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Maria Peters wandert durch Ostdeutschland

Performance Maria Peters wandert durch Ostdeutschland

Sie wandert von Jena bis Rostock, malt zwischendurch, schreibt, spricht mit Menschen, um Eindrücke für ihren Roman zu sammeln. Und abends übernachtet Maria Peters, die Österreicherin aus Tirol, möglichst bescheiden. Die 49-jährige wird ihre Tour voraussichtlich Ende Juli an der Ostsee beenden.

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Maria Peters schultert den Rucksack, hier auf dem Weg von Beelitz nach Potsdam.

Quelle: Detlev Scheerbarth

Beelitz. Eine gute Stunde lief sie durch den Kiefernwald, „da war ich raus aus allem“, dann hörte sie den Schrei der Kreissäge, und spätestens, als sie die Hausfrauen auf ihrem Weg zum Einkauf sah, war sie zurück in der erschlossenen Welt. Maria Peters läuft durch Ostdeutschland, gerade kommt sie aus Luckenwalde (Teltow-Fläming), sie lief 25 Kilometer nach Beelitz (Potsdam-Mittelmark). Am Bahnhof unterm Dach des Wartehäuschens sitzt sie, zieht sich eine Zigarette aus der Tasche, klemmt sie zwischen ihre Lippen, zieht sie wieder raus, bevor sie ihren Tabak endlich ansteckt. Heute hat sie viel geschwiegen, nun will sie reden. Sie raucht gerne, aber im Moment sind ihr die Worte wichtiger.

„Als Künstlerin ist Einsamkeit ja nicht so abwegig“, stellt sie sich selbst die Diagnose. Im Haar steckt eine lila Sonnenbrille, ihr Gesicht ist braun, ein wenig gegerbt, wie das bei Freilandmenschen eben ist. „Ich rede wieder mehr im Dialekt, seit ich hier wandere“, sagt sie. Sie kommt aus Innsbruck, Tirol, sie gibt den Wörtern einen Schliff und eine Waschung, die herzlich wirkt – wenn man den Tonfall nicht gewohnt ist, deutet man ihn schnell als Seelenschau.

„Rostock, was für ein unglaublich klares Wort für eine Österreicherin!“

Ihr Dialekt aus Österreich mache die Leute neugierig, und mit den Leuten reden, darum gehe es ihr bei der Wanderung, neben dem Malen, Zeichnen, Schreiben für den Blogg im Internet und dem Ideensammeln für ihren Roman. Sie läuft von Jena bis nach Rostock („Rostock, was für ein unglaubliches, klares Wort für eine Österreicherin!), zwei Monate nimmt sie sich dafür Zeit. Derzeit steckt sie kurz vor Potsdam, die knappe Hälfte ist geschafft.

Anstrengend? „In Tirol laufen wir ständig rum, Berg rauf, Berg runter, fünf Stunden Wandern, darüber redet keiner mehr. Schwierig wird es ab zehn Stunden.“

Neulich, im südlichen Brandenburg, hat sie nach dem Weg gefragt, „der Mann hat laut geschimpft, ich sei ganz falsch gelaufen. Sein Hund bellte im Auto. Er fragte mich, woher ich komme.“ Tirol, hat sie gesagt. „Wessi bist du auch noch!“, rief er. Maria Peters musste lachen.

Das Flair von Urlaub mag sie nicht

49 Jahre ist sie alt, neulich war sie in Grönland, dann im Himalaya, als Wanderführerin, sie stöhnt, „nach einer Woche wird das doch ein bisschen langweilig.“ Es habe das Flair von Urlaub gehabt, sie mag das nicht besonders.

Bei der Tour durch Ostdeutschland hat sie jetzt zum ersten Mal ein Handy dabei, „Google kann wir den Weg präziser zeigen.“ Ihre Straßenkarten aus Papier stimmen nicht immer, „in Ostdeutschland wird viel gebaut, gerade Radwege, die fehlen auf der Karte.“

Ihre Mutter freut sich, wenn sie erreichbar ist. Auch ihr Freund. „Mein alter Lebensgefährte war Extrembergsteiger, der schwebte selber in Gefahr, ihn hat das nicht so sehr gekümmert, ob ich noch am Leben bin.“ Sie lacht. Zieht an der Zigarette.

Chronik der Tour im Internet

Maria Peters wurde 1966 in Tirol/Österreich geboren. Sie arbeitete als Restauratorin und studierte Kunst in Wien.

Ihr Blogg zur Wanderung durch Ostdeutschland zeigt Bilder und Texte zur jeweiligen Station ihrer Tour. Zu finden unter www. novelle-montage.com

Auf dem Potsdamer Ruinenberg malt Maria Peters an diesem Donnerstag und freut sich über Besucher.

Freunde hätten ihr gesagt, „mit den Brandenburgern wechselst du kein Wort, die sind verschlossen.“ Stimme nicht, Maria Peters sieht das anders: „Die Leute sind offen und freundlich.“ Jüterbog habe sie „hellauf begeistert“, Mittelalterarchitektur, unverstelltes Alltagsleben. „Ich will mit meinem Freund nochmal zum Urlaub hin.“

Ostdeutschland interessiert sie. Sie möchte die Spanne vom romantischen Jena bis zur klaren Ostsee vermessen. „Ehrlich gesagt, den Westen kenne ich kaum.“

Ihre Reise finanziert Maria Peters nach dem alten Bergsteigermodell: „Von unterwegs schreibe ich Karten auf Bestellung, für 25 Euro. Handgezeichnete Karten kosten 150 Euro, Bilder auf A5 400 Euro.“ So kamen 3000 Euro zusammen.

Ganz reicht das Geld nicht, sie musste in Vorleistung gehen. „Die Übernachtungen sind teuer, obwohl ich es bescheiden mag.“ An diesem Tag war nur ein Landhotel frei. Chic. „Doch zu viel Luxus tut der Kunst nicht gut.“

Von Lars Grote

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