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Manfred Krug swingt die Zweifel weg

Konzert mit Uschi Brüning im Nikolaisaal Potsdam Manfred Krug swingt die Zweifel weg

Ihm wird sogar verziehen, wenn er nach dem zweiten Stück die Bühne verlässt und sich wenig später über seine körperlichen Gebrechen auslässt. Manfred Krug hat mit seinem Charme am Sonnabend das Potsdamer Publikum begeistert. An seiner Seite Uschi Brüning. Legendäre Liebeslieder singen beide so schön, dass es auch beim hundertsten Hören nicht öde wird.

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Manfred Krug und Uschi Brüning

Quelle: FOTO: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die größten Charismatiker bleiben auch anwesend, wenn sie kurz verschwinden. Manfred Krug kann es sich am Samstagabend im Potsdamer Nikolaisaal erlauben, die Bühne schon nach dem zweiten Stück zu verlassen. Der 79-Jährige stakst davon, er gewährt der Band und Ausnahmesängerin Uschi Brüning für eine Handvoll Songs den Vortritt.

Dann kehrt er zurück und erzählt von seinen körperlichen Malaisen. Schonungslos über sich selbst, ziemlich witzig für alle anderen – so berichtet er von seinen Altersflecken und, wie die Ärztin seine Haut behandelt. „Deshalb sehe ich aus, als hätte ich einen Piep“, sagt er und Brüning erwidert: „Ich habe gedacht, du warst wieder im Stahlwerk.“ Schließlich brannte einst ein Spritzer flüssigen Stahls dem damaligen Lehrling im Brandenburger Stahl- und Walzwerk eine Narbe auf die Stirn.

Geschichten über dusselige DDR-Zollbeamte

Krug liebt es, mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu spielen. Beim ebenfalls ausverkauften Auftritt vor einem Jahr schob er einen Rollator über die Bühne. Nach seinem frühen Abgang wachsen auch dieses Mal die Zweifel, ob er dem Stress noch gewachsen ist. Doch alle Gebrechen sind vergessen, wenn Krug singt. Er zelebriert mit Samtstimme alte Swing-Nummern. Dann liest er herrlich frotzelnd eine Geschichte über dusselige Zollbeamten in der DDR vor, die erkennen müssen, dass es sich bei dem vermeintlich brisanten Inhalt eines Koffers um Stuhlproben fürs Krankenhaus handelt. Der ewige Charmeur changiert zwischen Geschichten und Gesang und, wenn er weder plaudern noch singen mag, überlässt er Brünings virtuosem Gesang den Raum.

„Quando, Quando, Quando“ kommt schwelgerisch daher

Die beiden widmen sich den Evergreens ihres Albums „Auserwählt“. Es ist nach 40 gemeinsamen Bühnenjahren die erste zusammen aufgenommene Platte. Legendäre Liebeslieder singen Krug und Brüning so schummrig schön, dass es auch beim hundertsten Hören nicht öde wird. „Quando, Quando, Quando“ kommt schwelgerisch und entschleunigt daher. Der Song beduselt einen und man meint, der Kaffee von eben sei ein Rotwein gewesen. Bandleader Andreas Bicking verstärkt mit seinen Saxofon-Soli das Bartresen-Gefühl.

Krug spielt auch eigene Songs, etwa „Wenn ich dich seh“. Der Text hebelt die Konventionen normaler Liebeslieder aus und bricht den Schwur ewiger Treue. Krug singt: „Das wird ganz schlimm für mich, wenn du mich mal verlierst.“ Als er über den Songtext redet, wirkt der alte Mann mit Hemd und Krawatte wie ein Lausbube, der genüsslich den letzten Streich beschreibt. „Man merkt gar nicht, dass das eine Unverschämtheit ist“, sagt er. Diese Mischung aus Griesgram und Gentleman zeichnet Krug aus. Einer, der charmant ist ohne zu schleimen und selbst entscheidet, wann Schluss ist – und dann entweder das Land, das Fernsehbusiness oder die Bühne verlässt.

Manfred Krug hat sich die Spielfreude erhalten

In Potsdam lässt er sich damit Zeit. Mehr als zweieinhalb Stunden dauert das Konzert. Brünings mal mit tiefer Gospelstimme, mal zart und unverbraucht wie ein verliebter Teenager gesungenen Interpretationen von „Black Coffee“ und „Son of a Preacher Man“ geraten zum musikalischen Höhepunkt. Krug muss seine Nase schon sehr nah an den Notenständer rücken, damit er keinen Einsatz verpasst. Seine Stimme aber bleibt unvergleichlich geschmeidig, die Spielfreude, auch mal bewusst unrhythmisch zu singen und Wörter zu improvisieren, hat er sich erhalten. Beim Duett „Auserwählt“ kommt alles zusammen. Von einer Liebesnacht im Mai und der versäumten Zeit ist die Rede. Krug, seit 1963 mit seiner Frau Ottilie verheiratet, beschreibt den rührenden Song gewohnt süffisant: „Ich schreibe immer nur Liebeslieder, obwohl ich mit der Sache gar nichts mehr zu tun habe.“ Die Zuschauer danken ihn dafür, sie jubeln laut und applaudieren im Stehen.

Von Maurice Wojach

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