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Kultur Konfrontation mit dem Verfall
Nachrichten Kultur Konfrontation mit dem Verfall
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00:35 22.08.2015
Das verlassene Stadtbad in Brandenburg/Havel. Quelle: Vivian Heitsch
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Potsdam

Verlassen und schutzlos dem Verfall ausgeliefert – so geht es einigen ehemals belebten Orten Brandenburgs, die mittlerweile zu Ruinen geworden sind. Nur in einzelnen Fällen finden sich Menschen, die sich für eine Nachnutzung stark machen und die verlassenen Orte nicht sich selbst überlassen wollen. Einige dieser Orte und Menschen hat Vivian Heitsch in den vergangenen Monaten besucht. Die 19-Jährige Berlinerin beendet im August ihr Freiwilliges Kulturelles Jahr, das sie bei der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte / Kulturland Brandenburg in Potsdam absolviert hat. Als Abschlussprojekt hat sie den Blog „Metamorphosen des Verlassenen“ erstellt, der seit dem 17. August online ist.

Als Metamorphose wird die Verwandlung einer Sache bezeichnet. Und eine Verwandlung machen auch die von Vivian Heitsch besuchten Orte durch. Entweder hin zu einer neuen Nutzung in der Zukunft, oder aber hin zum endgültigen Verfall. Heitsch war für ihren Blog unter anderem in Beelitz-Heilstätten (Potsdam-Mittelmark), im alten Stadtbad in Brandenburg/Havel, beim Bahnhof Potsdam-Pirschheide und bei den Hangars auf dem Flugplatz „Altes Lager“ in Jüterborg (Teltow-Fläming). Der morbide Charme der Ruinen habe sie gereizt, sagt die 19-Jährige.

Vivian Heitsch weiß genau, was sie mit ihrem Blog erreichen will: Er soll auf die verlassenen Orte aufmerksam machen und darüber aufklären, was für Schwierigkeiten sie teilweise mit sich bringen – auch für die Städte und Kommunen zu denen sie gehören. „Vandalismus ist an diesen Orten ein sehr großes Problem“, sagt Heitsch. „Es geht dabei nicht nur um zunehmende Zerstörung, im Stadtbad in Brandenburg wurden beispielsweise schon Messinghähne und sogar Feuerlöscher gestohlen.“

Die Bloggerin Vivian Heitsch. Quelle: Josephine Mühln

Was die künftige Nutzung betrifft, so stehe vielen Orten der Denkmalschutz oder auch deren Standort im Weg. „Für das Stadtbad in Brandenburg an der Havel gab es schon viele Ideen, aber nichts hat funktioniert“, sagt Heitsch. Und Katrin Witt vom Denkmalschutz bestätigt: „Es sollte schon mal ein Brauhaus dort entstehen mit riesigen Braukesseln in den alten Schwimmbecken, auch ein Indoorspielplatz war im Gespräch.“ Aufgrund der großen Fläche sei es aber einfach schwer, eine nachhaltige Nutzung, die sich auch wirtschaftlich rechnet, auf den Plan zu bringen. „Aktuell gibt es keine Pläne mehr, die Stadt ist aber offen für nahezu alle Ideen“, sagt Witt. Klar ist: Das Denkmal soll erhalten bleiben, es abzureißen sei bei der Stadt nie ein Thema gewesen.

Die Pläne für die Zukunft von Beelitz-Heilstätten sind hingegen schon konkret: Hier entsteht aktuell nicht nur ein Baumkronenpfad (MAZ berichtete), sondern es werden auch Eigentumswohnungen für Kunstschaffende gebaut, die einen Rückzugsort suchen, um sich kreativ auszuleben. Ab Sommer 2016 sollen sie bezugsfertig sein.

Und auch beim Bahnhof Potsdam-Pirschheide tut sich wieder was. Er war bis 1993 Hauptbahnhof der Landeshauptstadt und diente zur Umfahrung Westberlins. Heitsch sagt: „Die Gleise dort sind fast vollständig nicht mehr in Benutzung, lediglich die Regionalbahn von Potsdam nach Michendorf hält noch dort.“ Bahnsprecher Gisbert Gahler zur Zukunft des Bahnhofs: „Das Land Brandenburg will den Halt wieder reaktivieren. Die Pläne dafür befinden sich derzeit in der Abstimmung.“

Die Besuche der verlassenen Orte seien für sie oft beeindruckend, erschütternd und immer auch lehrreich gewesen, resümiert Heitsch. „Beeindruckend, weil jeder Ort wie eine Zeitkapsel ist, die dich in die Geschichte befördert und dir zeigt, wie die Menschen damals gelebt haben.“ Erschütternd und lehrreich zugleich sei gewesen, dass es für manche Orte keine Hoffnung auf eine Nachnutzung mehr gebe, für andere wiederum schon. So sei der Abriss des ehemaligen Terrassenrestaurants „Minsk“ in Potsdam beschlossene Sache, ein Hangar auf dem Jüterborger Flugplatz „Altes Lager“ hingegen werde aktuell von jungen Erwachsenen nach und nach hergerichtet und hauptsächlich für private Zwecke genutzt, sagt Heitsch.


Info: Der Blog „Metamorphosen des Verlassenen“ ist zu finden unter: www.metamorphosen-des-verlassenen.tumblr.com. Er wird seit dem 17. August regelmäßig mit Texten und Bildern befüllt. Außerdem würde Vivan Heitsch sich wünschen, dass auch die Besucher des Blogs ihre persönlichen verfallenen Orte vorstellen. Ein entsprechendes Formular, mit dem auch Bilder eingereicht werden können, befindet sich bereits auf der Seite.

Zur Galerie
Fast vergessen und doch auf ihre ganz eigene Weise mystisch: In Brandenburg gibt es zahlreiche verlassene Orte. Die 19-jährige Vivian Heitsch hat einige dieser Orte im Rahmen ihres Freiwilligen Kulturellen Jahres besucht und ihnen einen Blog gewidmet. Sie will auf das Schicksal der verlassenen Orte aufmerksam machen und hat außerdem herausgefunden, wo es Pläne für eine neue Nutzung gibt und welche Orte gänzlich dem Verfall überlassen werden.

Von Josephine Mühln

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