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Michael David Pate über den Film „Heilstätten“

Kino in Brandenburg Michael David Pate über den Film „Heilstätten“

Grusel in Brandenburg. Der Horrorfilm „Heilstätten“ wurde in Grabowsee bei Oranienburg gedreht. Der Regisseur Michael David Pate erzählt im MAZ-Gespräch von den Dreharbeiten, die sehr weh taten, und wie die Geschichte entstand.

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Betty (Nilam Farooq) in der Falle – in dem Film „Heilstätten"

Quelle: fox

Potsdam. In den Heilstätten in der Nähe von Berlin sollen früher schreckliche Experimente an Menschen gemacht worden sein. Angeblich soll es deswegen in dem Gemäuer spuken. Eine Gruppe junger Youtuber geht in dem Film „Heilstätten“ den Gerüchten nach.

Regisseur Michael David Pate

Regisseur Michael David Pate.

Quelle: Fox

Herr Pate, wie ist der Film „Heilstätten“ entstanden?

Michael David Pate: Der Produzent Till Schmerbeck kam auf mich zu mit seiner Vision, einen deutschen Horrorfilm zu drehen in den Beelitzer Heilstätten. Das Drehbuch stammte von Ecki Ziedrich, war jedoch schon etwas älter und ich fand es zu dokumentarisch. Wir wollten mehr Zeitgeist in dem Film haben.

Was heißt das?

Die Protagonisten sind ignorante, naive Youtuber, die nicht ernsthaft das Ziel haben, einem Mysterium auf den Grund zu gehen, sondern die vor allem Klicks generieren wollen. Das ist ja ein großes Thema: Junge Menschen möchten berühmt werden, indem sie Bilder posten. Das war der Antrieb, das Drehbuch umzuschreiben und auf eine junge Zielgruppe zu münzen.

Der Titel „Heilstätten“ weist auf keinen bestimmten Ort hin. Aber Sie erwähnen immer wieder Vorfälle, die in Beelitz stattgefunden haben.

Ja, das stimmt. Wir machen Andeutungen im Film auf Vorfälle, die in Beelitz stattgefunden haben. Ich denke, es ist ein schöner Nebeneffekt, wenn die Leute nach den historischen Vorfällen googeln und sehen: Das ist ja tatsächlich passiert. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs soll dort ohne Betäubung operiert worden sein. Welche Experimente haben die Nazis dort noch gemacht? 2008 hat ein Fotograf sein Modell bei Sadomaso-Spielen getötet. Ein Serienmörder war in Beelitz unterwegs, der am Tatort immer rosa Damenunterwäsche und einen übergroßen Schuhabdruck hinterließ, was ihm den Namen „Rosa Riese“ einbrachte.

Gedreht haben Sie aber nicht in Beelitz.

Nein, wir haben keine Drehgenehmigung bekommen. Aus künstlerischer Sicht war es mir egal, welche Heilstätte wir zeigen. Beelitz fand ich bei der Besichtigung auch nicht so optimal für die Geschichte, die wir erzählen wollten. Die Heilstätten in Beelitz sind kein in sich geschlossenes Gelände, da ist ein Bahnhof, es gibt Gastronomie und sogar eine Hauptstraße.

Zur Person

Michael David Pate (37) ist Autodidakt.

Sein Kinodebüt gab er 2013 mit „Gefällt mir“. Beim Film „Kartoffelsalat“ schrieb er zusammen mit dem YouTuber Freshtorge das Drehbuch, führte Regie, produzierte und brachte die Komödie im Eigenverleih in die Kinos.

Der Horrorfilm „Heilstätten“ kommt am 22. Februar, an Pates Geburtstag, in die Kinos.

Pate lebt mit Frau und seinen vier Kindern in Heide/Holstein.

Wo haben Sie gedreht?

In Grabowsee, bei Oranienburg. Grabowsee liegt mitten im Wald, ist eingezäunt und ein überschaubares Areal. Es ist sehr abgeschieden, dort spürt man wirklich diese Ausweglosigkeit und das finde ich für das Genre wichtig.

Und eine Drehgenehmigung zu bekommen war kein Problem?

Nein! In Grabowsee hatten wir im Grunde Narrenfreiheit, es gab keine Probleme, alles lief sehr freundlich ab. Einige Bereiche durften wir wegen Einsturzgefahr nicht betreten. Und natürlich sollten wir darauf achten, keine bleibenden Spuren zu hinterlassen – keine leichte Aufgabe, wenn man einen Horrorfilm dreht. Die Dreharbeiten waren eine Herausforderung wegen der Kälte, wir haben im Februar und März gedreht, teilweise bei Minusgraden und die Räume waren nicht beheizt. Die Dreharbeiten taten weh, aber am Ende war die Kälte für das Ergebnis förderlich!

Der Film ist ziemlich gruselig. Wie stellt man das her?

Das Publikum ist abgebrüht heutzutage, es kennt schon alles. Früher konnte man im Off und in der Vorstellungskraft Horror erzeugen, heute funktioniert das nicht mehr so einfach. Ich habe viel mit der Dunkelheit gespielt, sie bedeutet Ungewissheit und erzeugt Angst. Taschenlampen und Kerzen waren die einzigen Lichtquellen, nichts ist ausgeleuchtet. Das war für mich auch eine Herausforderung, weil ich zulassen musste, dass man auf einem Bild möglicherweise fast nichts erkennt. Außerdem haben wir mit subjektiven Kameras gearbeitet, die den Zuschauer reinziehen.

Wie schwer war die Finanzierung?

Ich glaube, der Produzent musste eine Weile mit dem Stoff hausieren gehen. Horror ist nicht gerade ein beliebtes Genre hierzulande Aber schließlich war die 20th Century Fox an Bord und dann haben auch die Förderinstitutionen mitgemacht: Das Medienboard, die Filmförderanstalt und der Deutsche Filmförderfonds haben uns unterstützt. Was mich sehr gefreut hat.

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In dem Film kritisieren Sie, dass die jungen Leute zu allem bereit sind, nur um Klicks auf den Social-Media-Plattformen zu generieren.

Ja, die Kritik schwingt mit, aber ich wollte auf keinen Fall einen Lehrfilm drehen und den pädagogischen Zeigefinger herausholen. Es geht schließlich um Unterhaltung. Social Media hat Vorzüge, es gibt Youtuber, die ihre Reichweite sinnvoll nutzen und Aufklärung betreiben. Dennoch bin ich der Meinung, dass der Umgang mit Social Media als Schulfach eingeführt werden sollte.

Von Claudia Palma

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