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17:57 09.03.2017
Paul Wunderlich: „Zu Manet: déjeuner sur l’herbe III“ Quelle: Micha Winkler Berlin
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Eberswalde

Paul Wunderlich hat sich begeistert für einen präzisen Zirkelschlag, für einen freihändig gemalten Bogen und für die schwungvolle Kurve – fast zwangsläufig ist er beim Frauenkörper gelandet. Er hat ihn unermüdlich vermessen und malte ihn wie eine Huldigung. Nicht aus der Sicht des Lüstlings, sondern aus der Warte des Verbündeten. Was war eher da, die Freude an der Kurve oder die Bewunderung für die Frau?

Am vergangenen Freitag wäre der Maler aus Eberswalde (Landkreis Barnim) 90 Jahre alt geworden, er starb im Juni 2010 in der französischen Provence. Das gläserne, großzügig und kühn geschnittene Barnimer Kreishaus am Eberswalder Markt, vor zehn Jahren als Paul-Wunderlich-Haus eröffnet, hat zum Geburtstag des Malers eine neue Dauerausstellung konzipiert. „90 x Selbst“ heißt sie, es sind Selbstporträts, „eigentlich mehr als 90, wir haben gute 120 Bilder aufgehängt“, sagt Frank Göritz von der Stiftung für das Wunderlich-Haus.

Die erotische Note der Bilder weht wie ein vitaler Windstoß in das lichte, kühn geschwungene Verwaltungshaus, denn auch in diesem Bau dominieren die Kurven. Auf allen Bildern sieht man Wunderlich, mal als Männlein, mal als Mann und mal als Kerl. Mitunter sitzt am Rande eine Katze, steht in der Mitte ein Stuhl, doch häufiger sieht man ein nacktes Frauenbein. Und zuweilen eine grafisch abstrahierte Scham.

Erotisch und mythologisch

Paul Wunderlich wurde am 10. März 1927 in Eberswalde geboren, er gestaltete in seinen neosurrealistischen Bildern und Skulpturen überwiegend erotische und mythologische Themen.

In Hamburg studierte er an der Kunsthochschule, er blieb in der Stadt, lebte und arbeitete aber auch in Saint-Pierre-de-Vassols (Provence), wo er nach kurzer schwerer Krankheit 2010 verstarb.

Eine neue Dauerausstellung von Wunderlich unter dem Titel „90 x Selbst“ ist im Paul-Wunderlich-Haus zu sehen. Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-16 Uhr. Sa 11-16 Uhr. Am Markt 1, Eberswalde.

Für Paul Wunderlich waren die Frauen eine unendliche Möglichkeiten, Stilistiken der Darstellung in Gänze durchzubuchstabieren. Gouache, Aquarell, Kohle, Pastell. Alles hat er probiert, vieles ist ihm gelungen. Die Frau bei Wunderlich war das aktive Zentrum seiner Bilder, eine Galionsfigur mit einem Schuss Grandezza. Ihre Silhouette wirkt nicht immer lebensnah, manchmal sieht sie zerknetet aus, leicht deformiert von Kinderhand.

Wunderlich steht auf den Bildern meist am Rande, er blickt, sinniert und träumt. Zwischen ihm und diesen Frauen gibt eine Spannung, nicht aufgelöst, manchmal von einem Kuss befeuert oder einer schamhaften, fast linkischen Berührung.

Dalís Handschrift liegt als Ahnung auf den Werken, der Spanier brachte die Uhren zum Schmelzen – der Surrealismus ist Wunderlich ein Anliegen, doch keine deutlich definierte Blaupause. Von Dalí hat er den Gestus übernommen, auch bei Wunderlich wirft der Traum den Anker im Bild.

Manchmal nimmt er Bleistift, Kohle, dunklen Stift und gönnt allein dem transparenten, kurzen Kleid der jungen Frau ein wenig Farbe. Er steht daneben, hinter einer Maske oder stilisiert als Greis im feinen Anzug. Das Stilisieren war ihm wichtig, er sagte: „Was nach Zufall aussieht, ist mir gewöhnlich ein Dorn im Auge.“

Er malte Frauen, das kann ein Männerleben mühelos ausfüllen. Doch richtig glücklich schien er damit nicht. Nicht unentwegt. „Ein Leben lang Maler zu sein, ist kein Vergnügen. Jeden Morgen liegt der Stein wieder unten am Berg und ich möchte tatsächlich wissen, woher manche beim beschwerlichen Hinaufrollen noch den Atem nehmen zu singen.“

Die Bilder wirken schwerelos, poliert, geglättet, doch das mündet nicht im Hochglanzkitsch. Wunderlich räumt seine Bilder auf. Er verschlankt die Frauen – das ist der männliche Impuls, aus jedem Weiblein eine Grazie zu formen. Auf den Bildern sieht man Lust, die sich zügeln kann. Diese Lust ist nicht billig, selten eindeutig und nie vulgär. Sie will entblättert werden. Ziel ist nicht die Geilheit. Obwohl… Manchmal ist sie es doch.

Es gibt Wunderlich nicht nur als Selbstbildnis in weiblicher Begleitung. Da ist auch noch ein Hintergrund in seinem malerischen Werk, der grafisch eigene Geschichten zu erzählen hat. Von Symmetrie und fein gemalten Topfpflanzen ist da die Rede. Auch Ironie blitzt durch, wenn Wunderlich auf einem Bild von 1974 die Mona Lisa malt, immer noch lächelnd, die eine Brust aus ihrem Mantel purzeln lässt. Wunderlich als Arzt hört ihr mit einem Stethoskop die Brust ab.

Alle Temperamente deckt Wunderlich ab. Nirgendwo verstiegene Kunst, die nach akademischen Verweisen lechzt. Man kann diese Zitate finden, sicherlich, doch noch mehr Spaß macht es, diese Lust am Selbstbildnis ganz ohne Referenzen zu entdecken.

Von Lars Grote

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