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Michael Hatzius und die Echse in Neuruppin

Kabelfresser-Karnickel, Zecke am Tropf und Trauma-Huhn Michael Hatzius und die Echse in Neuruppin

Die Echse ist uralt und hat schon viel gesehen. Mit Zigarre und großen Gesten erklärt sie dem Publikum ihre Sicht der Dinge: über Österreicher und Schwaben, den Untergang der Dinosaurier und der Gummi-Enten-Zivilisation und warum sie nicht Papst werden will. Die Gäste im Neuruppiner Stadtgarten amüsieren sich prächtig

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Die Echse ist ein Star. Glaubt sie zumindest. Es ist in der Tat kurzweilig, ihren weisen und naseweisen Lebenserfahrungen zuzuhören.

Quelle: Buddeke

Neuruppin. Es schmatzt, knurpst, raspelt. Nein, das ist noch nicht die Echse. Dann wird die Bühne schwarz. Ein weißes Riesenkaninchen springt hervor, zwei Kabelenden in der Hand: „Hä? Wassn jetzt passiert? Was für ne Scheiße! Alles durchgebissen. Ich hau ab. Keiner hats gesehen. Das war bestimmt ein Biber“, weist das verlogene Vieh alle Schuld ab. „Ist ein Elektriker hier?“ Schnell die Kabel an den Mann in der dritten Reihe übergeben. Gerade rechtzeitig, denn schon naht die Security – in Form einer schwarzbejackten Supermöhre, die mehr Schwanz als Beine hat. „Der mit dem Kabel in der Hand wars“, kreischt das Karnickel. Gegiggel im Zuschauerraum: 300 Gäste sind gekommen, um dem neuen Programm von Michael Hatzius zu lauschen, der sich bereits im Vorjahr als großer Tierfreund und witziger Showmaster erwiesen hat. Mit seinem neuen Programm „Echstasy“ stellt er seinen Zoo im Stadtgarten vor.

Die Zecke ist oberfies

Die Zecke ist oberfies: Der Traumprinz kann noch so schön in Althochdeutsch daherreden – sie saugt ihn aus, nach Strich und Faden.

Quelle: Buddeke

Film ab: Ein roter Teppich wird ausgerollt, knatternd naht ein Helikopter, dem zu hymnischer Musik der Star des Abends entsteigt. „Hallo. Ich bin die Echse. Ihr kennt mich. Ich bin ein Star“, verkündet das Urvieh salbungsvoll und mit feierlich-tiefer Stimme, einem Mittelding aus gelassen-coolem Westernhelden und einem mit allen Wassern gewaschenen Altpolitiker. Kein Wunder, die Echse ist Millionen Jahre alt, hat den Untergang der Saurier durch Meteoritenschauer miterlebt – und dabei seine Freunde Ralf und Kerstin verloren. Die Echse macht keinen Hehl aus ihren Erfahrungen – mal resigniert, mal überlegen, mal giftig, mal sanft und weise posaunt sie ihre Weltsicht wie ein Oberlehrer in die Reihen. Und bezieht das Publikum ganz gerne ein in sein stetes Geplauder über Gott und die Welt. Und über die Österreicher – da geht der Echse der Kamm hoch. „Diese Sprache“, ereifert sie sich. „Geh i mitm Beppi in Biba eini? Naaa“, höhnt sie. Da sei ihr der Schwabe lieber – da sei nur eine Behinderung im Konsonantenzentrum schuld an Sätzen wie: Du, i hab Luscht. „Geht da bei irgendeiner Frau was ab?“, fragt sie in den Raum. „Nass isse dann zwar – aber im Gesicht“, lästert sie weiter.

Armes Schwein

Armes Schwein: das Huhn hat seine Geschwister überlebt und ein handfestes Trauma.

Quelle: Buddeke

Michael Hatzius, der Mann hinter der Echse, schafft es wunderbar, seinen Kreaturen einen Charakter zu geben: dem Kaninchen, der fiesen Zecke, die ihren Blutwirt, den sprachverliebten Märchenprinzen immer wieder nasführt, um ihn mit Erregerviren zu bespeien. Oder das Huhn, das mit tonlos-lethargischer Stimme erzählt, wie es in kindlicher Unwissenheit und gegen den Rat der Mama dem Landwirt bei der „zweistündigen Bodenhaltung“ erzählte, dass seine 1000 Geschwister männlich seien. „In der Nacht waren alle weg.“ In die lange Stille hinein sagt es: „Sie wurden alle geschreddert.“ Schockstarre im Saal. Das ist politisches Kabarett auf Höchstniveau.

„Viel zu tun“ – der Tod

„Viel zu tun“ – der Tod.

Quelle: Buddeke

Ebenso wie Hatzius’ kurzer Exkurs der Menschheitsgeschichte unter dem Tarnmantel einer Gummi-Enten-Zivilisation. „Bumm-Bumm, Flücht-flücht, gluck-gluck. Tod: Viel zu tun!“ Braucht es mehr Worte? Der Kontrast, den die quietschbunten Punk- und Polizisten-Enten, die Ami-Ente und die Superman-Ente, die vergewaltigte Nonnenente und die Hipster-Ente dazu bieten, schlägt die Brücke zwischen Unterhaltung und bitterem Ernst. Und die Echse? „Warum soll ich Papst werden? Dann wär ich ja nur mein eigener Stellvertreter.“

Von Regine Buddeke

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