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Kultur „MeToo“ beschäftigt die Berlinale
Nachrichten Kultur „MeToo“ beschäftigt die Berlinale
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20:52 06.02.2018
Die französische Schauspielerin Audrey Tautou 2015 auf dem roten Teppich der Berlinales. Quelle: dpa
Berlin

Bei dieser Ansage ging es dem Festivalchef um mehr als nur um die Kleiderordnung: „Ich empfehle jeder Frau zu kommen, wie sie will“, sagte Dieter Kosslick gestern bei der Vorstellung des Berlinale-Programms. „Ich werde keine Frau in flachen Schuhen zurückweisen und keinen Mann in High Heels.“ Damit spielte Kosslick auf Initiativen für sexuelle Selbstbestimmung an, die bei Filmfestivals den Druck auf Frauen brandmarken, auf dem roten Teppich männlichen Blicken zu gefallen. Niemand, der nicht will, muss also auf hohen Absätzen, im knappen Rock oder mit nackten Schultern bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin erscheinen.

Beratungsstellen für Opfer von Belästigung und Missbrauch

Auch das versteht die Berlinale als einen Beitrag zur „MeToo“-Debatte, die seit den Missbrauchsvorwürfen gegen Harvey Weinstein Hollywood erschüttert und nun auch das wichtigste deutsche Kinofestival beschäftigen wird. Vom 15. bis 25. Februar soll dabei ganz praktisch Hilfestellung geleistet werden: Das Festival richtet unter der Überschrift „Nein zu Diskriminierung“ eine Beratungsstelle ein. Dort können sich diejenigen melden, die Belästigungen oder Missbrauch erleben oder beobachten, „kostenlos und anonym“. Zudem sind Podiumsdiskussionen geplant, und die Initiative „Speak up!“ will Betroffene ermuntern, ihre Stimme zu erheben.

Die Berlinale versteht sich schon immer als gesellschaftspolitisches Forum, das dürfte auch in diesem Jahr wieder die Filmauswahl belegen, bei der nach Kosslicks Worten Flüchtlinge vielfach im Zentrum stehen. Rund 400 Filme werden in diversen Sektionen gezeigt. Einen heftigen Brocken im weitgehend bereits bekannten Wettbewerb meldete Kosslick gestern nach: Der norwegische Regisseur Erik Poppe erzählt in „Utøya 22. Juli“ vom mörderischen Anschlag in einem Feriencamp auf der kleinen Insel Utøya, dem vor sieben Jahren 77 Jugendliche zum Opfer fielen.

Tickets gibt es immer drei Tage im Voraus

Der Ticketvorverkauf startet am 12. Februar um 10 Uhr in den Potsdamer Platz Arkaden, im Kino International, im Haus der Berliner Festspiele und in der Audi City Berlin am Kurfürstendamm. Tickets gibt es immer drei Tage im Voraus.

Karten für
Vorstellungen am Publikumstag (25. Februar), im Friedrichstadt-Palast, im Hebbel am Ufer, des Kulinarischen Kinos, von Berlinale Goes Kiez sind schon am 12. Februar erhältlich. Auch online kann man sich Karten besorgen unter www.berlinale.de. Dort ist auch das gesamte Programm zu finden.

Neben dem Wettbewerb, dem Aushängeschild des Festivals, gibt es einige weitere Sektionen: Im Panorama laufen neue Werke renommierter Regisseurinnen und Regisseure, Debütfilme und Entdeckungen. Das Forum ist die risikofreudigste Sektion: Avantgarde, Experimente und unbekannte Kinematografien sind hier zu finden. Die Sektion Generation widmet sich herausragenden Kinderfilmen.

Stark vertreten ist das deutsche Kino unter den 19 Wettbewerbsbeiträgen: Gleich vier deutsche Filme starten, das ist Einstellung des bisherigen Rekords: Christian Petzold zeigt die Anna-Seghers-Adaption „Transit“ mit Paula Beer und Franz Rogowski, Emily Atef setzt sich in „3 Tage in Quiberon“ auf die Spuren von Romy Schneider (gespielt von Marie Bäumer), Philip Gröning ist mit dem Familiendrama „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ dabei und Thomas Stuber mit der Liebesgeschichte „In den Gängen“ mit Sandra Hüller und wiederum Rogowski. Der 32-Jährige, zudem gekürt als Berlinale-Shootingstar 2018, könnte das Gesicht dieser Berlinale werden.

Wes Anderson eröffnet das Festival

Rar machen sich dagegen die US-Amerikaner, die zu Hause schon den Oscars Anfang März entgegenfiebern. Immerhin präsentiert Gus Van Sant „Don’t worry, he won’t get far on foot“ über den querschnittgelähmten Zeichner John Callahan. Steven Soderbergh zeigt außer Konkurrenz den Stalker-Thriller „Unsane“, angeblich ganz und gar mit dem Handy gedreht. Und dann ist da noch Wes Anderson mit „Isle of Dogs“, einem von Studio Babelsberg koproduzierten Animationsfilm zur Eröffnung, auch das ein Novum. Der Goldene Ehrenbär geht an den US-Schauspieler Willem Dafoe, ein alter Berlinale-Bekannter, der gerade mit „The Florida-Project“ auf Oscar-Kurs ist und sich trotzdem in Berlin blicken lassen will.

Wirklich prominente Regienamen im Bären-Rennen fehlen weitgehend. Die dürfte sich im Mai wieder die Konkurrenz in Cannes wegschnappen. Aus Polen ist Małgorzata Szumowska gemeldet („Twarz“), aus dem Iran Mani Haghighi („Schwein“), aus Frankreich Benoît Jacquot („Eva“), von den Philippinen Lav Díaz, dessen Musical „In Zeiten des Teufels“ nur vier Stunden und nicht acht dauert wie sein Wettbewerbsbeitrag vor zwei Jahren.

Die Jury ist komplett

Seit gestern ist klar, wer Jury-Präsident Tom Tykwer bei der Entscheidung über den Goldenen Bären unterstützt: die belgische Schauspielerin Cécile de France („L’Auberge Espagnole“), die Oscarfilm Produzentin Adele Romanski („Moonlight“), der japanische Filmkomponist Ryichi Sakamoto („The Revenant“), die US-Kinokritikerin Stephanie Zacharek („Time“) und der spanische Filmhistoriker Chema Prado.

Mit der zuletzt teils heftigen Kritik an seiner Amtsführung mag sich Kosslick nicht mehr beschäftigen: „Für mich ist diese Geschichte durch“, sagte er gestern. Im Sommer werde die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters initiierte Findungskommission hoffentlich seine Nachfolge geklärt haben. Für ihn ist nach der Berlinale 2019 Schluss. Bis dahin begrüßt er „mit einem guten Gefühl“ Gäste auf dem roten Teppich, was auch immer diese auf der Haut tragen. Angekündigt haben sich beispielsweise Rosamund Pike, Bryan Cranston, Greta Gerwig, Robert Pattinson, Gael García Bernal, Udo Kier, Peter Simonischek, Liev Schreiber, Isabelle Huppert und Emily Watson.

Von Stefan Stosch

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