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Kultur Max Beckmann im Potsdamer Museum Barberini
Nachrichten Kultur Max Beckmann im Potsdamer Museum Barberini
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15:02 23.02.2018
Blick auf das Triptychon „Die Argonauten“ in der Ausstellung „Max Beckmann. Welttheater" im Potsdamer Museum Barberini. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Neue Ausstellung, ähnliches Thema, und doch ganz anders. Es geht erneut um die Souveränität des Künstlers im Museum Barberini in Potsdam. Wie viel Selbstbestimmung ist möglich? Wie autonom kann die Kunst unter bestimmten gesellschaftlichen Umständen sein? Nachdem diese Fragen in den vergangenen Monaten in der viel beachteten Ausstellung „Hinter der Maske“ für die Kunst aus der DDR diskutiert wurde, ist nun Max Beckmann dran. Von kommenden Sonnabend an zeigt das Museum des Kunstmäzens und Stifters Hasso Plattner „Max Beckmann. Welttheater“.

Barberini-Besucher können ab 23. Februar 112 Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Skizzenbücher von Max Beckmann bestaunen. Sie erwarten Bilder mit kräftigen Farben und schwarzen Konturen.

„Beckmanns großes Anliegen war das Zur-Schau-Stellen“, sagt Museumsdirektorin Ortrud Westheider. In der Ausstellung, die bereits in der Kunsthalle Bremen zu sehen war, werden 112 Werke eines der bekanntesten deutschen Künstlers der klassischen Moderne gezeigt – darunter Leihgaben, die in Europa schon länger nicht mehr zu sehen waren. Es ist keine Werkschau, sondern eine thematische Zusammenstellung seiner Gemälde, Skulpturen, Skizzenbücher und Grafiken, die sich mit der Welt des Theaters, des Zirkusses, der Varietés und der Schausteller befassen.

Beckmann sah sich selbst als Darsteller

Ein Thema, zu dem Beckmann schier unerschöpfliches Material lieferte, sah er sich doch selbst in gewisser Weise als Darsteller. Auf Selbstporträts hat er sich häufig als Clown, gar als Narr dargestellt. Die Narrenfigur zeichnete sich aber schon immer dadurch aus, dass sie sich von den anderen unterscheidet, auf Abstand geht und aus kritischer Distanz betrachtet – lacht, verspottet oder auch weint. So ist das auch bei Beckmann gemeint, wenn er sich etwa 1921 auf einem Stuhl sitzend mit roter gezackter Halskrause, Trompete und Narrenmaske auf dem Schoß inszeniert und mit besorgtem, mahnendem Blick auf den Betrachter schaut.

Es ist die Ahnung von einem Dasein als Theater, in dem jeder eine Rolle zu spielen hat, die Beckmann zeitlebens umtrieb und was sich in zahlreichen seiner Werke niederschlug. Der Gedanke, dass es unsichtbare Mächte sind, die die Show im Hintergrund kuratieren und die der Künstler einmal mehr versucht, ins Bild zu setzen.

Am Vorabend des 2. Weltkrieges: Der Apachentanz zeigt nackte Gewalt

Wobei der Zeitbezug immer mitgelesen werden kann. 1938, Hitler ist schon fünf Jahre an der Macht, malt Beckmann den „Apachentanz“. Eine Szene in einem Varieté in Paris, in dem ein Apache – so wurden seinerzeit dort die Zuhälter genannt – mit einer Frau auf dem Rücken über den Tisch poltert. Sie hängt kopfüber, er bewegt sich breitbeinig, schleudert sie womöglich gleich in die Luft. Beckmann malt das Paar in grellen, aggressiven Farben, umgeben von einem blass gehaltenen, apathisch wirkenden Publikum. Ein Sinnbild blanker Gewalt, die heute wie eine Vorahnung auf die Gräuel des Zweiten Weltkrieges wirkt.

Die Potsdamer Ausstellung ist voll von solchen Darstellungen. Etwa die Artistin am Trapez von 1936. Sie springt mit einem weiten Schritt dem Betrachter entgegen, wendet den Blick aber zurück in den dunklen Hintergrund, wo ihr eine teufelsähnliche Figur etwas zuflüstert. Schwarz ist im Übrigen nicht nur ein Teil des Hintergrundes, sondern auch die Konturen der Tänzerinnenfigur – typisch für Beckmanns Bildsprache.

Berühmte Triptychen des späten Beckmann

Sehenswert sind auch die berühmten Triptychen, die der späte Beckmann so zahlreich gemalt hat. In Potsdam sind die drei Bilder „Schauspieler“ aus den Jahren 1941/42 vertreten. Auf dem linken Seitenflügel ist Judas abgebildet, wie er mit Soldaten spricht, dazwischen Maria, die den im Hintergrund kauernden Jesus verdeckt. Der Zeitbezug ist klar. Beckmann war, nachdem ihn die Nazis als „entarteten Künstler“ verfemten, 1937 nach Amsterdam emigriert. 1841 war diese Stadt von deutschen Truppen besetzt. Denunziation war Alltag.

Etwas freundlicher, wenn auch kaum weniger bedrohlich das Triptychon „Die Argonauten“ von 1949/50. Beckmann war nach dem Krieg in die USA ausgewandert. Die drei Bildelemente zeigen grelle Pin-up-Girls mit Schwertern und Musikinstrumenten. Im Zentrum stehen drei nackte Jünglinge aus der griechischen Sagenwelt am Wasser. Sie könnten so auch an einem FKK-Strand an der Ostsee stehen. Auch hier wahrt Beckmann den souveränen Blick aus gebotener Distanz.

In Europa selten gezeigte Werke

In der Ausstellung „Max Beckmann. Welttheater“ im Museum Barberini in Potsdam sind von Sonnabend an 112 Werke des Künstlers zu sehen.

Zahlreiche Leihgaben, die in Europa länger nicht mehr gezeigt wurden, sind darunter, etwa aus Washington, Harward und St. Louis.

Kuratiert wurde die Schau von Ortrud Westheider und Eva Fischer-Hausdorf (Kunsthalle Bremen).

Max Beckmann. Welttheater. Museum Barberini in Potsdam, Am Alten Markt. Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr. Eintritt 14 Euro/10 Euro. 24. Februar bis 10. Juni.

Von Mathias Richter

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