Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Sprühregen

Navigation:
Miniaturgrafiken aus aller Welt in Wittstock

Zeitgenössische Kunst Miniaturgrafiken aus aller Welt in Wittstock

Kleine Kunst ganz groß. Das Wittstocker Museum zeigt derzeit Miniaturgrafiken von 191 Künstlern aus der ganzen Welt. Von modern und postmodern bis traditionell. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ein Besuch lohnt sich unbedingt.

Voriger Artikel
Femme Schmidt mit neuem Album auf Tour
Nächster Artikel
Madonnas Sorgerechtsstreit beschäftigt auch Londoner Gericht

Archaische Formen auf feuerrotem Grund: Rosa Taverez aus der Dominikanischen Republik.

Quelle: Richter

Wittstock. Noureddine Fathy verarbeitet Traditionen und Kulturen. Er interessiert sich für die Spuren des Vergangenen und die Momente, in denen Gegensätze aufeinanderprallen. Der 53-jährige Künstler aus Marokko ist ein Wanderer zwischen den Welten. Der Siebdruck, den er derzeit in der Alten Bischofsburg in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) ausstellt, zeigt das Antlitz von Leonardos vitruvianischen Menschen in bläulich-orientalisch schimmernden Tönen. Arabische Schrift kommentiert das ideale Body-Maß der Renaissance, während chinesische Zeichen und Ornamente des Mittelmeerraumes ein verfinstertes Gesicht umstellen.

536729dc-e47d-11e5-b8e6-d5efd7d760a0

Nicht viel größer als Din-A-4 dürfen die Grafiken sein, um bei der Triennale der Kleinformate ausgestellt zu werden. Alle drei Jahre sucht eine Jury in der französischen Kleinstadt Chamalières die interessantesten Arbeiten aus aller Welt aus und schickt sie in einer Sammelausstellung auf die Reise. Derzeit sind die 191 Arbeiten aus 49 Ländern der neunten Triennale in Wittstock (Dosse) im Museum Alte Bischofsburg zu sehen. Hier eine kleine Auswahl einer große Schau.

Zur Bildergalerie

Die IX. Triennale in Wittstock

Willkommen in der arabische Postmoderne? Oder blicken wir hier melancholisch aus der Perspektive eines Landes am Rande der Globalisierung auf den Rest der Welt? „Verbrannte Zeiten“ hat Fathy das kleine, nur 25 mal 25 Zentimeter große Werk genannt. Es ist eine von 191 Miniaturen zeitgenössischer Kunst, die noch bis 22. Mai auf der IX. Triennale im Wittstocker Museum zu sehen sind: 191 Werke von 191 Künstlern aus 49 Ländern. Grafiken, Radierungen, Holz- und Linolschnitt, Lithografien – keine viel Größer als im A-4-Format. Kleine Schätze aus der großen weiten Welt, versammelt in der Dossestadt.

IX. Triennale der Kleingrafik

Die Triennale der Kleingrafik findet in der französischen Kleinstadt Chamilières seit 1988 statt. Das Museum Alte Bischofsburg in Wittstock hat gleich nach dem Fall der Mauer Kontakt nach Frankreich aufgenommen und übernimmt seitdem regelmäßig die Ausstellung alle drei Jahre.

Wolfgang Dorst , der damalige Museumschef, sorgte dafür, dass die Triennale 1991 an der Dosse stattfand.

Die Grafiken , die auf der Triennale ausgestellt werden, sind verkäuflich. Die Preise liegen zwischen 30 und 500 Euro.

IX. Triennale der Kleingrafik aus Chamalières. Museum Alte Bischofsburg, Amtshof 1-5, Wittstock (Dosse). Geöffnet: Di-Do 9 bis 16 Uhr, Fr 9-14 Uhr, Sa 13-16 Uhr, So 11-16,30 Uhr. Eintritt: 2,50 Euro. Die Ausstellung geht bis zum 22. Mai.

Von Chamalières aus geht die Schau auf die Reise

„Die Ausstellung ist das Werk von fünf bis acht Weltbürgern, die ihre Kontakte zu Künstlern weltweit genutzt haben“, sagt Museumschefin Antje Zeiger. Wittstock ist bereits zu achten Mal Partner der Triennale, deren Zentrum in Zentralfrankreich liegt. Dort, in Chamalières, einer 17 000-Einwohner-Stadt in der Auvergne wird die Schau seit 1988 alle drei Jahre zusammengestellt. Was jetzt in Wittstock zu sehen ist, hatte im vergangenen Oktober in Chamalères Premiere. Eine 13-köpfige Jury wählte aus, was ihre Botschafter auf fünf Kontinenten entdeckt haben.

Eine dieser Weltbürger ist die aus Schwaben stammende Kunsthistorikerin Lia Grambihler. Viele Jahre leitete sie in Paris eine Galerie und hat Kontakte zu Künstlern in Übersee – auch zu solchen, die von den Regimen im eigene Land wenig geschätzt oder gar verfolgt wurden. Um deren Kunst ausstellen zu können, boten sich aus ganz pragmatischen Gründen die kleinen Werke an. „Für die Reduzierung auf das kleine Format sprach die Tatsache, dass vieles, was größer war und in Rollen verschickt wurde, auf dem Postweg verschwand“, erzählte sie einmal. In unauffälligen Umschlägen schafften es die Werke leichte außer Landes.

Die arabische Welt ist diesmal kaum vertreten

Insofern ist auch die neunte Triennale in Wittstock ein Spiegel der politischen Verhältnisse in der Welt. Die Anzahl der ausgestellten Kunstwerke ist in diesem Jahr deutlich zurückgegangen. Bei der Vorgängerschau 2012 belegten die 180 Quadratmeter Ausstellungsfläche noch 532 Künstler – also weit mehr als doppelt so viele wie heute. Und sie kamen aus 86 Ländern. Auffällig ist, dass der arabische Raum fast komplett fehlt. Marokko ist das einzige Land aus diesem Kulturkreis, das durch Noureddine Fathy und zwei weitere Künstler vertreten wird.

Starke Präsens zeigt dagegen Indien mit gleich zwölf Arbeiten. Ein Land im Aufbruch, seine Künstler stilistisch so vielfältig wie seine Kulturen. Traditionelle Motive werden mit Anspielungen an die klassische Moderne kombiniert, wie etwa bei Uttam Kumar Basaks grellgelbem Druck einer Frauengestalt. Nanda Moy Benerji hingegen arbeiten mit abstrakten Motiven und bedient sich einer digitale Symbolik.

Von Afrique du Sud bis Uruguay

Die Wittstocker Ausstellung bietet ein Feuerwerk an Farben, Stilrichtungen und kulturellen Noten. Mal feingliedrige schwarz-weiß und fast schon altertümlich, wie bei dem Kupferstich des ukrainischen Grafikers Oleg Denysenko, dann wieder grell, wie bei Rosa Tavarez aus der Dominikanischen Republik, die archaische Versatzstücke auf feuerrotem Grund zu einem Menschenkörper zusammensetzt.

Damit bei einer solchen Vielfalt der Stimmen und Einflüsse nicht die Orientierung verloren geht muss freilich Ordnung her. Die Wittstocker Schau präsentiert zuerst die Künstler des Heimatlandes der Ausstellung, die 52 Vertreter Frankreichs in alphabetischer und damit neutraler Reihenfolge. Danach, ebenfalls alphabetisch die Länder: Von A wie Afrique du Süd (Südafrika) und Allemagne (Deutschland) – vertreten durch drei Werke – bis U wie Ukraine und Uruguay. Das lässt dem Betrachter freien Raum für Interpretationen.

Von Mathias Richter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?