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16:04 21.04.2016
Max Prosa am Schwielowsee. Quelle: Detlev Scheerbarth
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Caputh

Max Prosa schlendert am Caputher Gemünde entlang in Richtung Schwielowsee. Gerade noch in der Großstadt gewesen, blickt er jetzt auf ein paar Enten und ein abtauchendes Blässhuhn. Angler werfen die Köder aus und schweigen. Der Sänger setzt sich und erzählt – wenige Tage vor seinem Konzert in Potsdam – warum Songwriting am See so gut funktioniert.

Wieso ist ein See der beste Ort, um Songs zu schreiben?

Max Prosa: Weil ich dort wie von selber in einen anderen Bewusstseinszustand komme, alles aus einer Distanz heraus betrachte, aus der ich gut Songs schreiben kann. Es geht immer darum, aus alten Mustern auszubrechen. Mir helfen da Ortswechsel – und Seen sind einfach inspirierend und schön.

Dabei führst du eigentlich ein Großstadtleben.

Prosa: Ja, und ich mag das. Es gibt so viel auf einmal, besonders in Neukölln. Der Handyladen, in dem auch Döner verkauft werden, ist nächste Woche vielleicht eine Apotheke und übernächste eine Kaffee-Rösterei und wieder zurück. Wenn mir der Trubel zu viel wird, zieh ich mich mit einem Buch zurück. Oder fahre wieder raus.

War das immer so?

Prosa: Die Natur mochte ich schon, aber als Schüler in Berlin hatten wir anderes im Sinn. Ausflüge nach Brandenburg – das war etwas, das die Eltern und Großeltern machten. Ich war interessiert an dem, was mir heute ab und an zu viel ist, dem Wahnsinn der Großstadt.

Welche Seen magst du besonders?

Prosa: Zum Beispiel den Caputher See, hier um die Ecke. Freunde von mir hatten dort eine Datsche. Der wirkte irgendwie mystisch, weil er vom Rest des Ortes abgeschlossen ist. Alte Bäume ragten in das Wasser und wir spazierten darauf. Dort sind Fotos von mir im Konfettiregen entstanden.

So bist du auch auf dem Cover deines Debütalbums zu sehen gewesen. In einem der Songs singst du „Nimm mich raus aus den Abgründen der Stadt“ – was sind die Abgründe?

Prosa: Inmitten von Menschen einsam zu sein. Das ist die wirklich schlimme Einsamkeit. Die Kneipe als verlässlicher Treffpunkt ist in Berlin total verloren gegangen. Es kann sein, dass du ab 23 Uhr allein dastehst. In der Stadt muss man immer was tun, was leisten – in der Natur kann man einfach sein. In einer rappelvollen Bar kann ich mich auf jeden Fall einsamer fühlen als alleine in der Uckermark am See.

Wie verläuft der Tag, wenn du dort Songs schreibst?

Prosa: Ein paar Mal gibt es was zu essen und einen Sprung ins Wasser - dazwischen brüte ich über Ideen. Man muss sich manchmal selbst überlisten um in eine Stimmung zum Schreiben zu kommen.

Worum werden sich die Songs auf dem neuen Album drehen?

Prosa: Die Sehnsucht nach dem besseren Leben spielt eine wichtige Rolle. Das sieht man an den Flüchtlingen, die zu uns kommen – aber auch sonst.

Nach deinem Debüt dauerte es weniger als ein Jahr bis zum nächsten Album. Nun sind schon drei Jahre vergangen. Warum?

Prosa: Nach dem ersten Album landete ich in der Schublade weicher deutscher Songpoeten. Manche Kritiker sahen mich als eine weitere Version von Philip Poisel oder Tim Bendzko, ich aber nicht. Ich musste eine Art Schattenversion des ersten Albums machen – düsterer, nicht so weich. Der Erfolg hatte mich überrannt, heute bin ich geerdeter. Ich musste erstmal wieder leben und Material sammeln, um zu schreiben.

Deine Gedichte kann man per Lyrik-Abo als SMS bestellen. Das finde ich merkwürdig.

Prosa: Das fand ich auch zuerst, aber ich wollte die Menschen teilhaben lassen an dem, was ich schreibe. Ein Buch mit vielen Gedichten wäre mir zu massig. In einer Galerie hängen mir auch zu viele Bilder – ich will mich nur mit einem beschäftigen. Eine SMS erwischt einen unmittelbar, man liest sie sofort. Wer so ein Gedicht liest, ist eingeladen, mal kurz auszusteigen und sich an einen anderen Ort zu denken – zum Beispiel an einen See.

Von Maurice Wojach

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