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Maik Brüggemeyer hat einen Bob-Dylan-Roman geschrieben

Ein Autor und sein Idol Maik Brüggemeyer hat einen Bob-Dylan-Roman geschrieben

Weil Bob Dylan nicht gern über sich und sein Leben spricht, erfindet sich Maik Brüggemeyer seinen eigenen. Legitimiert fühlt der gebürtige Westfale sich durch Dylans eigene Rollenspiele. „Catfish“ ist ein Buch geworden, das mehr über den Popautor als über sein Idol erzählt.

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Maik Brüggemeyer

Quelle: Metrolit

Potsdam. Ein erfundenes Leben muss nicht unbedingt besser sein als ein echtes. Schon in seinem 2011 erschienenen Debüt „Das Da-Da-Dasein“ hatte Maik Brüggemeyer nichts zu erzählen. Jetzt erscheint mit „Catfish“ sein zweites Buch und erneut ist der 1976 geborene Westfale, der seit 2001 für die deutsche Ausgabe des Rolling Stone schreibt, auf der Suche nach sich selbst und einem Thema. „Ein Bob Dylan Roman“ steht großspurig auf dem Cover. Um einen Roman handelt es sich bei dieser belanglosen Ich-Prosa streng genommen nicht. Als Journalismus aber geht so was auch nicht durch. Die Textgattung jedoch ist dabei noch das kleinste Problem.

Weil Bob Dylan nicht gern über sich und sein Leben spricht, erfindet sich Brüggemeyer seinen eigenen. Legitimiert fühlt er sich durch Dylans eigene Rollenspiele und durch den US-Kulturwissenschaftler Leslie A. Fiedler, der einmal geschrieben hat, Amerikaner zu sein bedeute, „sich ein Schicksal vorzustellen, statt eines zu erben“. Also macht sich der Popautor auf den Weg nach Amerika, um dort Orte aufzusuchen, die sein Idol geprägt haben. Die Idee zum Buch – und auch das ist wieder ganz typisch für Maik Brüggemeyer – hatte übrigens nicht er selbst, sondern sein Agent, der ihn fragte, ob er nicht mal der Frage nachgehen wolle, „was wir von Bob Dylan über das Leben lernen können“.

Wohin er auch kommt: Überall laufen ihm Bob Dylans über den Weg. Der Sitznachbar im Flugzeug, der Penner auf der Straße, der Rosenverkäufer an der Bar – alle sondern Weisheiten ab, in denen Maik Brüggemeyer seinen Meister findet. „So viele dylaneske Erfahrungen wie in New York konnte man sonst an keinem Ort der Welt in so kurzer Zeit machen.“ Ein ums andere Mal verzettelt sich der Autor in trivialen Kneipengesprächen über Liebe, Tod, Wahrheit und flicht dabei immer wieder Songtexte und Lebensdaten Dylans ein. Es ist zu erfahren, dass er am 24. Mai 1941 als Robert Allen Zimmerman geboren wurde, sich mit Boxen fit hält, fünf Mal geheiratet hat und sein erstes Engagement in einer Stripteasebar hatte.

Schon Brüggemeyers stotterndes Da-Da-Dasein-Debüt war durchwuchert von Zitaten. Die Leere in seinem Leben füllt er mit klugen Songzeilen. Einen Roman aber trägt das nicht. Das mussten auch schon Frank Spilker („Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen“) und Jochen Distelmeyer („Otis“) erkennen, die wie Brüggemeyer glaubten, wenn die Freundin einen sitzen lässt, reiche das schon als Stoff für einen Roman. Tragisch daran ist: Das Leben von Bob Dylan hätte es hergegeben. Für den bekennenden Fan Brüggemeyer, der seit dem Besuch eines Konzertes in Bielefeld infiziert ist, wäre die Vita des Musikers ein Thema gewesen, aus dem er als Journalist etwas hätte machen können. Doch er hat es vergeigt. Und die Frage, was sich von Bob Dylan übers Leben lernen lässt bleibt offen. „The Answer, My Friend, Is Blowin’ In The Wind.“

Lesetipp: Maik Brüggemeyer: Catfish. Ein Bob Dylan Roman. Metrolit, 256 Seiten, 22 Euro.

Von Welf Grombacher

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