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Mit Pittiplatsch, Post und Panzer

Ausstellung „Damit spielten Kinder in der DDR“ im Museum Viadrina in Frankfurt (Oder) Mit Pittiplatsch, Post und Panzer

Da leben Kinderzimmerwelten des Ostens wieder auf: Im Museum Viadrina in Frankfurt (Oder) kann man seit Donnerstag die sehenswerte Ausstellung „Damit spielten Kinder in der DDR“ anschauen. Gezeigt werden Exponate wie Kaufladen, Kinderpostschalter, Autos, Metallbaukästen. Aber auch der Panzer T 54, mit dem das Kinderzimmer zum NVA-Übungsplatz wurde.

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Robust und aus Holz: Kuratorin Sonja Michaels vom Museum Viadrina in Frankfurt (Oder) präsentiert diese Spielzeugwaschmaschine aus dem Jahre 1953.

Quelle: dpa

Frankfurt (Oder). Ach, da ist es ja - das geliebte Kinderpost-Spiel, mit dem man Stunden verbringen konnte. Vorn ist ein Briefkasten am Lattenzaun drauf, ein Mädchen auf einem braunen Fahrrad mit Posttasche fährt die Briefe aus. Und wenn man den Pappkarton aufmachte, war da alles, was man brauchte: Poststempel und Stempelkasten, ein paar Sätze 5-Pfennig- bzw. 10-Pfennig-Briefmarken. Man musste sich bloß noch hinter den Holz-Kinderpostschalter hocken und los konnt’s gehen mit dem postalischen Vergnügen. Schecks der Kindersparkasse gab’s auch. Wie in einer der Vitrinen der am Donnerstag im Museum Viadrina in Frankfurt (Oder) eröffneten diesjährigen Sonderausstellung zu Weihnachten „Damit spielten Kinder der DDR“ zu sehen ist.

Handpuppen

Handpuppen: Frau Elster, Herr Fuchs, Schnatterinchen und das Sandmännchen.

Quelle: dpa

Wer dereinst lieber mit Herrn Fuchs und Frau Elster, Schnatterinchen, Pittiplatsch und dem Sandmännchen im Filzlook irgendeine Abengruß-Geschichte vorführen wollte, legte mit den Figuren im Handpuppentheater, auf dem oben ein Kasperle-Konterfei prangte und hinten ein farbenfrohes Waldbild mit zwei Rehen, Eichhörnchen, Fliegenpilzen und einem Häuschen war, fröhlich los.

Und auf den 120 Quadratmetern Fläche mit Exponaten wie Metallbaukästen, Puppen, Teddys, Rollern, Holzdreirad, Kippern für den Sandkasten, Büchern und „Bilderzeitschriften“ findet sich auch der Kaufladen mit den Regalen links und rechts, in dem so manches Mädchen Spee, Gemol, Ata aus leeren Attrappen-Schächtelchen „verkaufte“. Ki-Na Milchbrei, Freitaler Kloßmehl und Wurzener Mekorna Instant hatte man auch im Angebot. Natürlich durfte die Neigungswaage nicht fehlen. Und die Registrierkasse. Einen Satz Spielgeld gab’s auch. Mit den Münzchen und Scheinchen konnte dann der halbe Broiler, die lütte Wurst, der Käse mit Löchern oder Napfkuchen – alles en miniature – bezahlt werden. Der VEB Holz- und Metallwaren Leutenberg steuerte den Mini-Limonadenkasten bei. Und was „verpackt“ werden musste, kam in Tütchen, auf denen stand: „Frische Eier“ oder „Feine Bonbon“. In der sehenswerten Schau werden Kinderzimmerwelten des Ostens wieder lebendig.

Ein Traum für jede Sechs- oder Siebenjährige war zum Beispiel auch der Puppenstaubsauger. Angela Grigutsch aus Frankfurt (Oder), Besucherin der Ausstellung, erzählte: „Ich wollte unbedingt so einen. Zu Weihnachten hab’ ich ihn dann bekommen. Mit Batteriebetrieb. Damit hab’ ich lange rumgesaugt.“

In den 1970ern war die Kindernähmaschine „Elektra“ von Piko heiß begehrt. Geworben wurde für sie mit dem Slogan: „Klein in ihrer Größe – groß in ihrer Leistung“. Puppenmütter konnten mit ihr selber Kleidung nähen. Auch ein Bügeleisen musste her. Und die Kinderspielwaschmaschine „Piko line“.

Fuhrpark mit Spielzeugautos

Fuhrpark mit Spielzeugautos: Mit dabei der rote Trabi, der weiße Barkas „B 1000“ der Schnellen Medizinischen Hilfe und ein grüner „Chevrolet“.

Quelle: dpa

Und die Jungs düsten versonnen mit Autos wie dem roten Plaste-Trabi, dem weißen Barkas „B 1000“ der Schnellen Medizinischen Hilfe daheim über gedachte Straßen auf dem Teppich. Lieferwagen fuhren dort auch – aus dem VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg (Havel). Darunter einer für Obst und Gemüse, mit Radieschen, Tomate, Zwiebeln und Bananen drauf. Als wenn es Letztere ständig gegeben hätte.

Devisenbringer

Die bedeutendsten Herstellungszentren des jahrhundertealten deutschen Spielwarengewerbes waren in Thüringen, Sachsen und im Raum Berlin-Brandenburg. Spielwaren waren für die DDR ein Devisenbringer. Schätzungen gehen davon aus, dass Ende der 1970er Spielzeug im Wert von 20 bis 25 Millionen D-Mark in die Bundesrepublik ausgeführt wurde. Man bildete Spielzeugfacharbeiter aus. 30 000 verschiedene Spielwarenartikel wurden Anfang der 1970er in der DDR hergestellt.

„Damit spielten Kinder in der DDR“ , bis 21. 2. 2016, Museum Viadrina, C.-Ph.-E.-Bach-Str. 11, Frankfurt (O.), Di-So 11 bis 17 Uhr, 0335/40 15 60.

Ein westlicher grüner „Chevrolet“, hergestellt im VEB Preß- und Spritzwerke Suhl, findet sich ebenso in der Schau. Und betankt wurden all die Gefährte an der kleinen Tanksäule aus dem VEB Kombinat Piko, Betrieb Eisfeld. In der Ankündigung für die Leipziger Messe 1972 hieß es dazu: „Beim Spiel mit der mechanischen Tanksäule versetzen sich die Kinder in die Lage der Erwachsenen. Sie gewinnen neue Erkenntnisse und lernen durch die einfachen mechanischen Funktionen, wie man technische Vorgänge beherrscht.“ Nun ja.

Und was ist mit dem grünen T 54 in einer der Vitrinen? Jenem Panzer, der das Kinderzimmer zum militärischen Übungsplatz machte? Samt NVA-Soldaten als Spielfiguren und Gewehr ausgestellt. Auf dem Verpackungskarton steht dazu geschrieben: „Der beste mittelschwere Panzer der Gegenwart im Maßstab 1:25. Mit elektromechanischem Antrieb und Kabelfernsteuerung.“

Sonja Michaels, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Viadrina und Kuratorin der Ausstellung, sagt: „Nach Kriegsende wurde im Osten kein Militärspielzeug produziert. Im Westen schon und zwar in Nürnberg, aber als Exportgut für die USA. Doch als die Nationale Volksarmee 1956 gegründet wurde, fanden sich wieder Soldaten und Panzer im Sortiment der Spielwarenhersteller in Thüringen und Brandenburg.“ Offiziell betitelte man Panzer und Co. übrigens als „pädagogisch wertvoll“. Das Ministerium für Volksbildung verschickte seinerzeit sogar einen Rundbrief. Die Kindergärtnerinnen des Landes sollten durch dieses militärische Spielzeug „zum Frieden erziehen“. In den Kindereinrichtungen schloss man dieses Zeugs allerdings lieber kurzerhand weg. Auch, weil man Diskussionen mit den besorgten Eltern scheute.

Spielzeug war in der DDR eigentlich nicht knapp. Und was es nicht gab, wie die Barby, schickten die Verwandten vielleicht aus dem Westen. „Als da die Schlümpfe aufkamen“, sagt Sonja Michaels, „wurden die im Osten zu Hause einfach nachgenäht.“

Von Angelika Stürmer

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