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Kultur Spreewaldkunst – die unbekannten Kunstwerke
Nachrichten Kultur Spreewaldkunst – die unbekannten Kunstwerke
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18:47 06.01.2016
Walter Moras schuf 1900 ein bekanntes Motiv: Wäscherin im Kahn. Quelle: Museum
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Lübbenau

Dieses Bild wurde hunderte Mal kopiert. In wie vielen Bürgerhaushalten hing es früher über dem Sofa? Doch das Original war lange Zeit verschollen. Ein gefälliges Motiv: „Wäscherin am Kahn“, im Jahr 1900 gemalt von dem Berliner Landschaftsmaler Walter Moras zeigt einen idyllischen Spreewald in warmen Farben. Naturromantik pur. „Kopien davon fanden sich früher fast auf jedem Trödelmarkt“, sagt André Matthes.

Der 36-jährige Kunstsammler aus Lübben (Dahme-Spreewald) muss es wissen. Denn er besitzt das Original. Matthes hat es aufgetrieben und 2014 auf einer Kunstauktion ersteigert. Und woher weiß er, dass ausgerechnet sein Exemplar nicht eines der zahlreichen Kopien ist? „Es hat die Signatur von Walter Moras“, sagte er und grinst. Matthes ist ein Besessener. Besessen von der Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Er sammelt vor allem Berliner Secession und Bilder über seine Heimat dieser Zeit: den Spreewald.

Im Spreewald-Museum in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) ist ein Teil seiner Sammlung derzeit zu sehen. „Das Goldene Zeitalter – Mythos und Landschaft der Spreewaldmaler“ heißt die Sonderausstellung, in der rund 50 Bilder präsentiert werden. Die meisten werden im Original nur selten gezeigt, ein Teil davon ist erstmals überhaupt in einer öffentlichen Schau zu sehen. Und die meisten davon gehören André Matthes.

Spreewaldmalerei war bislang eigentlich keine spezielle Gattung in der Kunstgeschichte. Kunstsammler Matthes glaubt, dass sich das gerade ändert. Er sei nicht der einzige, der sich auf diese Sorte Bilder konzentriert. Das spüre er auf Messen und Auktionen. Der Spreewald, in der Kunstszene also schwer im Kommen?

Der Kunstsammler André Matthes. Quelle: Museum

Man wird sehen. Tatsache ist, dass die in der Ausstellung vertretenden Maler nur Zeitweise im Spreewald arbeiteten. Peder Mork Monsted zum Beispiel, neben Moras ein zweites Schwergewicht der Ausstellung, kam für die damalige Zeit viel rum. Der Däne malte in Italien, Frankreich, Griechenland, Nordafrika, aber eine Weile eben auch im Spreewald. Drei seiner Arbeiten sind in Lübbenau ausgestellt, zwei Landschaften von 1912 und ein frühes Selbstporträt von 1895. Anders als Moras, der sich zeitweise an den französischen Impressionisten orientierte, hat Monsted einen klaren Stil, arbeitete eher traditionell, aber dennoch mit viel Licht. Seine Bilder machen aus dem Spreewald ein wundersames Paradies.

„Nicht alles an der Spreewaldmalerei ist große Kunst“, räumt André Matthes ein. Ein bisschen Kitsch sei gelegentlich schon dabei. Damit müsse ein Sammler wie er leben. Doch auf Moras und Monsted lässt er nichts kommen. Das sind seine Flaggschiffe. Allein von Moras besitzt der 28 Bilder, vier davon werden in Lübbenau gezeigt.

Der Sammler

André Matthes stammt aus Lübben. Der 36-jährige ist gelernter Diplom-Kaufmann und hat Betriebswirtschaft studiert.


In der Kunst ist er Autodidakt, hat aber im Kunsthandel Erfahrung. Matthes arbeitete ein Weile für das Londoner Auktionshaus Christie’s. Später in der Leipziger Niederlassung des Kunsthause Nagel.

Seinen Lebensunterhalt bestreitet Matthes als Organisator von Veranstaltungen in der Region um den Spreewald.

Als Kunstsammler ist Matthes seit seinem 18. Lebensjahr engagiert. Seit etwas elf Jahren hat er sich auf Bilder aus dem Spreewald spezialisiert.

Die Ausstellung: Das Goldene Zeitalter – Mythos und Landschaft der Spreewaldmaler. Spreewald-Museum Lübbenau, Topfmarkt 12, Geöffnet Di-So von 12-16 Uhr. Noch bis 14. Februar.

Die in der Ausstellung vertretenen Künstler sind ohnehin keiner einheitlichen Stilrichtung zuzuordnen. Da sind eher akademische Maler wie Carl Max Krüger oder Hermann Eschke, der Lehrer von Moras darunter, romantisch-realistische Künstler wie Johann Gottlob Hammer oder der Berliner Sezessionsvertreter Philipp Franck. Dass es sie alle seinerzeit in den Spreewald zog, ist dem aufkommenden Eisenbahnverkehr geschuldet. Die Maler der Großstädte Berlin und Dresden waren schnell in der Natur und nutzen sie als Motive für ihre Werke.

Bianca Commichau-Lippisch malte die Spreewälder Hochzeitsgesellschaft. Quelle: Museum

Treffpunkt war häufig eine Kneipe mit Herberge: der „Fröhliche Hahn“ in Lehde, ein kleines Dorf, das heute zu Lübbenau gehört. Dort wurden Räume für Atelies und Galerien vermietet. Und rauschende Feste sollen in Lehde gefeiert worden sein. Richtige Malerkolonie, wie sie in jener Zeit etwa in Ahrenshoop oder rund um Berlin aus dem Boden schossen, entstanden im Spreewald allerdings kaum.

Spuren haben die Maler im Spreewald trotzdem hinterlassen. Denn so mancher, der kein Geld hatte, zahlte mit Bildern. Deshalb könnte noch der eine oder andere Kunstschatz auf den Dachböden des Spreewaldes schlummern. André Matthes ist schon auf vielen gewesen – und auch schon mal fündig geworden.

Peder Mørk Mønsted brachte die „Eiche“ auf die Leinwand. Quelle: Museum

Von Mathias Richter

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