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Kultur Mit Hummus und Falafel
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16:41 01.06.2016
Detlev Buck (r.) in „90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden“. Quelle: camino
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Potsdam

Was für eine Idee! Da Israelis und Palästinenser nach Jahrzehnten des Kampfes müde sind, beschließen die Erzfeinde, ihren Konflikt durch ein Fußballspiel beizulegen. Der Einsatz ist hoch: Wer verliert, muss das gelobte Land verlassen. Den Kontrahenten ist jedes Mittel recht, um den Gegner zu schwächen: Das israelische Militär setzt die palästinensische Mannschaft an Checkpoints in der Westbank fest. Im Gegenzug verbündet sich Palästina mit dem Iran, lässt sich von Saudi-Arabien mit Sportschuhen ausstatten und schleust Spieler über ein geheimes Tunnelsystem ein.

Eyal Halfons Satire „90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden“ ist ein großer Spaß mit leisen Zwischentönen und der bestmögliche Auftakt für das Jüdische Filmfestival am Sonnabend im Potsdamer Hans-Otto-Theater. Neben Politprominenz kommt auch Detlev Buck, der in dem Film den Trainer der israelischen Mannschaft spielt. Buck ist Herr Müller und mimt fabelhaft den kühlen, typisch deutschen Auskenner, den nach einem Besuch einer Holocaust-Gedenkstätte plötzlich Gewissensbisse plagen. Das Schicksal Israels in den Händen eines Deutschen!

Für die 22. Ausgabe des Festivals hat Nicola Galliner erneut ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Dabei gab es erneut Probleme mit der Finanzierung, ein Unding angesichts der steigenden Zahl antisemitischer Übergriffe hierzulande. „Die Kürzung der Mittel nur wenige Monate vor dem Start war für das Festival Existenz bedrohend und  kulturpolitisch ein problematisches Signal. Nach 22 Jahren fragt man sich da schon, ob das Festival vielleicht nicht mehr erwünscht ist,“ so die 65-jährige Britin, die seit mehr als vier Jahrzehnten in Deutschland lebt. Aber Nicola Galliner ist eine Powerfrau, die sich so schnell nicht unterkriegen lässt. Am Ende sprang dann das Außenministerium schnell und unbürokratisch ein.

Und so können Zuschauer in Kinos in Potsdam, Kleinmachnow, Königs Wusterhausen, Berlin sowie im Brandenburger Theater bis zum 19. Juni in jüdische Lebenswelten gleich welcher Couleur eintauchen. Großartig ist beispielsweise die Dokumentation „Hummus! The Movie“, in der sich Oren Rosenfeld auf eine Reise durch die Hummusküchen Israels begibt. Der Brei aus Kichererbsen und Tahini (Sesampaste) ist Grundnahrungsmittel im Nahen Osten, über das richtige Rezept wird jedoch trefflich gestritten. Zu Gast bei der Deutschlandpremiere im Potsdamer Thalia-Kino (5. Juni) – bei der natürlich Hummus kredenzt wird – ist Suheila Al Hindi. „Sie ist eine muslimische Israelin, die in Acre ein Restaurant betreibt und sich bei der TV Kochshow „Israel Hummus Genius“ gegen zehn männliche Kollegen durchgesetzt hat. Eine tolle Frau, die sich jetzt mit 50 Jahren zum ersten Mal ins Flugzeug setzt, um hierher zu kommen“, freut sich die Festivalchefin.

Unbedingt sehenswert ist auch die Doku „A Heartbeat away“ (Potsdamer Filmmuseum, 12. Juni), die Kinderkardiologen bei der Arbeit begleitet. Zu sehen, wie die Mediziner helfen, ohne zu fragen, wo jemand herkommt und welcher Religion er angehört, ist sehr bewegend. Mit „Everything is Copy“ kommt ein gefeierter Dokumentarfilm über die Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron („Schlaflos in Seattle“, „Harry und Sally“) nach Berlin. Jacob Bernstein, Sohn von Ephron (1941-2012) und Regisseur des Films, wird dabei zu Gast sein.

Das legendäre Berliner Hotel Bogotá steht im Mittelpunkt einer Doku von Ilja Richter. Der Entertainer zeichnet dabei die Geschichte des Hauses nach. „Atomic Falafel“ nennt sich eine israelische Kriegssatire über drei Teenies, die das Militär in den Wahnsinn treiben und damit die Welt vor einem Atomkrieg retten.

Angesichts der Vielfalt, die das Festival auch diesmal wieder bietet, kann man nur staunen. Schließlich hat Israel nur 7,7 Millionen Einwohner, allerdings zwölf Filmschulen. „Die Menschen sind eben filmbesessen”, so Nicola Galliner.

Info: Das Programm mit Filmtrailern und Infos zu Gästen unter www.jfbb.de

Von Claudia Palma

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