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Matthias Reim und das Dschungelcamp

MAZ-Interview mit Schlagerstar Matthias Reim und das Dschungelcamp

Vor 25 Jahren schrieb Matthias Reim mit „Verdammt ich lieb Dich“ einen der erfolgreichsten deutschen Songs aller Zeiten. Im MAZ-Interview spricht er darüber, warum ihm der Song nicht nur Glück gebracht hat. Im Video sagt er außerdem, warum er nicht ins Dschungelcamp gehen würde. Am Samstag spielt er auf der Buga.

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Matthias Reim hat vor 25 Jahren mit "Verdammt ich lieb dich" den erfolgreichsten deutschen Song aller Zeiten veröffentlicht.

Quelle: dpa

Berlin. Sie haben „Verdammt Ich Lieb Dich“ vor 25 Jahren geschrieben. Macht der Song Sie nostalgisch?

Matthias Reim: Nein, ich verbinde den Song gar nicht mehr mit dem, was vor 25 Jahren war - dieser gigantische Aufstieg eines jungen Musikers, der nicht wusste, was mit ihm geschieht.

Sondern?

Reim: Heute komme ich am Ende eines Konzertes zurück auf die Bühne, das Lied beginnt und ich erkenne, wie tausende Menschen aus verschiedenen Generationen in dem Moment eine Einheit sind. Das ist einfach geil!

Dabei wollte die Plattenfirma den Song ursprünglich gar nicht haben, oder?

Reim: Nein, das war so - ich hatte mehrere andere Songs für Bernhard Brink geschrieben. Sechs Monate Arbeit, für die ich 20.000 D-Mark kriegen sollte. Er wechselte die Plattenfirma und ein Mitarbeiter sagte mir am Telefon, dass sie meine Songs nicht gebrauchen können. Dieses Ich-lieb-Dich und Ich-lieb-Dich-nicht-Zeug sei einfach scheiße. Ich schrieb seine Worte wie in Trance mit, draußen regnete es und ich wusste nicht, wie ich ohne diesen Auftrag die Miete zahlen soll. Dann legte ich auf und schaute auf das, was ich geschrieben hatte. Zwei Stunden später war der Refrain fertig, so schnell hab' ich noch nie einen Song geschrieben.

„Verdammt Ich Lieb Dich“ war 16 Wochen lang auf Platz 1 der Charts. Sie waren plötzlich ein Star…

Reim: …und lief sofort in alle Fallen rein. Vom richtigen Umgang mit Medien hatte ich zum Beispiel keine Ahnung. Außerdem hatte ich mich in meine Chorsängerin verknallt, und meine Ehe ging in die Brüche. Dann fragte mich ein Journalist, warum. Ich versuchte, allgemein zu antworten, sagte, dass meine Frau und ich unterschiedliche Interessen hätten. Tatsächlich war sie meistens bei ihrem Pferd und ich im Tonstudio oder auf dem Motorrad. Blöderweise fragte der mich nach dem Namen ihres Pferdes. Das hieß „Mon Coeur“, aber sie nannte es immer „Macke“. Am nächsten Tag stand in der Zeitung „Alles aus wegen Macke!“.

Das arme Pferd.

Reim: Ja, das arme Pferd – und meine arme Frau. Die war stinksauer und erklärte mir den Krieg. Sie warf mir vor, sie wegen einer Chorsängerin zu verlassen und die Schuld auf ihr Pferd zu schieben.

Beruflich konnte Ihnen das nichts anhaben.

Reim: Die Konzerte waren ausverkauft, aber sie waren schlecht. Ich bin froh, dass es keine Handy-Kameras gab, die Aufnahmen wären nur peinlich. Ich wusste nicht, wie man ein Publikum unterhält. Die Veranstalter schickten mich mit einem Hit und einem 39 Minuten langen Album auf Tour. Mach da mal ein zweistündiges Programm draus, und das mit so wenig Bühnenerfahrung. Trotzdem waren zwei Touren ausverkauft.

Zur Person

Matthias Reim, 57, stammt aus Korbach (Hessen). Reim hatte zunächst in Göttingen Germanistik und Anglistik studiert. Allerdings brach er das Studium ab und beschloss 1980, Musiker zu werden. Anfangs komponierte er für andere Schlagersänger, 1990 gelang ihn sein erster und bis heute größter Hit: «Verdammt ich lieb Dich». Die Single wurde weltweit 2,5 Millionen Mal verkauft und stand 16 Wochen lang auf Platz 1 der deutschen Musikcharts. Seit 1971 stand keine Single ohne Unterbrechung länger auf Platz 1.

Nach seiner Tournee 2001 erlitt er einen Tiefschlag, sein Manger verspekulierte Reims Geld, rund 14 Millionen Euro. Im Sommer 2007 parodierte er seine Single Verdammt ich lieb’ Dich in einem Sixt-Werbespot. Darin singt er, in Anspielung auf seine Schulden, „Verdammt, ich hab nichts, ich miet bei Sixt“. Nach einem „verkürzten Insolvenzverfahren“ ist der Künstler nun seit April 2010 wieder schuldenfrei.

2013 schaffte Matthias Reim mit seinem Album "Unendlich" erneut den Sprung von Null auf Platz Eins der deutschen Charts und blieb acht Wochen lang in den Top Ten.

Die verdienten Millionen legte Ihr Manager für Sie an, das Geld war später futsch. Hätten Sie es mal lieber versoffen oder anders auf den Kopf gehauen.

Reim: Auf jeden Fall! Ich habe mir aus meinen Reichtümern nur 4000, 5000 Mark im Monat rausgenommen. Ein schnelles Auto oder ein neues Motorrad wären cool gewesen. Nur ein Mal habe ich mir was gegönnt, ein Boot für 80.000 US-Dollar. Verglichen mit dem, was ich verdient habe, war das lächerlich.

Wie bleibt man großzügig, wenn man alles verliert?

Reim: Das ist ein Charakterzug, der vergeht nicht. Ich ärgere mich manchmal darüber, nicht Nein sagen zu können. Heute bin ich der, der haufenweise Freunde vor dem Untergang rettet und ihnen Geld gibt. Anderseits habe ich gelernt, wenn du ohne nachzudenken gibst, bekommst du etwas zurück. Das geliehene Geld werde ich wohl nicht zurückbekommen, aber das Leben hat mir einiges zurückgegeben.

Was?

Reim: Die Totalpleite hat mich vor die Wahl gestellt, entweder saufen und untergehen oder nochmal richtig los und viel arbeiten.

Wie wurden Sie schuldenfrei?

Reim: Ich habe jedes Dorf durchpflügt und bin überall aufgetreten. Aber durch diese Auftritte hab ich viel gelernt.

Sie durften das Geld ja eh nicht behalten.

Reim: In Saus und Braus habe ich nie gelebt. Ich fuhr einen rostigen Jeep, lebte auf Ibiza und brauchte nicht viel.

Klingt gut, so ein Bankrott.

Reim: Na ja, das war trotzdem eine Krise und der Pleitenstempel klebte fest an mir. Bestimmte TV-Shows luden mich nicht mehr ein, manche Schlager-Freunde von einst machten einen Bogen.

Matthias Reim live

In diesem Jahr feiert er mit einer Tour sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Das Finale der Tour wird am 5. September in der Berliner Wuhlheide stattfinden. Live zu erleben ist Reim außerdem am 4. Juli in Havelberg, einem der Standorte der BUGA 2015 Havelregion.

In Deutschland spricht man eigentlich nicht darüber, wie viel man auf dem Konto hat. Ihre Schulden waren öffentlich, die Rede war von weit über 10 Millionen Euro.

Reim: Die Folgen habe ich bis vor kurzem noch gespürt. Als ich längst aus der Insolvenz raus war, bat ich eine Bank um die Finanzierungshilfe für ein Grundstück. Ich hatte alle Sicherheiten, die Hälfte wollte ich sofort zahlen. Eine Woche vor dem Notartermin erfuhren die, wer ich bin und bekamen nasse Füße. Das kratzte an meinem Ehrgefühl. Genauso erbärmlich war das Gefühl, als man mir in der Insolvenz die Platin- und Goldplatten aus dem Studio nehmen wollte. Die dachten, die seien tatsächlich aus Gold und Platin. Ich habe denen gesagt, so was wird auf Ebay für zehn Euro verscherbelt, aber es hat symbolischen Wert.

Was half Ihnen aus der Krise?

Reim: Das Gefühl von Anerkennung. Auf der Straße erhielt ich Solidarität ohne Ende. Dabei stand in einer Zeitschrift „Matthias Reim – ein verpfuschtes Leben“, da musste ich echt schlucken.

Sie argumentieren manchmal wie ein Kind. Ist Naivität eine gute Eigenschaft?

Reim: Liebevolle Naivität ist eine gute Eigenschaft. Ich war nie bereit, mein ganzes Wesen zu ändern. Theoretisch könnte mir also so ein Reinfall wie damals wieder passieren. In der Praxis wird es nicht so sein.

Wer Gutes für Sie will, wünscht Ihnen also keinen zweiten Megahit.

Reim: Stimmt vielleicht, ich will und brauch auch nicht unbedingt einen zweiten Megahit, ein normaler Hit alle paar Monate tut's auch. Meine Alben verkaufen sich mehr als gut, die Konzerte sind ziemlich voll, ich habe eine stabile Anhängerschaft – das ist mir wichtig.

Ihre Beziehungen scheinen weniger stabil zu sein. Sie haben mit 57 Jahren erfahren, dass Sie eine 40-jährige Tochter haben – und zwei Enkel noch dazu.

Reim: Opa dürfen die mich aber nicht nennen.

Warum?

Reim: Weil ich Mister Jugendwahn bin. (lacht) Aber mal im Ernst, das war schon sehr unwirklich. Ich bringe gerade meine fünfjährige Tochter in die Schule und erfahre, dass ich noch eine 40-jährige Tochter und zwei Enkel habe, die sogar älter sind als meine andere Tochter. Als das bekannt wurde, haben natürlich alle gedacht, wie ist der denn drauf. Fakt ist, das war mein erstes Mal – und es blieb mein einziges bis ich 20 war. Ich hatte danach unglaublichen Liebeskummer, habe mit meinen Kumpeln geheult und gelitten, weil wir alle auf der Suche nach der großen Liebe waren.

Haben Sie sie gefunden?

Reim: Nein.

Aber Sie haben es schon häufig gesagt und gesungen…

Reim: …ich habe es auch jedes Mal geglaubt. Ich heirate doch nicht, weil ich mich später trennen will. Das Vorbild waren meine Eltern, die sind immer zusammen gewesen. Mein Vater hat meine Mutter vor ihrem Tod zehn Jahre gepflegt, die sind so respektvoll miteinander umgegangen und waren ein tolles Beispiel. Aber ich habe es nicht hingekriegt. Auch in meinen Songs geht es vor allem darum.

Worum?

Reim: Um das Scheitern von Beziehungen. Das sind keine Heile-Welt-Lieder. Ich hatte drei Messer im Rücken und weiß, wie es ist, zu leiden und dann wieder aufzustehen. Eine Erkenntnis steht über allem – an alle meine Frauen: Ich bin schuld!

Es ehrt Sie ja, dass Sie Ihre Fehler zugeben und sich nicht so ernst nehmen. Ihr Verkaufsvideo zu einer neuen Sammler-Box ist aber nach hinten losgegangen. Der Moderator Jan Böhmermann hat Sie dafür veräppelt und eine Adolf-Hitler-Parodie gedreht.

Reim: Ich habe das zufällig gesehen und fand es lustig. Mein Sohn hat auch gelacht und gesagt - jetzt bist du echt groß. Böhmermann hat mich nicht wirklich mit Hitler verglichen. Das ist Satire, ein Spiel mit der Übertreibung.

Das Interview führte Maurice Wojach

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Der Schlagersänger Matthias Reim hat sich nach neun Jahren Ehe von seiner Frau getrennt. "Ja, meine Ehe ist am Ende", zitierte die "Bild"-Zeitung den Schlagerstar.

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