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Manfred Maurenbrecher wird 65

Liedermacher Manfred Maurenbrecher wird 65

Es gab eine Zeit, da hörte man in Deutschland noch auf die Liedermacher. Sie waren es, die im Brustton der Überzeugung allen Mächtigen und allen Kleinbürgern dieser Welt die Leviten lasen. Manfred Maurenbrecher wird 65 Jahre alt und hat soeben seine 23. CD herausgebracht. Ein Fernsehgesicht ist aus ihm nicht geworden. Zum Glück! Aber was hat er noch zu sagen?

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Lebt in Berlin-Wilmersdorf und in einem brandenburgischen Oder-Dorf: Manfred Maurenbrecher.

Quelle: Christian Biadacz

Berlin. 65 Jahre alt wird er am Samstag, der Liedermacher Manfred Maurenbrecher. Da er aber seit 35 Jahren am E-Piano sitzt und mal poetische, mal wütende, mal persönliche, mal politisch hochbrisante Songs erfindet, fühlt sich Manfred Maurenbrecher eigentlich noch viel älter an. So sehr ist er zur Institution geworden.

Als die alten Barden in den Neunziger Jahren plötzlich nichts mehr galten, wechselte Maurenbrecher auf die Lesebühnen und eroberte ein junges Publikum. Mit Parodisten wie Horst Evers und Hannes Heesch betrieb Maurenbrecher bis 2008 selber im Jazzclub Schlot in Mitte das „Mittwochsfazit“. Das Unikum mit Bier-Plautze und Wallross-Bart, dicker 70er-Jahre Brille und strähnigem Langhaar, mit Knollennase und einer Leidenschaft für knallbunte Hemden legte bei den kabarettistischen Darbietungen eine kindliche Spontanität an den Tag, die Jugendliche alt aussehen ließ.

Was Maurenbrechers Kreativität entspringt, ist nicht alles gelungen. Mehr als 500 Lieder stehen auf seinem Konto. Aber auch die 23. CD „Rotes Tuch“, die er gerade mit Rockmusikern eingespielt hat, enthält den ein oder anderen Volltreffer. Eines der 15 Lieder stammt aus dem Impro-Fundus des Mittwochfazit und hat Ohrwurm-Qualität und obendrein eine weise, hilfreiche Pointe: „Da muss ein Staubsauger ran, der alles staubsaugen kann“, heißt es im Refrain. Es geht um eine gelassene Einstellung, um sich das Leben nicht unnötig schwer zu machen.

Auch der Balladen-Erzähler Maurenbrecher bleibt auf der Höhe der Zeit. Der Titel „Kiewer Runde“ zeigt mit einem Finger auf einen Kriegsherd. Die anderen vier weisen zurück auf einige opportunistische Akteure der westlichen Welt, die in einer Hotelbar sitzen. Ein Journalist unter ihnen bekennt: „Den Tag, an dem ich schreib, was läuft, hab ich den Job verloren.“

„Wer hat, der kriegt“ ist ein zehnminütiger Monolog, unterlegt von akustischen Klängen, der mehrmals in einen Refrain mündet – ein Genre, das Maurenbrecher von Anfang an für sich kultiviert hat. Diesmal liefert seine Rollenprosa die zynische Bilanz eines linken Verlegers, der seine Praktikanten ausbeutet und dem System erlegen ist. „Was ha’m wir nicht alles erkämpft – und erreicht, zumindest für uns selbst“, sagt er selbstgefällig.

Maurenbrechers Stimme ist so typisch wie etwa die von Udo Lindenberg. Sein Gesang genügt keinen akademischen Ansprüchen. Der promovierte Germanist lispelt und pflegt ein eigenwilliges Betonungsspiel. Die Plattenindustrie wollte Maurenbrecher in den 1980er Jahre zu einem Rockpoeten-Star aufbauen. Nach drei CBS-Platten wurde aus ihm dann wieder ein Selfmademan, dem egal ist, ob er im Radio gespielt wird . Wegen seiner Unermüdlichkeit ist er für viele Künstler ein Vorbild.

Maurenbrecher: Rotes Tuch./ Reptiphon / Broken Silence.

Von Karim Saab

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