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Kultur Manöver für sich selbst
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18:22 15.04.2016
In einem Saal des vormaligen Kapitulationsmuseums in Berlin-Karlshorst wurde die Waffenbrüderschaft der verbündeten Armeen in Ehren gehalten. Quelle: Museum
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Lieberose

In den Pausen des Großmanövers genossen Manfred Pusch und die anderen Soldaten Bohnenkaffee und grillten auf einen Ast gepiekte Bratwürste. Der Oktober 1970 – für den Kampfgruppenkommandeur aus der Nähe von Frankfurt (Oder) war es eine schöne Zeit. Davon erzählt sein Erinnerungsalbum. Zu sehen sind die Gruppenbilder fröhlicher Genossen in der Ausstellung „Waffenbrüderschaft – Konstruktion einer Tradition“ im Museum Darre in Lieberose (Dahme-Spreewald).

Sogar eine rumänische Abordnung wurde aufgeboten

Das Manöver „Waffenbrüderschaft“ war das erste, an dem alle sieben Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts teilnahmen. Es ging über eine Übung hinaus, heute würde man sagen – es war ein Event. Fast 74 000 Soldaten nahmen teil, darunter 44 500 aus der DDR und 12 000 aus der Sowjetunion. Dabei sein ist alles, schien die Devise sein. Damit etwa Rumänien überhaupt vertreten war, wurde ein 200-Mann-Grüppchen zusammengetrommelt. Den Staats- und Militärchefs ging es darum, im Konflikt mit den Westmächten ihre militärische Infrastruktur für den Ernstfall zu testen. „Das Symbol aber war noch wichtiger“, sagt Jörg Morré, Leiter des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst, das die Ausstellung gemeinsam mit dem Lieberoser Kurator Andreas Weigelt erstellt hat. An fünf Manövertagen und in etlichen Begleitveranstaltungen wollten die DDR und ihre Partner Einheit und Wehrbereitschaft ausstrahlen. Der quasi geschichtslosen NVA sollte das militärische Spektakel Tradition verleihen.

Schauplatz Brandenburg

Das Manöver „Waffenbrüderschaft“ fand im Oktober 170 statt. Beteiligt waren Soldaten aus der DDR, der Sowjetunion, Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien. Ein Drittel der Fläche der DDR waren von den Übungen betroffen.

Auch in Brandenburg fanden einige Militär-Übungen statt, etwa auf den damaligen Truppenübungsplätzen in Jüterbog, Lieberose und Streganz. Bei Forst startete und landete ein Jagdfliegergeschwader der NVA auf einem zum Behelfsflughafen umgebauten Autobahnabschnitt.

Die „Freundschaftsmärsche“ der sowjetischen und deutschen Soldaten zogen nach Abschluss der Übungen durch Eisenhüttenstadt.

Die Ausstellung ist bis zum 6. Mai immer donnerstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags 13.30 bis 16 Uhr, sowie nach Vereinbarung unter 033671/280032 im Museum Darre in Lieberose zu sehen. Der Eintritt ist frei. Ab September wird die Ausstellung im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst gezeigt.

Viele Orte Brandenburgs spielten für das Manöver eine maßgebliche Rolle. Am Abend des 12. Oktober 1970 traten Soldaten aller Armeen auf dem Altmarkt in Cottbus zum öffentlichen Schwur an. Neben der Staats- und Parteispitze der DDR standen die Verteidigungsminister der Bündnisstaaten. Sogar Kuba, die Mongolei und Vietnam schickten Vertreter. In den kommenden Tagen teilte das Manöver die DDR auf, die simulierte Grenze zur BRD verlief von Rostock über Eberswalde und Beeskow bis nach Bautzen. Der Truppenübungsplatz Lieberose stellte das Grenzgebiet dar, auf dem Panzertruppen der NVA und GSSD (Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland) am ersten Tag den Angriff der Feindestruppen aus dem Westen aufhielten. In den kommenden Tagen fuhren und flogen 1150 Schützenpanzerwagen, 500 Flugzeuge und 140 Schiffe durchs Gebiet. Für den vierten Tag sah das Manöver den Einsatz von Atomwaffen auf beiden Seiten ein. Möglich wäre es gewesen, standen doch auf den Stützpunkten der GSSD die Sprengköpfe bereit und auf denen der NVA die Raketen.

Panzer waren laut diesem Schild im Ort nicht erwünscht. Quelle: Museum

Die Ausstellung illustriert auch, wie die Bürger das Manöver erlebten. Staatliche Berichte protokollierten ihre Reaktionen. „Die Angehörigen der Bruderarmee kaufen uns alles weg“, heißt es in einem Bericht aus Cottbus. Eine Frau aus dem Kreis Königs Wusterhausen sei dagegen der Meinung gewesen, „dass es zu wenig bumst und kracht – sie möchte Raketen sehen“. Diese Meinung dürfte sie exklusiv gehabt haben. Die simulierten Gefechte, aber auch der reguläre Einsatz der sowjetischen Soldaten beeinträchtigte den Alltag. Lärm und Straßenschäden sind nur zwei Beispiele. Ein Bild in der Ausstellung zeigt das selbstgemalte Schild an einer kaputtgefahrenen Straße in Jamlitz. Auf Deutsch und Russisch verbietet es die Durchfahrt von Kettenfahrzeugen.

Jeden Tag erschien eine Manöverzeitung

Die „Waffenbrüderschaft“ war nicht nur ein Manöver des Militärs, sondern auch der Medien. Täglich erschien eine Manöverzeitung. Fernsehen und Hörfunk berichteten in der Dauerschleife – man fühlt sich an die mediale Aufgeregtheit des „Sommermärchens“ 2006 erinnert. Die Teilnehmer konnten sich mit allerlei Erinnerungskrimkrams eindecken und banden sich Tücher mit „Klassenbrüder-Waffenbrüder“-Aufschrift an den Hals. Die DDR-Führung strickte aus dem kollektiven Erlebnis eine Kampagne. Auch nach 1970 ließ sie in Schulen und Betrieben die „Woche der Waffenbrüderschaft“ feiern. Sie sollte die deutsch-sowjetische Bündnistreue symbolisieren und die Jugend fürs Militär begeistern. Auf einem der letzten Bilder der Ausstellung spielen Jungs mit ferngesteuerten Spielzeugpanzern. Ein Erwachsener zeigt ihnen, wie es geht.

Von Maurice Wojach

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