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Kultur Mit dem lieben Gott im Gespräch
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02:16 27.11.2015
Ahne liest in Kleinmachnow und Potsdam. Quelle: Promo
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Potsdam

Wenn Gott einen Kater hat, schmeißt er keine Tabletten ein. „Ick ernähr mir natürlich“, sagt er seinem Kumpel, der ihn mit dickem Schädel um Hilfe bittet. Außerdem schlägt ihn seine Frau, wenn er besoffen nach Hause kommt. Gott bietet dem verkloppten Trinker an, eine Weile bei ihm unterzukommen.

Ahne führt seine durch Radio Eins bekannten „Zwiegespräche mit Gott“ an diesem Abend in einer Bibliothek in Berlin-Neukölln und liest auch andere Texte. Die spitzrasierten Koteletten zeigen zum Mikro, in das er mit schnell nickendem Kopf spricht, wie ein Specht am Baum. Der Autor ext Worte wie ein kleines Pils mit Schnaps danach – und noch einen, und noch einen. Ahne heißt eigentlich Arne Seidel, ist 47, könnte auch 37 sein, er sieht eher nach Punkkonzert als nach Bausparen aus. Sein T-Shirt zieren zwei Krüge, eine Gitarre und der Schriftzug „Trink- und Singgemeinschaft“. Ahne als Promille-Proll, der Schoten am Fließband drischt? Dafür wirkt er abseits der Bühne zu verlegen und selbstkritisch. Der Ostberliner nennt Tauben „Friedensvieh“ und seine Textsammlung „Wieder kein Roman“. Ahnes Kosmos ist der Kiez, und doch erzählt er mehr als nur Lokales. Er schreibt in Tiefsinn getränkte Straßenköter-Prosa, die Melancholie zulässt und auch mal ohne Pointe auskommt.

Nach der Lesung erzählt er im Gasthaus „Zur Traube“, wie Gott in sein Leben trat: in einer Kaufhalle vor fast 20 Jahren. Die Wirtin serviert kaltes Bier in runden Gläsern, es läuft „Honey Honey“ von Abba und man denkt wieder an Gott als diesen knuffigen Kerl aus der Choriner Straße im Prenzlauer Berg.

„Es ist spannend, sich mit dem zu unterhalten“, sagt der Agnostiker und ehemalige Hausbesetzer Ahne über Gott. Die beiden hätten „eine innige Beziehung“. So was wie Rührung mischt sich ins Berlinerisch des Autoren, der seine Hauptfigur beschreibt, wie einen Verwandten, der einem näher steht als der Rest. Ahne blickt auf Pokale und Teller, einen Hund aus Porzellan, das Bier in der Tulpe. Die Altberliner Eckkneipe ist umzingelt von hippen Neuköllner Schuppen, deren Einrichtung schöne, dünne Menschen, die Englische sprechen, sind. Ahne scheint die Schön-dass-es-so-etwas-noch-gibt-Stimmung in der „Traube“ aufzusaugen. Was Gott wohl von Gentrifizierung hält? Auf die meisten Trends reagiere er gelassen, er war ja immer schon da, er hat Distanz. „Aber er hat auch schon mal überlegt, nach Marzahn zu ziehen“, sagt Ahne.

Dabei sei Gott nicht auf Hartz IV angewiesen, er habe genug Geld, woher auch immer. „Manchmal weiß ich bei ihm nicht, was ich glauben soll“, sagt Ahne. Wenn das so weitergeht, denkt sich der Fragesteller, müsste man mal am Klingelschild der Choriner Straße 61 nachschauen, ob da „Gott“ dran steht – und wird vom Schöpfer des Schöpfers erlöst: Gott sei natürlich eine „Kopfjeburt“, sagt der gelernte Drucker, der später Bezirksverordneter in Berlin-Lichtenberg und schließlich Mitglied der Lesegruppe „Surfpoeten“ wurde.

Ein paar Biere später schaut Ahne sich noch mal um und sagt, was ihn an den Stammgästen alter Eckkneipen gefällt: Wenn man sie veräppelt, merken sie es. „Wenn man sich über viele von den Hipstern lustig macht, merken sie es nicht – oder sie denken, dass man sich für sie interessiert.“

Info Ahne liest am Donnerstag in den Neuen Kammerspielen Kleinmachnow und Freitag im Waschhaus Potsdam um jeweils 20 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse.

Von Maurice Wojach

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