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Magische Sensation: Harry Potter kehrt zurück

Die Geister, die sie rief Magische Sensation: Harry Potter kehrt zurück

Magische Sensation: J. K. Rowlings berühmte Geschichte von „Harry Potter“ wird fast zehn Jahre nach dem letzten Roman weitererzählt. Die Vorfreude bei Fans ist groß, Buchhändler wittern Rekordumsätze. Ein Blick in die Welt der Zauberlehrlinge.

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Harry Potter war nicht nur als Buchreihe, sondern auch als Filmreihe ein großer Erfolg.

Quelle: Imago

London. Auf dem Gleis 9 ¾. warten Nachwuchsmagier auf ihren Zug wie eh und je. Im Gasthaus „Drei Besen“ wird Butterbier getrunken. Und in Ollivanders Zauberladen liegen die Zauberstäbe noch immer im Regal. Die berühmte Winkelgasse, die Shoppingmeile für Magier aus J. K. Rowlings Fantasyreihe um den Zauberlehrling Harry Potter, hat es längst geschafft in die reale Welt – als Teil eines Themenparks im Westen von London. Seit die siebenbändige Buchreihe im Jahre 2007 mit dem Satz „Alles war gut“ endete, ist die Londoner Winkelgassenattrappe zur leicht angestaubten Kulisse geraten. Doch gibt es bei den für gewöhnlich nostalgischen Besuchern, die immer noch täglich den Weg in die Gassen finden, in diesen Tagen eine neue Hoffnung.

Harry Potter kehrt zurück. So flüstern es die Besucher der Winkelgasse an jeder Ecke. Tatsächlich soll Harrys magisches Internat Hogwarts mit neuem Leben gefüllt werden: Das Theaterstück „Das verfluchte Kind“ („The Cursed Child“) feiert am 30. Juli im Londoner Palace Theatre Premiere – und setzt die Geschichte, womöglich die erfolgreichste Erzählung seit Jahrzehnten, fort.

Der Zauberlehrling ist erwachsen

Eigentlich hatte Rowling stets beteuert, ihre Figur nicht wieder zurückrufen zu wollen. Gerade deshalb ist die Nachricht eine Sensation – für Millionen Harry-Potter-Leser und Kinobesucher auf der ganzen Welt. Die neue Erzählung spielt 19 Jahre nach der Handlung des siebten Romans „Die Heiligtümer des Todes“: Der Zauberlehrling von damals ist erwachsen geworden und arbeitet im Zaubereiministerium. Sein Sohn Albus Severus Potter erlebt in Hogwarts seine eigenen Abenteuer und hadert mit seinem Vermächtnis – so wie Harry einst selbst. Um die Theaterbesucher gleich zweimal zur Kasse zu bitten, wurde die Geschichte in zwei Teile gestückelt.

J

J. K. Rowlings.

Quelle: dpa

Bei den Fans, die dieser Tage durch die Londoner Winkelgasse streifen, ist der „achte Potter“ das einzige Gesprächsthema. Die 14-jährige Luci Anson war noch gar nicht auf der Welt, als der erste Band 1997 erschien. „Mein großer Bruder war schon immer ein riesiger Potter-Fan. Ich kann mich noch an dieses vage Gefühl der Aufregung erinnern, das beim letzten Band vor fast zehn Jahren auf mich abfärbte. Nun kann ich endlich selbst mitfiebern.“ Frisches Sehnsuchtsmaterial für eine neue Generation von Potter-Fans. Die 32-jährige Polly Eland jedoch sieht den globalen Hype kritisch: „Ich habe Angst, es könnte wie damals bei den ,Matrix’-Filmen sein: Am Ende stellt sich heraus, dass der erste Teil der beste war.“

So als wäre man in einem Geheimclub

Jeffrey Osborne aus London gehört zu den Glücklichen, die ein Ticket für eine der derzeit laufenden nicht-öffentlichen Vorpremieren des Potter-Stückes erstehen konnten. Der 25-Jährige gibt sich geheimnisvoll: „Am Ende bekommt man einen Anstecker mit der Aufschrift: ,Keep the Secret‘.“ Man fühle sich wie in einem Geheimclub und schaue mitleidig auf die Muggelwelt da draußen, die keine Ahnung von dem Zauber im Innern des Theaters habe. „Ich darf nichts verraten. Außer: Es fühlt sich an, als gerate man in einen magischen Streich von Fred und George Weasley hinein. Mit den Mitteln des Theaters wird die Magie von Hogwarts zum Leben erweckt.“ Es mag Menschen geben, denen diese Dinge nichts sagen. Für Millionen klingen solche Sätze so vertraut wie ein Besuch bei der Familie.

Der erwachsene Harry Potter wird gespielt von Jamie Parker

Der erwachsene Harry Potter wird gespielt von Jamie Parker.

Quelle: PREMIER PR

Das Textbuch erscheint einen Tag nach der Premiere – an Harry Potters 36. und J. K. Rowlings 51. Geburtstag – in gedruckter Form im englischen Original, am 24. September folgt die deutsche Übersetzung. Zwar handelt es sich nicht um einen Roman, sondern lediglich um die Vorlage zum Theaterstück, doch inoffiziell ist dennoch vom achten Harry-Potter-Band die Rede. Buchhändler bereiten sich mit Mitternachtsverkäufen und großen Events auf einen der größten Bestseller des Jahres vor. Der Geschäftsführer der britischen Buchhändlerkette Waterstones, James Daunt, erzählt: „Es gibt für Buchhändler keine süßeren drei Wörter als ,der achte Band’.“ Die älteren Kollegen, die bereits Potter-Veröffentlichungen erlebt hätten, packten jetzt „Geschichten vom Krieg“ aus. Von tagelang vor Buchläden campenden Jugendlichen, von hunderttausendfachen Vorbestellungen und immer neuen Ausverkäufen. Daunt prophezeit: „Am 31. Juli werden wir sie alle in den Schatten stellen.“

Noma Dumezweni alias Hermine Granger

Noma Dumezweni alias Hermine Granger.

Quelle: Charlie Gray/Theatre Department

Keine Enttäuschung der Potter-Fans befürchtet

Auch hierzulande verzaubert „Das verfluchte Kind“ schon jetzt die Buchwelt. Die international erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke („Tintenherz“), die oft als deutsche J. K. Rowling bezeichnet wird, liest gerade in Hamburg ein Hörbuch ein. Am Rande der Aufnahmen sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, sie fürchte keine Enttäuschung der Potter-Fans: „J. K. Rowling ist zu trauen. Sie würde nichts veröffentlichen, das sie nicht selbst als fantastische Fortsetzung ansieht. Darin sind wir uns sehr ähnlich.“

Funke selbst setzt nach 19 Jahren ihren „Drachenreiter“-Roman fort. Die Autorin ergänzt: „Das Einzige, was eine Fortsetzung rechtfertigt, ist, dass sich eine Welt erweitert. Wenn das geschieht, ist es wunderbar. Denn wir kennen das ja alle von unseren Lieblingsserien: Wir wollen auch nicht, dass sie enden.“ Sie persönlich fände es großartig, wenn die Autoren ihrer Lieblingsbücher diese fortsetzten. „J. K. Rowling geht natürlich trotzdem ein ungeheures Risiko ein. Aber ich schätze sie sehr dafür, dass sie es tut.“

Paul Thornley spielt den erwachsenen Ron Weasley

Paul Thornley spielt den erwachsenen Ron Weasley.

Quelle: PREMIER PR

Das neue Stück stammt zwar aus der Feder des britischen Dramatikers Jack Thorne, basiert aber auf einer Geschichte von Rowling, die auch für die neue Geschichte wirbt. Mit wohldosierten Vorabdetails wird die Neugier der Fans angestachelt. Der Umstand etwa, dass Harrys Freundin Hermine Granger von einer Farbigen gespielt wird, sorgt im Internet für Diskussionen. Das ganze Spektakel aus Ticketverkaufsstart, Vorpremiere, Eröffnung und der um einen Tag verzögerten Textbuchveröffentlichung gleicht selbst einer Inszenierung mit retardierendem Moment, der für größtmögliche Spannung sorgt.

Harry Potter ist wie Star Wars

„Harry Potter“ ist, wie „Star Wars“, „Herr der Ringe“ oder die „Minions“, nicht zuletzt auch ein Marketingwunder: Bis zum letzten Schokofrosch ist die Geschichte aufs Merchandise-Potenzial abgeklopft worden – das süße Zaubertier aus dem Hogwarts-Express gibt es neben Bertie Botts Zauberbohnen und Geleekakerlaken auch in der nichtmagischen Welt zu kaufen.

Dabei konnte man sich bereits bei der jüngsten „Star Wars“-Episode fragen, warum Fortsetzungen altbekannter Geschichten derartig erfolgreich sind. Lassen sich keine neuen Helden, keine neuen fantastischen Welten erfinden, statt Zuschauer und Leser die altbekannten bis in die letzte verstaubte Besenkammer erkunden zu lassen?

Die Fortsetzungskultur bedient ein Bedürfnis der Zuschauer: Wenn man sich eine Fantasiewelt erst einmal mühsam zu eigen gemacht hat, dann möchte man mehr davon. Dann will man selbst in der Märchensammlung von Beedle dem Barden stöbern, die Harry Potter in den Romanen liest. Die Fans wollen das Universum wachsen sehen. Tausende fordern zurzeit per Onlinepetition eine Harry-Potter-Variante des neuen Handyspiel-Hits „Pokémon Go“.

Marketingoberhexe ist Rowling selbst

So potenziert sich der Anfangserfolg, eine einmal etablierte Geschichte lässt sich mit Prequels („Planet der Affen: Prevolution“) und Fortsetzungen, mit Handlungsnebensträngen oder mit Neuauflagen („Star Trek“) bis in die Unendlichkeit weiterspinnen. Die forcierte Weltenerweiterung trägt mitunter kuriose Früchte. Das zeigt sich besonders gut an der Verfilmung von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind”, die im November in die Kinos kommt . Vorlage dafür ist ein Lehrbuch aus dem Harry-Potter-Universum, in dem unter anderem die Eigenschaften von Drachen und Basilisken erläutert werden, nebst Empfehlungen wie: „Taugt nicht als Haustier“. Ein Fantasielexikon als Vorlage für einen abendfüllenden Film? Wenn das ein Erfolg werden soll, müssen die Umstände allerdings wahrlich magisch sein.

Die Marketingoberhexe ist Rowling selbst, die sich ihre wechselnden Bühnen gut aussucht. Mit jeder wohlplatzierten Nachricht in sozialen Netzwerken gibt sie den Potteristen neues Futter. Über die interaktive Plattform „Pottermore“, die bislang unveröffentlichte Textschnipsel bereitstellt, hielt sie die Fans auch lange nach dem Erscheinen der Romane bei Laune. Doch selbst glühenden Potteristen reichten die Häppchen nicht mehr. Rowlings Vermächtnis wurde zum Stoff von „Potterologen“ – einem eigenen universitären Forschungszweig. Während nun also Anglisten im Lektüreseminar Rowlings Anspielung auf Sagen und Legenden analysierten, wandte die Autorin sich neuen Genres zu. Ihr erster Roman nach „Harry Potter“ war ein dezidierter Gegenentwurf zur Fantasy-Geschichte und handelte von politischen Intrigen in einer Kleinstadt. Doch „Ein plötzlicher Todesfall“ (2012) konnte längt nicht an den Erfolg ihres Debüts anknüpfen. Vielleicht war auch das ein Grund dafür, weshalb die Autorin danach unter dem Pseudonym Robert Galbraith eine Krimireihe schrieb.

Harry Potter – das Comeback des Jahres

Nun also kehrt Harry Potter zurück. Theater und Verlag sprechen schon jetzt vom Comeback des Jahres. Auch über einen neuen Kinofilm wird spekuliert. Doch der Erwartungsdruck ist immens. Hat der Zauberlehrling auf dem Weg durch die globale Verkaufsmaschinerie womöglich seine Unschuld verloren? Fan Polly Eland zumindest bleibt skeptisch: „Die Potterromane sind originell und im besten Sinne zauberhaft. Der Hype danach ist Disneyland. Hoffentlich färbt das nicht auf die neue Geschichte ab.“ Und sie trinkt noch ein Butterbier in der Winkelgasse.

Potter-Hype in Zahlen

Die Marke Harry Potter wird auf mehr als 15 Billionen Euro geschätzt. Die Romane wurden in 65 Sprachen übersetzt und weltweit 450 Millionen Mal verkauft. So wurde J. K. Rowling zur ersten Milliardärin unter den Autorinnen und zur reichsten Frau Großbritanniens. Die acht Kinofilme zwischen 2001 und 2011 spielten rund 7 Milliarden Euro ein.

Beim Verkaufsstart des siebten Bands wurden in England pro Sekunde 21 Bücher verkauft. Aus den verkauften Exemplaren des ersten Tages ließe sich ein Stapel bauen, der zwölfmal höher als der Mount Everest ist. Allein für die USA beträgt die Erstauflage des neuen Buches „The Cursed Child“ 4,5 Millionen. Mit Vorbestellungen führt der Titel schon jetzt die Amazon-Bestsellerliste an. Tickets für die Londoner Theatervorführungen werden auf dem Schwarzmarkt für mehrere Tausend Euro gehandelt.

Von Nina May

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