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Mark Scheibes moderne Songs für Händel

MAZ-Gespräch Mark Scheibes moderne Songs für Händel

Bekannt wurde Mark Scheibe als Gastgeber der „Berlin-Revue“ im Berliner Admiralspalast. Nun komponiert der 48-Jährige zu Händel-Musik moderne Songs für die Barock-Revue „Alcina“, die am kommenden Freitag im Schlosstheater Rheinsberg Premiere hat. Seine Inspiration kommt aus der Begegnung mit den Sängern und Musikern.

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Komponist Mark Scheibe.

Quelle: M. J. Wollschläger

Rheinsberg. Er arbeitet als Pianist, Sänger, Komponist und Texter für sich selbst und andere. Bekannt wurde Mark Scheibe als Gastgeber der „Berlin-Revue“ im Berliner Admiralspalast. Nun komponiert er moderne Songs für die Händel-Produktion „Alcina“ der Kammeroper Schloss Rheinsberg.

Herr Scheibe, wozu braucht Meister Händel eine Ergänzung?

Ohne musikhistorische Vorkenntnisse versteht heute kaum noch jemand, worum es in den Arien geht – ob sich die Figur freut, oder ob gerade jemand gestorben ist. Wir wollen den Zugang zu den barocken Affekten erleichtern. Ich habe neue Stücke entwickelt, um diese Gefühle zu verdeutlichen.

Was erwartet den Besucher?

Es treten die jungen Sänger und die Kammerakademie Potsdam auf. Eine kleine Band ergänzt das Orchester. Ich singe auch selbst ein paar Songs und erzähle zwischendurch die Handlung in gereimten Versen. Zu Händels Zeiten hat man Opern nicht mit erhabener Andacht gehört. Da ging es leichter und lockerer zu. Etwas von diesem Geist wollen wir in unsere Aufführung retten.

Wie kamen Sie an die Rheinsberger Kammeroper?

Ursprünglich war es die Idee von Frank Matthus, Händel durch heutige Musik zu ergänzen. Die Regisseurin Isabel Ostermann hat dann mich angesprochen. Sie kennt meine „Berlin-Revue“, die ich monatlich mit singenden Gästen im Berliner Admiralspalast veranstaltet habe. Eine ähnliche Art von Energie wünschte sie sich auch für ihre Inszenierung. Ich freue mich sehr über die Einladung, denn ich wollte mich schon lange mit Musiktheater beschäftigen.

Auf einer Zauberinsel

Georg Friedrich Händels Oper „Alcina“ spielt auf einer Zauberinsel im Mittelmeer. Die Zauberin Alcina lockt Ritter an, verführt sie und verwandelt sie in Tiere oder Pflanzen.

Die 1735 in London uraufgeführte Oper wird an der Kammeroper Schloss Rheinsberg von Isabel Ostermann inszeniert. Es spielt die Kammerakademie Potsdam unter Attilio Cremonesi. Moderne Songs von Mark Scheibe ergänzen Händels Arien.

Mark Scheibe kam 1968 in Bremen zur Welt. Seit 15 Jahren lebt er in Berlin, wo er als musikalischer Leiter der RBB-Talkshow „Dickes B“ und als Gastgeber der „Berlin-Revue“ tätig war.

Aufführungen: 22., 23., 26., 27., 29., 30. Juli, 20 Uhr, Schlosstheater Rheinsberg, Karten unter 0331/2840284

Wie klingen Ihre Einlagen für Händel?

Da müssten Sie sich selbst einen Eindruck verschaffen. Ich habe Abstand genommen von all diesen Etiketten, nach denen man CDs im Plattenladen sortiert. Die verschiedenen Genres sind für mich das, was Farben für den Maler sind. Meine Stücke spiegeln die Musik, die ich liebe, und die Erwartungen der Menschen, für die ich komponiere. Sie sind keine Kopfgeburten, sondern entstehen aus sinnlichem Empfinden.

Ist Ihr musikalischer Beitrag zur „Alcina“ schon fertig?

Fast. Ich habe nicht im Vorfeld komponiert, sondern erst begonnen, als Mitte Juni die ersten Proben anstanden. Meine Inspiration kommt aus der Begegnung mit den Sängern und Musikern. Meine Stücke klingen viel lebendiger, wenn ich weiß, für wen ich schreibe.

Gehen Sie immer so vor?

Ich bin gewohnt, schnell zu schreiben. In den letzten fünf Jahren habe ich über tausend Arrangements geschrieben. Meine Musik kommt, wenn die Notwendigkeit da ist; das ist ähnlich wie bei Schwangerschaftswehen. Händel oder Mozart haben auch an Ort und Stelle auf den letzten Drücker komponiert, wenn es sein musste.

Bereitet es Ihnen Sorge, dass beim Publikum das Verständnis für die Klassik abnimmt?

Ich bin kein Kulturpessimist. Darüber mache ich mir wenig Gedanken. Ich selbst kann die Musik hören, die ich liebe. Es gibt so viel wunderbare Musik; dem Rest gehe ich aus dem Weg. Außerdem kann ich mir selbst Musik schreiben, die mir gefällt.

Mit welchen Klängen sind Sie in Bremen aufgewachsen?

Meine Eltern liebten Jazz und Chanson. Ich habe als Kind auch das spätromantische Orchester für mich entdeckt. Ich erinnere mich an einen Orkan, der die Weser über ihre Ufer treten ließ. Da herrschte eine unglaublich intensive Energie in der Stadt. Zur selben Zeit habe ich viel Gustav Mahler gehört. Beides hat sich in meiner Vorstellungswelt untrennbar verbunden.

Haben Sie schon früher mit Sinfonieorchestern gearbeitet?

Es gab das eine oder andere Projekt mit städtischen Orchestern. Da will es mir nicht in den Kopf, wie einige der fest angestellten Musiker den schönsten Beruf der Welt zu so einer lustfeindlichen Erfahrung machen. Ganz anders ist das bei der Kammerphilharmonie Bremen, mit der ich seit 2007 zusammenarbeite. Die haben ihren Probensaal in einer Gesamtschule. Ich arbeite dort monatlich mit den Schülern an der Umsetzung ihrer Song-Ideen. Daraus entsteht zweimal jährlich ein abendfüllendes Programm, das die Kammerphilharmonie Bremen begleitet.

Und was ist Ihr Eindruck von der Kammerakademie Potsdam, mit der Sie jetzt in Rheinsberg proben?

Die erinnern mich von der Atmosphäre her an die Kammerphilharmonie Bremen: Die Musiker brennen für ihr Tun; sie sind neugierig und vielseitig. Besonders gefällt mir bei der Kammerakademie Potsdam der warme, transparente Klang.

Von Antje Rößler

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