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Nachrichten Kultur Milan Peschel zeigt „Sein oder Nichtsein“
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00:18 03.11.2017
Carole Lombard in Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein. Quelle: Archiv
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Potsdam

Als der Film ins Kino kam, ging es nicht ums kritische Sezieren seiner Qualität, sondern um Trauer. Carole Lombard spielte die Hauptrolle in „Sein oder Nichtsein“, den Ernst Lubitsch 1941 drehte. Bevor das Stück ein Jahr darauf in den Lichtspieltheatern zu sehen war, starb sie bei einem Flugzeugabsturz. Sie wurde 33 Jahre alt. Ihr Filmsatz „What can happen on a plane?“ (Was kann schon in einem Flugzeug passieren?), den sie als Widerstandskämpferin Maria in dem Film sprach, wurde nachträglich herausgeschnitten.

Erst Tischler, dann Schauspieler

Milan Peschel wurde 1968 in Ost-Berlin geboren. Er absolvierte eine Theatertischlerlehre an der Deutschen Staatsoper Berlin und arbeitete als Bühnentechniker an der Volksbühne Berlin. Peschel besuchte die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ und spielte vor allem an der Volksbühne unter den Regisseuren Frank Castorf und Dimiter Gotscheff.

„Sein oder Nichtsein“ ist eine amerikanische Komödie über den Widerstand gegen Hitler und die Nazis, Ernst Lubitsch führte Regie, der Film kam 1942 in die Kinos.

Cinéma Privé ist eine Reihe des Potsdamer Filmmuseums, Prominente präsentieren einen Lieblings-Film, vorab diskutieren sie darüber. 2. November, 19 Uhr, Milan Peschel hat „Sein oder Nichtsein“ ausgewählt. Karten unter 0331/2718112.

Der Schauspieler und Regisseur Milan Peschel (49) hat sich für diese Hitler-Satire als Wunschfilm in der Reihe „Cinéma Privé“ entschieden, wo Prominente im Potsdamer Filmmuseum ein Werk präsentieren, über das sie vorher diskutieren. „Ich habe ihn sicher sechs Mal gesehen“, sagt Peschel, „zum ersten Mal als Kind – es hat mich begeistert, wie die polnische Schauspielgruppe, die im Film dargestellt wird, Hitler ausgetrickst hat.“

„Cinema privé“ wird präsentiert von radioeins und MAZ. Quelle: rbb

Eine heikle Geschichte

Natürlich sei der Film heikel, sagt Peschel, weil er in den USA auf dem Höhepunkt von Hitlers Macht gedreht wurde. Ist es erlaubt, mitten im Krieg eine Komödie über den Diktator zu drehen? „Gerade dieses Heikle ist wichtig für die Geschichte, man muss sich äußern zu Hitler“, sagt Peschel, der die Filmstory vor sechs Jahren nach dem Bühnenstück von Nick Whitby inszenierte. Einmal am Gorki-Theater in Berlin, dann in Krakau. Es endete ratlos, ohne das Happy-End, wie es in Lubitschs Film zu sehen ist, wo die polnischen Widerstandskämpfer Hitler imitieren und die Nazis an der Nase herumführen. „Nur noch Quentin Tarantino hat es hinterher mit ‚Inglourious Basterds“ geschafft, Hitler im Kino so aufs Korn zu nehmen“, urteilt Peschel.

Milan Peschel. Quelle: dpa

Für die Hauptrolle des tumorkranken Vaters in „Halt auf freier Strecke“, dem Stück des Potsdamer Regisseur Andreas Dresen, erhielt Peschel 2012 den Deutschen Filmpreis. Es wird kein Zufall sein, dass er einen Film von Ernst Lubitsch wählte, denn auch Lubitsch begann als Schauspieler, der später zur Regie wechselte. Ähnlich ging es Milan Peschel, der mittlerweile auch Regie führt, doch das Spielen darüber nicht vergisst. Er inszeniert an Theatern in Berlin, Kopenhagen, Heidelberg, Hannover und Zürich.

Theater ist radikaler

Als Schauspieler arbeitet Peschel für Film und Theater, „ich tanze auf zwei Hochzeiten“, er spüre dort verschiedene Temperamente. „Das Theater ist radikaler, es muss keinen Gewinn abwerfen, es soll sich einmischen und Kommentare zur Zeit liefern“, glaubt Peschel, „es geht um unmittelbare Einmischung.“

Filme dagegen, sagt er, zählen zur Gattung, die aufs Geldverdienen zielt. Hier regiere die Privatwirtschaft, die ohne große Subvention auskommt. Deshalb sei Kino oft gefälliger, es ziehe viel mehr Leute in die Säle, als das im Theater gelingen kann. Doch die Gefälligkeit des Kinos sei nicht unausweichlich, nicht zwingend führe sie zu flacher Massenware. „Gerade die alten Filme erzählen einfache, schöne Geschichten“, findet Peschel. Wobei sich die Geschichte bei Lubitsch bald vom linearen Plot verabschiedet, denn es erfordert Winkelzüge und Verwechslungen, um die Nazis auszuschalten.

Für die Volksbühne sieht Peschel schwarz

Milan Peschel kann mit Bewunderung und Achtung von den Stärken des Kinos sprechen, doch auf Temperatur kommt er vor allem, wenn es ums Theater geht. Er hat viel an der Berliner Volksbühne gespielt, wo Intendant Frank Castorf im Sommer nach 25 Jahren aufhören musste. Peschel sagt, die Volksbühne sei „abgewickelt“ worden. Was ist aus dem Theater unter dem Nachfolger Chris Dercon geworden? „Es wirkt, als sei das nur noch eine Internetplattform“, mokiert er sich. „Das Haus steht seit zwei Monaten leer, das neue Team hat nichts hingestellt bekommen, trotz des vielen Geldes.“ Er empfindet das als Schlag ins Gesicht. „Ein Ort der Anarchie wurde vernichtet, gerade in einer Zeit, in der Gegenrede nötig ist.“

Milan Peschel ist nicht nur ein kantiger, erkennbar profilierter Schauspieler und Regisseur, sondern auch ein feuriger Redner, der in den Widerstand geht, wenn es nötig ist. Diese Haltung ist verwandt mit jenem Geist, der in „Sein oder Nichtsein“ von Lubitsch herrscht. Peschel ist der ideale Pate für diesen Film.

Von Lars Grote

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