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Meisterin des Scatgesangs

Musik Meisterin des Scatgesangs

Die US-Amerikanerin ist seit mehr als 20 Jahren Professorin für Jazz-Gesang in Berlin, sie war die erste ihrer Art. Nun kommt die Ausnahmekünstlerin, die ihren Gesangsstil einem Saxofonisten ablauschte, mit ihrem neuen Album nach Potsdam-Babelsberg.

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Singen, wie ein Saxofonist spielen würde: Judy Niemack ist ein Jazzsängerin von Weltruf

Quelle: PR

Potsdam. Warme Stimme, tiefes Verständnis für die Absichten der Komponisten und Texter, Originalität und Frische – das wird Judy Niemack von einem englischen Musiklexikon bescheinigt. Die Amerikanerin studierte in Boston klassischen Gesang. Engstirnige Professoren wollten ihr den Jazz verbieten. Doch heute – das Leben schreibt die schönsten Pointen – ist Judy Niemack selbst Jazz-Professorin. Seit über 20 Jahren unterrichtet sie an der Berliner Musikhochschule. Längst haben sich auch ihre Schüler in der Szene etabliert, darunter Lisa Bassenge und Jessica Gall.

Judy Niemack ist eine Meisterin des Scat-Gesangs, der stimmlichen Improvisation mit Nonsense-Silben. Auf diesen Weg führte sie in jungen Jahren die Begegnung mit dem Saxofonisten Warne Marsh, einem Schüler des legendären Jazzpianisten Lennie Tristano. „Warne wohnte in meiner Nachbarschaft“, erinnert sich Judy Niemack, die im kalifornischen Pasadena aufwuchs, als Tochter eines Kaufmanns und einer Chorleiterin. „Einige meiner Klassenkameraden hatten bei ihm Trompeten- oder Saxofonunterricht. Eines Tages nahmen sie mich mit, und ich wurde Warnes erster Gesangsstudent.“

Damals war die Auffassung verbreitet, Jazz könne man nicht lehren. Wenige Musiker gaben ihr Wissen so freimütig weiter wie Warne Marsh. „Von Saxofonisten, die ihre Phrasen ja auch mit dem Atem bauen, können sich Jazzsänger eine Menge abgucken“, erläutert Judy Niemack. „Warne behandelte mich wie einen Saxofonisten. Ich musste die Soli von Charlie Parker oder Roy Eldridge lernen. Und er brachte mir das Improvisieren bei, das er ,Augenblickskomponieren’ nannte.“

Als 23-Jährige ging Judy Niemack nach New York. Das war in den späten Siebzigern ein gefährliches Pflaster, zumal die junge Sängerin in die erschwingliche Bronx zog. Sie führte ein kontrastreiches Leben. Manchmal kellnerte sie; dann wieder trat sie mit den Größen der Jazzszene im Village Vanguard auf, einem der angesagtesten Clubs.

In den Achtzigern begann ihre internationale Karriere, die sie auch nach Europa und Asien führte. Parallel unterrichtete sie: an amerikanischen Hochschulen, in Antwerpen und Den Haag, und schließlich ab 1995 in Berlin an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ – als erste Professorin für Jazzgesang in Deutschland. Sie war auch dabei, als zehn Jahre später die beiden Berliner Musikhochschulen angesichts der Sparpolitik des Berliner Senats ihre Jazzabteilungen zum gemeinsamen Jazz-Institut fusionierten. Heute leitet sie dort den Gesangsbereich. „Ich habe diese ganze Ausbildungsszene mit aufgebaut“, sagt die Sängerin, die aus ihren Methoden kein Geheimnis macht. „Meine Generation ist wohl die erste, die ihr Wissen offen mit jüngeren Sängern teilt“, sagt sie. Judy Niemack hat drei Gesangslehrbücher geschrieben; ihre Lektionen zum Scat-Singen stehen online, frei zugänglich.

Neben dem Unterrichten kommt das eigene Musikmachen nicht zu kurz. Zehn Alben als Bandleader hat Judy Niemack veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen Jazzstandards; auch solche, die man eher als Instrumentalstücke kennt. Judy Niemack unterlegt sie mit neuen Texten, die moderner und relevanter daher kommen als die beschaulichen Verse der Dreißiger und Vierziger.

Vor wenigen Wochen ist ihre CD „Listening to You“ erschienen, ein Duo-Album zusammen mit dem Pianisten Dan Tepfer. Aufgenommen wurde es in New York, wo sich Judy Niemack regelmäßig aufhält; sie hat immer noch ihr Apartment in der Bronx. Hautnah erlebt sie mit, wie der neue Präsident die weltoffene New Yorker Jazz-Szene vor den Kopf stößt. Bei den Musikern herrsche der „blanke Horror“, meint sie. „Jeden Tag fragen wir uns: Wie werden wir den wieder los?“ Da sprechen wir lieber wieder über die Kunst. „Ich arbeite gern mit jungen Leuten. Das Zusammenspiel der Generationen ist inspirierend“, sagt die Sängerin, die in drei Jahren in Rente geht. Ihr Klavierpartner Dan Tepfer ist gerade mal Mitte Dreißig. Und auch die Musiker des Trios um den Drummer Max Punstein, mit denen Judy Niemack in Babelsberg auftritt, könnten ihre Kinder sein.

Konzert im Kulturhaus Babelsberg, Donnerstag, 18. Mai, 20 Uhr.

Konzert bei Jazztime

Vor drei Jahren gründete der Jazz-Schlagzeuger Max Punstein die Konzertreihe „JazzTime in Babelsberg“.

Jeden dritten Donnerstag im Monat lädt die Max Punstein Group einen international bekannten Gastmusiker ein. Veranstaltungsort ist das Kulturhaus Babelsberg.

Lokale Musiker können sich für die Gästeliste anmelden, ihre Instrumente mitbringen und an der abschließenden Jam Session teilnehmen.

CD: Judy Niemack/Dan Tepfer „Listening to You“ (Sunnyside Records).

Kulturhaus Babelsberg (Eintritt: 8,- / 6,- EUR). Karl-Liebknecht-Straße 135, 14482 Potsdam. Donnerstag, 18.Mai, um 20 Uhr.

Von Antje Rößler

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