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Kultur Markus Lüpertz fordert ideenreichere Wahlplakate
Nachrichten Kultur Markus Lüpertz fordert ideenreichere Wahlplakate
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00:17 10.10.2016
Maler Markus Lüpertz und Vizekanzler Sigmar Gabriel in Potsdam. Quelle: B.G.
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Potsdam

Handverlesen, aber nicht auf die Upperclass beschränkt ist die Schar der Gäste, die am Donnerstagabend in der Villa Schöningen von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner (53) begrüßt wird. Bei der Begegnung dreier Großkünstler mit Vizekanzler und SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel (57) geht es locker zu.

In einem engen Raum im Hochparterre des privaten Kunstmuseums vor der Glienicker Brücke nehmen Erwin Wurm, Markus Lüpertz und Stephan Balkenhol den Politiker in ihre Mitte. Es entspinnt sich eine kurzweilige Diskussion, die aber nicht leidenschaftlich geführt wird. Am Ende fordert Gastgeber Döpfner den im Publikum sitzenden Plakat-Künstler Klaus Staeck (78) auf, seine Meinung kundzutun. „Es ist schick geworden, sich von der Politik fernzuhalten“, bedauert Klaus Staeck und erinnert an die Wahlkämpfe, bei denen prominente Maler, Musiker und Autoren Anfang der 1970er Jahre auf eigene Rechnung riesige Hallen anmieteten, um für Willy Brandt und die SPD zu werben.

Markus Lüpertz (75) zählte damals nicht zu Staecks politischen Freunden, im Gegenteil. „Ich wollte einmal in Berlin für die FDP Kultursenator werden“, sagt der Mann im vornehmen Dreiteiler. „Ich hätte alles in die Ausbildung gesteckt und den Opernhäusern überhaupt kein Geld mehr gegeben. Die Verbindung von Kunst und Politik läuft über die Bildung.“ Er spricht von „visueller Verblödung“ und führt als Beispiel den letzten Berliner Wahlkampf an – „Auf den Parteiplakaten waren nur grinsende Menschen zu sehen. Dabei ist ein Wahlkampf doch eigentlich eine tolle Perfomance“, so Lüpertz mit sonorer Schauspielerstimme.

Gabriel nimmt diese Anregung gern auf und formt beim Reden die Hände wie Kanzlerin Angela Merkel zur Raute: „Nichts spricht dagegen, dass man Wahlkämpfe ästhetischer organisiert.“ – Doch im Laufe des Abends wächst die Verwunderung des Politikers, dass keiner der drei erfolgreichen Gegenwartskünstler echte Gesellschaftskritik auf dem Herzen hat. Gabriels Einschätzung, gegenwärtig passiere eine „Neuvermessung der Welt“ und autoritäre Führer wie Trump, Putin oder Erdogan bedrohten die Liberalität, verhallt. Dafür erfahren die Gäste, dass der gelernte Deutschlehrer Gabriel als Kind lange Akkordeon gespielt hat und über den engagierten Kunstverein seiner Heimatstadt Goslar einen Zugang zur modernen Kunst fand.

Der Österreicher Erwin Wurm (62) bekennt: „Für meine Kunst spielt es keine Rolle, was draußen los ist.“ Er lässt aber Sympathien für die konservativen Positionen des Schriftstellers Botho Strauss erkennen und Verständnis für die Kritiker von Merkels Flüchtlingspolitik.

Der Bildhauer Stephan Balkenhol (59) sagt: „Ich genieße die Freiheit und bin bereit, mit meinen Mitteln für sie einzutreten.“ Der Vorteil der Kunst sei, „dass sie nicht nötig ist“. Mit seinen heiteren, oft bunten Figuren hofft er „die Stimmung in den Städten zu verändern“. Eigentlich der ideale Mann für ideenreichere Wahlkampfplakate. „Das wäre riskant“, wehrt Balkenhol dieses Ansinnen ab. „Als Künstler arbeite ich nämlich mit Humor.“

Von Karim Saab

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