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Max Beckmann in der Berlinischen Galerie

Moderne Malerei Max Beckmann in der Berlinischen Galerie

Wie kaum ein anderer hat sich der Maler Max Beckmann gegen die moderne Avantgarde seiner Zeit gestellt. Gegen Expressionismus, Kubismus und alles Abstrakte. Selbst mit der Neuen Sachlichkeit wollte er nichts zu tun haben. Die Berlinische Galerie zeigt vor allem frühe Arbeiten des Künstlers.

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Ein frühes Werk: „Sintflut“ von 1908 in der Ausstellung „Beckmann und Berlin“ in der Berlinischen Galerie.

Quelle: Fotos: dpa, VG Bild-Kunst Bonn 2015 (2)

Berlin. Was für einer war er denn nun? Vom Neoimpressionismus bald enttäuscht, mit den Expressionisten lag er im Streit, von der Neuen Sachlichkeit hat er sich schnell distanziert. Max Beckmann (1884-1950) legte viel Wert auf seine Eigenständigkeit als neokonservativer Maler, der sich gegen die künstlerische Avantgarde der Jahrhundertwende stellte. Er fühlte sich der Tradition und der figürlichen Malerei verbunden, wollte aber zugleich etwas ganz Neues, Modernes schaffen. Und trotzdem hat er, wie kaum ein anderer der klassischen Moderne in seinem Spätwerk fast alle konkurrierenden Malstile in sich aufgesogen und verarbeitet.

Die meisten Entwicklungsstationen dieses großen deutschen Malers können seit Freitag in der Berlinischen Galerie verfolgt werden. 50 seiner Werke aus der Zeit zwischen 1905 und 1936 sind ausgestellt. Ergänzt werden sie durch zahlreiche Arbeiten von Zeitgenossen unterschiedlicher Stile von Edvard Munch, Max Liebermann, Franz Marc oder Ernst Ludwig Kirchner.

Vor allem das Frühwerk Beckmanns ist zu sehen. Und vor allem Bilder, die irgendwie etwas mit Berlin zu tun haben – egal ob sie in Berlin entstanden, die Stadt abbilden oder dort nur ausgestellt wurden. Von daher auch der Titel des Ausstellung. „Max Beckmann und Berlin“. Der in Leipzig geborene Künstler hat 15 Jahre seines Lebens in Berlin verbracht, zehn Jahre in der Kaiserzeit bis zum ersten Weltkrieg und vier Jahre während der Nazizeit, bis er 1937 emigrierte und nie wieder nach Deutschland zurückkehrte.

„Wie heute war Berlin damals für die Künstler ein Fixpunkt“, sagt Kuratorin Stefanie Heckmann. Damals, das war die große Zeit des Expressionismus. Künstler wie Emil Nolde oder Ernst Ludwig Kirchner zog es in die deutsche Hauptstadt. Beckmann stellte sich gegen sie, stritt sich mit Franz Marc in der Berliner Kunstzeitschrift „Pan“ über diese Kunstauffassung und verhöhnte die Werke der Expressionisten als „Zigarettenplakate“ – viel Farbe, viel Fläche, viel Effekt, aber seiner Ansicht nach wenig Kunst.

Beckmann und Berlin

Mit der Ausstellung „Beckmann und Berlin“ feiert die Berlinische Galerie ihr 40-jähriges Bestehen. Es ist die erste größere Beckmann-Ausstellung in der Hauptstadt seit 30 Jahren.

Insgesamt 50 Werke , vor allem aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg sind zu sehen. Darunter sind zahlreiche Selbstporträts. Dazu kommen Vergleichsarbeiten von Zeitgenossen wie Munch, Liebermann, Marc oder Kirchner.

Info : Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124-128 in Berlin-Kreuzberg. Öffnungszeiten: Mi-Mo von 10.00 – 18.00 Uhr. Eintritt: 10 Euro/7 Euro. Die Ausstellung geht bis zum 15. Februar 2016.

n der Berlinischen Galerie ist zu sehen, was Beckmann in dieser Zeit unter Malerei verstand. Es sind zum Teil recht große Bilder aus den Jahren vor dem ersten Weltkrieg, wie zum Beispiel das anderthalb auf zweieinhalb Meter große Ölgemälde „Junge Männer am Meer“ von 1905. Es zeigt unbekleidete Männer am Strand, gemalt in hellen Farben, wie bei den französischen Impressionisten, die Körper allerdings streng angeordnet in einer klassischen Komposition. Beckmann ist weit entfernt von deren Schnappschuss-Ästhetik.

Das Bild war der Durchbruch für den aufstrebenden, 21-jährigen junge Maler, der sich von da an strategisch vermarktete als einer der anders malt als der Mainstream. Sehr schön zu sehen ist das an einem Gemälde von 1911, das den Nollendorfplatz zeigt. Beckmann malt in der Perspektive, in Farben, die das Licht einzufangen versuchen aus einer sachlichen Distanz. Es ist ein vergleichsweise langweiliges Bild, vor allem im Kontrast zu dem daneben hängenden Bild desselben Platzes, das Ernst Ludwig Kirchner 1912 malte: nah dran, harte Kontraste, überspitzte Perspektive. Der Expressionist malt die Aggressivität der modernen Großstadt. Ein Kontrast, der zugleich Beckmanns Scheitern und seine künstlerische Kapitulation vor der expressionistischen Mode illustriert.

Die Berliner Ausstellung zeigt dies konsequent. Und die Weiterentwicklung des Künstlers, der als Sanitäter in den Ersten Weltkrieg zieht und als ein anderer zurückkommt. Der Künstler Beckmann erfindet sich neu, zieht sich nach Frankfurt am Main zurück ist aber häufig in Berlin. Beckmann zeichnet und malt Straßenszenen im Nachkriegs-Berlin: hart, gewalttätig, obszön. Und er beginnt die abstrakte Malweise der Kubisten oder die scharfen Konturen der Expressionisten in seinen Werken zu verarbeiten. Sehr schön zu sehen auf dem Bild „Das Frauenbad“ von 1919, das ausgemergelte Menschen mit verzweifelten Blicken in eine engen Raum gepfercht zeigt. Der Realismus der Neuen Sachlichkeit lässt allerdings schon grüßen, in diesen Bildern der Nachkriegszeit.

Es sind faszinierende Gemälde, die Beckmann in den Jahren der Weimarer Republik schafft. Sie werden flächiger, farbiger, bedeutungsgeladen und damit rätselhafter. Und Beckmann ist gut im Geschäft. Im Februar 1933, wenige Tage nach der Machtübernahme der Nazis, erhält er in der Berliner Nationalgalerie einen eigenen Raum ein. Doch die Bilder hängen nur bis zum Sommer, dann gilt Beckmanns Kunst als „entartet“. Er verliert seine Professur in Frankfurt und zieht nach Berlin. Nochmals entstehen großartige Bilder in der Hauptstadt, bis der Künstler 1937 nach Amsterdam und später in die USA emigriert.

Nur ein Teil der ausgestellten Bilder sind aus der Sammlung der Berlinischen Galerie. Die Schau zeigt zahlreiche Leihgaben, die zum Teil noch nie in Berlin zu sehen waren. Schon deshalb lohnt sich ein Besuch.

Von Mathias Richter

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