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MAZ verlost Tickets für szenisches Konzert

Crossover im Potsdamer Waschhaus MAZ verlost Tickets für szenisches Konzert

Eine Monteverdi-Oper, der Kultroman „Herz der Finsternis“ und die aktuellen Flüchtlingsströme inspirierten den Komponisten Helmut Oehring zu einem szenischen Konzert. An der Welturaufführung in Potsdam beteiligen sich die Kammerakademie, Musiker mit E-Gitarre sowie gehörlose Geflüchtete. Die MAZ verlost 3 x 2 Freikarten.

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Marena Whitcher als Eurydike.

Quelle: PR

Potsdam. Preisfrage: Was haben der antike Sänger Orpheus und Marlow, Ich-Erzähler in Joseph Conrads berühmtem Roman „Herz der Finsternis“, gemeinsam? „Beide erleben eine Reise, die sie nicht nur an andere Orte, sondern auch in seelische Abgründe an der Schwelle des Todes führt“, sagt der Komponist Helmut Oehring, der die beiden Geschichten in „Finsterherz oder Orfeo17“ miteinander verzwirbelt: den Orpheus-Mythos in der Vertonung des Renaissance-Komponisten Claudio Monteverdi und Conrads Roman von 1899. Die Uraufführung, ein szenisches Konzert, geht erstmals am 30. September im Potsdamer Waschhaus mit der Kammerakademie Potsdam unter der Leitung ihres Dirigenten Antonello Manarcorda über die Bühne.

MAZ verlost Tickets

MAZ verlost 3 x 2 Freikarten. Interessenten schicken bis Freitag, 29. September, 14 Uhr, eine Mail an kultur@maz-online.de. Stichwort: Finsterherz. Die Gewinner können wählen, ob sie die Uraufführung am 30. September, 20 Uhr, besuchen wollen oder die Aufführungen am 1. Oktober, 11 Uhr, oder am 3. Oktober, 18 Uhr.

Monteverdis Oper „L’Orfeo“ erzählt von dem Sänger Orpheus, der seiner Freundin Eurydike in die Unterwelt folgt. Bei Conrad hingegen begibt sich ein Seemann flussaufwärts in den unwegsamen Dschungel von Kongo, wo die belgischen Kolonialherren eine Schreckensherrschaft ausüben. Der Roman diente übrigens als Vorlage für den Film „Apocalypse Now“, der das Geschehen in den Vietnamkrieg verlegt.

Helmut Oehring arbeitet in einem eingespielten Team. Mit dabei sind seine Frau Stefanie Wördemann als Texterin und der Sounddesigner Torsten Ottersberg, der die Elektronik betreut.

Die drei erschaffen „Antwortmusiken“ in Erwiderung auf frühere Kunstwerke. „Ich habe das Bedürfnis, mich mit den Komponisten der Vergangenheit zu unterhalten – als würde ich ihnen Briefe schreiben“, sagt Oehring, Jahrgang 1961, der sich als „musikalischen Geschichtenerzähler“ bezeichnet. Schon 30 abendfüllende Opern hat er geschrieben.

Oehring wuchs in Ost-Berlin auf. Als Wehrdienstverweigerer durfte er nicht studieren. Daher komponierte er autodidaktisch drauf los, bis er nach der Wende als Meisterschüler von Georg Katzer angenommen wurde. Heute lebt er mit seiner Familie in der Märkischen Schweiz.

Mit seinem neuen Stück will Oehring auch einen historische Bogen aufzeigen: von den Grauen der Kolonialpolitik bis zu den derzeitigen Krisen Afrikas und des Nahen Ostens. „Die Ausbeutung wurde enorm intensiviert, als wir Europäer plötzlich Kautschuk für unsere Autoreifen brauchten“, gibt er als Beispiel. „Unser gesamtes Wirtschaftswachstum beruht auf Ausbeutung.“

Als Künstler hat er die Möglichkeit, den Betroffenen eine Stimme zu geben. Und so ging Oehrings Team in hiesige Flüchtlingsheime, um dort mit gehörlosen Asylsuchenden zu sprechen. „Etwa zwanzig von ihnen gibt es in Berlin-Brandenburg“, erzählt der Komponist. „In Syrien existierten immerhin zwei Gebärdenschulen, aber in Afghanistan und Kaschmir keine einzige; die Betroffenen sind von jeglicher Kommunikation ausgeschlossen. Sie kommen nach Europa, weil sie hier die Gebärdensprache lernen wollen.“

Oehring kann sich in ihre Lage versetzen, wuchs er doch selbst mit gehörlosen Eltern auf. Erst mit vier Jahren lernte er sprechen; die Gebärdensprache beherrscht er fließend.

In „Finsterherz oder Orfeo17“ setzt er auf doppelte Simultanübersetzung: von der Gebärden- in die Lautsprache und umgekehrt. „Inklusive Kommunikation“ nennt Oehring das. „Jeder ist in den roten Faden des Stücks einbezogen.“

Die Kammerakademie Potsdam, die das Werk in Auftrag gegeben hat, splittet sich dabei in zwei Ensembles, für Alte und Neue Musik. Den roten Faden flicht der Vokalvirtuose und Stimmakrobat David Moss, der sowohl Orpheus als auch Marlow verkörpert. Zum Schluss erwähnt Helmut Oehring eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den Figuren: „Beide erkennen, dass nichts im Leben so wertvoll ist wie die Liebe.“

info Finsterherz oder Orfeo 17: Kammerakademie unter Leitung von Antonello Manacorda. Mit E-Gitarre, Live-Elektronik, gehörlosen Geflüchteten und geflüchteten Musikern. 30. September, 20 Uhr, 1. Oktober 11 Uhr, 3. Oktober 18 Uhr. Waschhaus Arena, Schiffbauergasse Potsdam. Karten unter 0331/28 88 828.

Von Antje Rößler

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