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Maria Simon und der „Riot Club“

Cinéma Privé in Potsdam Maria Simon und der „Riot Club“

Die Schauspielerin Maria Simon zeigt an diesem Mittwoch den rabiaten Film „Riot Club“ in der Reihe Cinéma Privé im Potsdamer Filmmuseum, präsentiert von radioeins und der MAZ. „Riot Club“, ein Werk der dänischen Regisseurin Lone Scherfig, ist für Simon ein Baustein, „um die Machtverhältnisse in der Welt zu verstehen“.

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Die Zöglinge der Oberschicht kleiden sich gern wie Pinguine und holen sich Champagner, um Party zu machen – oder das, was sie für Party halten. So jedenfalls zeigt es der „Riot Club“.

Quelle: Verleih

Potsdam. Die Jungs sind reich auf eine Art, die ihnen jedes Wippen aus dem Gang vertreibt, sie laufen durch die Welt wie steife Playmobilfiguren. Geld? Hängen sie nicht an die große Glocke. Sportwagen? Spielen sie aus, bis ihre Ohren klingeln und die Tachonadel zittert. Mädchen? Es gibt Mädchen für heute (zum Begehren) und die für morgen (zum Heiraten). Und Sex? Ach, Sex ... Ist Saufen nicht genau so schön?

Die Dänin Lone Scherfig hat vor zwei Jahren „Riot Club“ gedreht, einen Film, der praktisch ohne Frauen auskommt. Die jungen Männer gehen unter in den eigenen Hormonen, ihr Studium in Oxford nehmen sie wie ein sehr hart geführtes Fußballspiel. Manchmal muss man seinem Gegner einfach auf die Knochen steigen. Und nirgendwo ein Schiedsrichter, der sie vom Platz wirft. Denn ihre Väter haben gute Anwälte.

Die Väter haben auch schon maßgeschneiderte Karrierepläne für die Söhne. Und wenn die Jungen einen Anzug brauchen, ist auch der präzise auf den Leib geschnitten. Die Zukunft ist für diese Söhne kein Versprechen, sondern ein Terminplan. Weil sie bald nichts mehr zu lachen haben, lachen sie jetzt um so dreckiger.

Cinéma Privé: Präsentiert von MAZ und radioeins

Die Reihe „Cinéma Privé“ des Potsdamer Filmmuseums bietet Prominenten eine Bühne, um einen Film vorzustellen, der sie bewegt hat. Vorher diskutieren sie mit dem Filmjournalisten Knut Elstermann darüber. Präsentiert wird die Veranstaltung von der Märkischen Allgemeinen und „radioeins“ vom RBB.

Die Schauspielerin Maria Simon ist an diesem Mittwoch zu Gast. Sie zeigt den Film „Riot Club“ (2014) von Lone Scherfig, in dem es um die moralische Verwahrlosung von jungen Männern in einem englischen Elite-Internat geht.

Als Kommissarin Olga Lenski hat sich Maria Simon einen Namen im Brandenburger „Polizeiruf 110“ gemacht.

In Leipzig wurde Maria Simon am 6. Februar 1976 geboren.

Tickets für Cinéma Privé mit Maria Simon am Mittwoch um 19 Uhr im Potsdamer Filmmuseum, Breite Straße 1a, unter 0331/2718112.

Maria Simon hat den Film im Flugzeug gesehen, 10 000 Meter Höhe, sie spürte oben um so deutlicher, wie abgehoben diese Kinder sind, die sich so ruchlos wie entrückte Könige benehmen. Niemandem Rechenschaft schulden. Keine Träume haben, nirgends, doch immer eine gut gedeckte Kreditkarte zur Hand.

Sonst spielt Maria Simon die leise Kommissarin im Brandenburger „Polizeiruf 110“, wo sie stets ein elegantes, doch robustes Jackett trägt, und ihren Blick wie eine Waffe einsetzt, weil du nicht lügen kannst, wenn sie dich anschaut.

Heute kommt sie mit dem Fahrrad, hinten Kindersitz, auf dem Kopf steckt eine weite Wollmütze, mit der man auch auf Rap-Konzerte geht, und noch bevor sie absteigt, schaut sie auf ihr Handy. Sie trägt Turnschuhe und eine jugendliche Lässigkeit, die für den „Polizeiruf“ eine Spur zu ungezwungen wäre. Sie setzt sich ins Café und sagt: „Der Film hat mir den Baustein geliefert, den ich noch brauchte, um die Machtverhältnisse in der Welt zu verstehen.“

Sie stellt „Riot Club“ an diesem Mittwoch im Potsdamer Filmmuseum vor, den Anlass bietet die Reihe „Cinéma Privé“, in der Prominente einen Film zeigen, der sie aufgewühlt hat. Und vorher über das Stück diskutieren.

Sie bestellt einen Tee, das Café ist gut gefüllt, die Menschen sitzen vor Frühstücksei und Brötchen. Maria Simon zieht ein Bein auf den Stuhl, sehr cool, und doch wirkt es zum Kampf bereit. „Was ist das für eine Welt, in der die Reichen sagen, dass sie die Armen verachten?“ Von dieser Welt spricht der Film, der handwerklich ganz tadellos das Lied vom bösen Oberschichtenbengel spielt, ein intensiver Film, der seinen Zuschauern sehr schnell den Atem nimmt, doch denkerisch in weiten Strecken alte Frontverläufe pflegt: Hier die verdorbene Elite, dort die wehrlose, doch integere Unterschicht. Mitunter taucht er ein ins Feld des Propagandafilms.

„Natürlich arbeitet das Stück mit Übertreibungen, doch das ist im Kino erlaubt und wird praktisch in jedem Film genutzt“, sagt sie. „Entscheidend ist, wie deutlich hier gezeigt wird, dass unsere Gesellschaft auseinanderdriftet.“ Schnell einen Schluck vom heißen Tee, dann wird sie grundsätzlich: „Das Macht-Gen wird gerne weitergegeben – wer sich nie erlebt hat als Teil des Volkes, sondern nur der Elite, der findet das normale Leben völlig uninteressant. Der war nie auf dem Sozialamt oder Arbeitsamt.“ Sie redet ruhig, und geht doch aufs Ganze: „Die Frage ist für uns heute, wo wir geschützt werden vor diesen entrückten Lenkern, und wo es endlich mal um uns geht. Was sind wir wert? Diese Frage muss beantwortet werden, gerade in Zeiten von Trump, der eben von jenen mittellosen Menschen gewählt wurde, die er mit seinem Machtgehabe und seiner Protzerei verachtet.“

Auch privat zeigt Maria Simon den Gerechtigkeitssinn, von dem ihre Rolle der Kommissarin getrieben ist. Im Café spielt sie ihre Unzufriedenheit über das Unterbuttern armer Leute noch temperamentvoller als in den Krimis aus.

Seit einem guten Jahr ermittelt sie nicht mehr gemeinsam mit Horst Krause, ihr an der Seite steht nun Lucas Gregorowicz in den Filmen, ein smarter Typ, Dreitagebart, makelloses Benehmen.

Manchmal lässt der knorrige Krause sie grüßen. Mit ihm hatte sie einen im Team, der fürs Normale steht, fürs Unverbogene. Krause ist der Anti-Trump. Ein Kampfgefährte von Maria Simon.

Von Lars Grote

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