genial. Dann schluchzt die Pedal-Steel zum Duell von Crowell mit Brennen Leigh. Auch der Anlass ist bedenklich. Frohe Weihnachten aus einem leeren Bett, heißt es. Gern hätte man noch etwas Zweisamkeit mit Emmylou Harris. Mit der Country-Ikone hatte Crowell zuletzt zwei Alben eingespielt. Aber nicht jeder Wunsch geht zu Weihnachten in Erfüllung. Vielleicht nächstes Jahr.

Rodney Crowell: Christmas Everywhere. New West/PIAS/Rough Trade.

Die Kinder und die Familie. Kerzen und der Baum: Wenn dieses zauberhafte Glitzern in die Augen tritt, dann glaubt man wieder an den Geist der Weihnacht. Marc Broussard hilft definitiv dabei, sich dieses Gefühl zu bewahren oder sich dafür zu öffnen. Der Sänger und Gitarrist aus Louisiana hat daheim sicher weniger Mistelzweige gesehen als prächtig blühende Magnolien. Doch mit welcher Inbrunst er einige der Klassiker aus dem anglo-amerikanischen Reigen der Weihnachtslieder angeht, das verdient Bewunderung. Hierzulande beginnt man den Mittdreißiger für seine kraftvolle Soulstimme erst richtig wertzuschätzen. Nun erreicht der Mann aus dem Bayou mit dem besonderen Bariton in Klein(st)besetzung maximale Wirkung. Piano zumeist. Den Chor stellt die Familie. Mal eine Orgel. Doch seine Stimme braucht eigentlich keine Stütze. Sogar zwei veritable eigene Stücke hat Broussard beigesteuert – „When Christmas Comes Along“ und „Almost Christmas“. Da kommt der Soul-Crooner wieder durch. Die Nähe zum Gospel ist bei Marc ohnehin die ganze Zeit präsent.

Marc Broussard: Magnolias & Mistletoe. Big Lake/India Media/Rough Trade.

Weihnachten, gesteht sie, hatte Lyambiko etwas aus den Augen verloren – bis die Kinder kamen. Und die Erinnerungen. Die gewiss die Auswahl der Jazz-Echo-Preisträgerin beeinflussten. Gleich 17 Stücke hat sie für „My Favourite Christmas Songs“ herausgesucht. Das Weltliche und das Geistliche eng beieinander. Alles in intimem Rahmen eingespielt, mit Klavier, Bass, Cello und Gitarre. Lyambikos kleine Hausmusik. Die „Stille Nacht“ darf nicht fehlen. Obwohl nicht sehr religiös, gingen Kinder und Eltern an Heiligabend in die Kirche.

Noch mehr Weihnachten

Wem indessen eher der Sinn nach Folk steht, mit keltischem und nordischem Einschlag, der sollte sich am Samstag, dem 15. Dezember, um 20 Uhr in der Passionskirche in Kreuzberg einfinden. Dort gibt es das Celtic Music Festival zu erleben. Gefeiert wird ein kleines Jubiläum. Zur 25. Auflage kommen Jenna und Bethany Reid, die jungen Fiedel-Königinnen aus Shetland, das Kelpie-Quartett und das Trio Norland Wind.

Soul und Gospel sind von Keith Tynes zu haben. Der Sänger, der einst zu den Platters gehörte, brillierte schon an der Seite von Gloria Gaynor und Stevie Wonder: Mit seiner Band spielt er am Freitag, dem 21. Dezember, um 22.30 Uhr im Quasimodo in Berlin-Charlottenburg.

Nach wie vor fühlt sich Lyambiko im Pop zu Hause – mit „Driving Home For Christmas“ von Chris Rea. Fein phrasiert sie in „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Wunderbar das Stück „River“ von Songwriter-Ikone Joni Mitchell, die unlängst 75 Jahre alt wurde, mit so viel Zuwendung dargeboten zu bekommen. Reichlich Finessen, andere Genres lassen sich entdecken. Spannend wie das Öffnen der Päckchen.

Das Konzert: Lyambiko singt am Freitag, dem 7. Dezember, um 20 Uhr in der Französische Friedrichstadtkirche in Berlin-Mitte. Karten unter Telefon: 030/93 27 38 42.

Von Ralf Thürsam

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