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Kultur Materialschlacht zum 60.
Nachrichten Kultur Materialschlacht zum 60.
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13:27 22.02.2013
BERLIN

. Am 25. Februar wäre er 60 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wird ihm im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin jetzt mit einer regelrechten Materialschlacht gedacht. 300 Ölbilder, Skulpturen, Installationen, Filme, Plakate und Zeichnungen sind, wie Museumsdirektor Udo Kittelmann nicht ohne Stolz bemerkte, zu einem Parcours von „etwa einem Kilometer aufgereiht“. Herrenwitz, Klospruch, Slapstick-Zynismus: Auf diesem Niveau erscheint vieles bei Kippenberger angesiedelt, angefangen von graffitiartigen Collagen bis zu gekreuzigten Fröschen.

Ein Kalauer-Künstler sei Kippenberger aber nicht gewesen, sagt Kittelmann. Er habe es nicht auf Klamauk abgesehen. „Es waren immer bittere Wahrheiten, die er zu vermitteln versuchte.“ Zu Lebzeiten wurde er vom offiziellen Kunstbetrieb geflissentlich übersehen, seit seinem Tod widmen ihm Museen im In- und Ausland Retrospektiven.

In dem Werk des Allrounders, der auch Dichter und Schauspieler war, findet sich eine bestimmte Zeitstimmung kondensiert. Als Berufsironiker hatte der gebürtige Dortmunder es zuallererst auf die Kunst selbst abgesehen. Schon als Kind wusste Kippenberger, dass er ein Genie ist. Familien-Anekdoten belegen es. Als Erwachsener maß er sich nur mit den Größten. So rieb sich Kippenberger am Vorbild Beuys, wie die Berliner Ausstellung zeigt. Laternen, die scheinbar durch die Museumswand wachsen, ein Schneewittchensarg mit einer Öffnung zum „Versprechen“ – schier endlos war Kippenbergers Einfallsreichtum. Mit einer lebensgroßen Figur, die in der Ecke stehen muss, reagierte er auf einen Kritiker, der ihm Neo-Nazi-Attitüde vorgehalten hatte. „Martin, ab in die Ecke und schäm dich“, ist das Werk betitelt. Natürlich begegnet der Besucher auch den gekreuzigten Fröschen aus Kippenbergers berühmt-berüchtigter Serie „Zuerst die Füße“.

Dass Kippenberger auch Minimalist war, ist eine Überraschung. Seine noch nie in einem deutschen Museum gezeigte, elfteilige Serie „weißer Bilder“ besteht aus in die Wand eingelassenen Leinwänden. Wer näher tritt, sieht darauf in Kinderschrift Sätze geschrieben wie: „Ein Mann lacht zur Sonne“ oder „Ein Alter, der auf das Bild kotzt“. Kippenberger hatte mit einem Kind seine Kunstkataloge durchgeblättert, die Kommentare des Kindes notiert, und dahinter jeweils die Schulnote „Sehr gut“ gesetzt.

„Sehr gut/very good“ ist auch der Titel der Berliner Ausstellung. Streckenweise erscheint sie aus der Fan-Perspektive kuratiert. Ein wenig Fan aber muss man wohl sein, um Verständnis für diesen großen, komischen und tragischen Kind-Mann aufzubringen.

Martin Kippenberger: Museum Hamburger Bahnhof, bis 18. August. (Von Johanna Di Blasi)

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