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Kultur Miss O’Paque mag es sensibel
Nachrichten Kultur Miss O’Paque mag es sensibel
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15:19 28.09.2015
Weniger ist mehr, lautet die Devise von Franziska Henke beim Duo Miss O’Paque. Deshalb Schwarzweiß statt Farbe und leise statt laut.   Quelle: Anna S.
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Potsdam,

 Für Franziska Henke überschlagen sich in diesen Tagen die Ereignisse. Die 27-jährige Musikerin bestellt seit Jahren mehre musikalische Äcker. Und plötzlich werden einige Früchte auf einmal reif. Eigentlich ist es ihr Traum, Filmkomponistin werden. Sie absolviert deshalb seit zwei Jahren einen Masterstudiengang an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg. Eine siebenminütige Filmmusik von ihr wurde gerade für den European Talent Competition nominiert, einen der wichtigsten Nachwuchspreise dieser Branche. Und nun erscheint auch noch ihr Debütalbum „The Small Things“, an dem die Potsdamerin über viele Jahre mit der Berliner Sängerin Anna Bolz gearbeitet hat. Als Singer-Songwriter-Duo gaben sie sich den Namen „Miss O’Paque“.

Die elf englischsprachigen Titel, die in ihrer Zartheit an die Lieder von Kate Bush oder Suzan Vega erinnern, produzierten die beiden im abgeschiedenen Waldhausstudio Birkholz. Sie bringen die Sehnsucht der jungen Generation von heute nach einer berückenden, tiefgründigen Gegenwelt zum Ausdruck. Beide Musikerinnen verehren das norwegische Männer-Tandem „Kings Of Convenience“, von denen der Schlachtruf stammt „Leise ist das neue Laut“.

Die Potsdamerin Henke ist Profi an der Gitarre

Wer Franziska Henke bei Youtube eingibt, stößt auf eine Aufnahme, bei der sie als Hippiemädchen im Scheinwerferlicht auf einer großen dunklen Bühne sitzt und auf einer akustischen Gitarre mit weicher Hingabe ein Stück von Carlo Domeniconi vorträgt. Dass dieses Video fast 50 000 Mal geklickt wurde, erklärt die Potsdamerin mit dem großen Namen des fast 70-jährigen italienischen Komponisten, der in Deutschland lebt und sie als Gitarristin sehr schätzt. Denn das ist Franziska Henke von Hause aus. 2004 und 2006 war sie mit diesem Instrument Bundespreisträgerin beim Bundespreis „Jugend musiziert“. 2012 holte sie gar den European Guitar Award. Zwei Jahre lebt sie nun schon in Potsdams Innenstadt und fühlt sich wohl. Sie gibt auch Gitarrenunterricht an der Freien Musikschule der Stadt, deren Jazz-Bigband sie obendrein leitet.

Das Debütalbum von „Miss O’Paque“ schmückt ein blaues florales Wolkengebilde auf den Cover. „You Can Be Free/ Free Of Me“ heißt der vierte Titel. Es ist einer der wenigen Songs, bei dem Franziska die Urheberschaft des Textes nicht ihrer Partnerin überlassen hat. Anna stimmt die Melodie mit ihrer dunklen, tastenden Singstimme meist an und Franziska stimmt dann etwas später mit ein. Der Gesang der beiden Frauen lässt sich beim Hören kaum auseinander dividieren. Sie stimmen in der Zweistimmigkeit tief überein. Das Grundgefühl innerer Einsamkeit entspricht ihrem Erlebnis sowohl von Freiheit wie auch von Geborgenheit. Ihr Flüstern und Anschwellen, ihr Schwelgen und Zögern, das zuweilen von Streichern begleiten wird, ist bis in die Zwischentöne hinein zwillingshaft und kalkuliert.

Verletzliche Aura in den Songs

Die studierte Jazzsängerin und die Gitarristin kennen sich vom Musikstudium in Dresden. Sie klingen, als wenn sie nackt singen würden. Doch die verletzliche Aura ist das Ergebnis einer leidenschaftlichen Suche nach Stil und Professionalität. Franziska Henke pflichtet Anna Bolz als Backgroundsängerin bei, verzweigt die Melodik, zupft die Gitarre und schreibt die Arrangements. „Wir sind Perfektionisten. Jeder Ton ist uns wichtig. Jedes Element ist gleichrangig. Was weggelassen werden kann, wird weggelassen“, erklärt sie das Konzept. Ein Paradoxon kennzeichnet ihren Sound. Sie bringen ganz direkt ihre starken Emotionen in die Lieder ein, agieren aber extrem kontrolliert und verzichten auf Spontanität und Improvisation. Kühl und inbrünstig klingen die Lieder, süß und ätherisch. Ursprünglich wollten sie sich „Salt & Mint“ nennen, entschieden sich aber dann für einen Namen mit dem Wort opak/opaque, was im Englischen/ Französischen als „dunkel, unklar, undurchsichtig“ verstanden wird.

Dass sich Franziska Henke nicht von der Furcht leiten lässt, kitschig zu wirken, zeigt ein deutscher Song, den sie vor drei Jahren auf Youtube hochgeladen hat. Titel: „dass mein herz zu schmelzen beginnt“. Heute singt sie aber nur noch in englischer Sprache. „Die Melodien mit deutschen Texten verleiten zu sehr zu Ganztonabständen. Die englische Sprache hat mehr Fluss, um echte Melodien schreiben zu können“, sagt sie.

Abtauchen in andere Welten

„Ich bin schon als Kind gerne in andere Welten abgetaucht“, verrät sie über sich. Kurz vor der Wende geboren, erlebte sie in jungen Jahren noch das Leid der deutschen Teilung in der eigenen Familie. Ihre Eltern reisten von Sachsen nach Bayern aus, nachdem ihr Vater aus politischen Gründen drei Monate im DDR-Gefängnis gesessen hatte. So wuchs sie zunächst mit ihren drei Geschwistern am Chiemsee auf, doch dann beschlossen ihre Eltern ins sächsische Polenztal zurückzuziehen, um dort einen Ökohof mit Pferdewirtschaft und Rinderzucht aufzuziehen. „In Sebnitz habe ich am Anfang keinen Mitschüler verstanden“, erzählt sie lachend. Durch ihren Vater, den sie als „Freigeist“ bezeichnet, kam sie früh mit lyrisch-ekstatischer Rockmusik in Berührung, hörte Mike Oldfield und die Dire Straits, Pink Floyd und Led Zeppelin. Der kreative Geist der Flower-Power-Zeit wirkt in ihr fort, während ihre Partnerin Anna Bolz eher auf die kühlen Inszenierungen im Stile der Independent-Bewegung der 1980er Jahre setzt. Die beiden ergänzen sich prächtig.

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Von Karim Saab

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