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Mit den Puhdys gegen den Krebs

Die Puhdys und ihre Fans Mit den Puhdys gegen den Krebs

Nach 47 Jahren gehen die Puhdys in Rockerrente! Am Freitag und Sonnabend gibt es die letzten Konzerte in Berlin. In Brandenburg haben die DDR-Kultrocker viele Fans. Wie Ulli und Kerstin Neumann aus Braunsdorf (Oder-Spree). Beide lernten sich bei einem Konzert in Freiberg kennen – und engagieren sich mit Puhdys-Fanartikeln für die Krebshilfe.

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Ulli und Kerstin Neumann: Manchmal gibt es im Garten der Puhdys-Fans kleine Konzerte, wie die improvisierte Bühne im Hintergrund zeigt.

Quelle: Privat

Potsdam. Fast jeder Mensch kennt Songs, die ihn an Stationen des eigenen Lebens erinnern. Bei Ulli Neumann sind es vor allem Lieder von den Puhdys. Beim Konzert im sächsischen Freiberg funkte es mit Kerstin, die er später heiratete. Auch die Hymne vom Baum, der so erstrebenwert alt wird und dessen Wurzeln kein Sturm bezwingt, gewann später eine ganz eigene Bedeutung. Und dann gibt’s da noch den von kurzen, harten Gitarrenriffs angetriebenen Song „Langstreckenlauf“. Der sei ihm zum Motto geworden, sagt der 54-Jährige. „Es geht darum, zu kämpfen und sich zu fordern.“

Ulli und Kerstin Neumann aus Braunsdorf (Oder-Spree) sind zwei von Tausenden Puhdys-Fans in Brandenburg. Sie werden es auch bleiben, wenn nach dem Berliner Abschiedskonzert am Samstag der letzte Akkord verstummt. Die Gruppe löst sich auf, die persönlichen Geschichten bleiben. Die von Ulli Neumann und seiner Frau passt bestens in die Zeit zwischen den Feiertagen. Sie ist eine zum Innehalten, ein paar Tränen verdrücken und doch erkennen, dass das Gute eine Chance hat.

Am 19. November 1997 spielten die Puhdys im Freiberger Tivoli, dort wo sie einst ihren ersten Auftritt gefeiert hatten. Eine Party, na klar, doch Ulli Neumann war nicht nach Feiern zumute. Die Scheidung von seiner damaligen Frau lief und die Laune war entsprechend. Ausgerechnet an diesem Abend, ausgerechnet dort tat sich was bei ihm – und bei der sechs Jahre jüngeren Kerstin. Die Krankenschwester habe ihm ohnehin imponiert, „ihre soziale Ader hat mir gefallen“.

Als die beiden zusammenzogen, waren sie nicht allein, beide schleppten kistenweise Sammlerstücke an. Alben, Zeitungsartikel, Klamotten, Gitarrenplektren – alles von den Puhdys. Der einzige Raum, den sie aber mit den Erinnerungsstücken dekorierten, war die Garage. Alte Tourplakate hängen dort noch heute an den Wänden. Bei all den Konzerten, die sie allein oder zusammen besucht haben, gibt es auch solche, an die sie sofort denken müssen. 1990 trat Frontmann Dieter „Maschine“ Birr ohne seine Band in Fürstenwalde (Oder-Spree) auf. Ulli Neumann war einer von vier Zuschauern, die Puhdys hatten sich aufgelöst, Rockmusik aus der DDR verkaufte sich wie Glühwein im August. Ein Tiefpunkt. Zwei Jahre später gab die Band beim Flughafenfest in Schönefeld ihr Comeback, Tausende kamen. „Ich hatte sie vermisst, da hatte man dann das Gefühl, es wird schon alles gut“, sagt Ulli Neumann.

Die letzten Konzerte

Die Solo-Abschiedskonzerte beginnen am 1. und 2. Januar jeweils 20 Uhr in der Berliner Mercedes-Benz-Arena. Es gibt noch Karten an der Abendkasse. Als Teil der „Rocklegenden“-Tour spielen die Puhdys noch mal mit City und Karat am 28. Mai in der Waldbühne.


Einen besonderen Dank wollen die Fans den Puhdys auf ihren Abschiedskonzerten bereiten und den eigens komponierten Song „Danke und Goodbye“ singen.


Die Neumanns sind im neuen Buch „Die Puhdys kommen“ von Ingo Friedrich erwähnt. Es kostet 19,96 Euro.

Das Buch ist bestellbar unter www.rockerrente.com. Infos zu neuen Spendenaktionen für die Krebshilfe unter www.pfc-dasbuch.de

Vieles wurde gut, nicht alles. Innerhalb weniger Jahre starben zwei Freundinnen von Kerstin Neumann, die auch Ulli gut kannte. Beide gehörten zur Puhdys-Fan-Familie, beide starben an Krebs. Mit ihnen war seine Frau immer im „Mädchen-Auto“ zu den Konzerten gefahren. In dem Song „Langstreckenlauf“ heißt es: „Man jagt die fremden Schatten angetrieben von Gebrüll / Und stößt sich selber weiter, unter Tausenden allein.“ Aber sie waren ja nicht allein. Der Auftrag, den ihnen die zuletzt gestorbene Freundin hinterlassen hatte, war leicht zu erfüllen. Sie sollten einen Baum pflanzen. „Alt wie ein Baum“ war die Verstorbene leider nicht geworden, deshalb wollte sie, dass etwas weiterlebt.

„Man muss irgendwas machen“, sagten sich die Neumanns nach der Beerdigung. Da war ja auch noch der Nachlass der ebenfalls akribischen Sammlerin von Puhdys-Utensilien, den sie einer anderen Freundin hinterlassen hatte. Und was war eigentlich mit all den eigenen Dingen, von denen die Neumanns unzählige doppelt besaßen? Eine Art Puhdys-Trödelmarkt entstand, beim ersten Mal landeten rund 1000 Euro in der Kasse. Ein bisschen was für den Baum, der Rest ging an die Deutsche Krebshilfe. Das Verkaufen und Versteigern wuchs zur Tradition, die Band erfuhr davon. Mal stand Keyboarder Peter Meyer in Braunsdorf vor der Tür mit einer großen Tasche voll mit Kalendern und eingeschweißten Schallplatten aus DDR-Zeiten, mal wechselte Klaus Scharfschwerdts Schlagzeug-Becken für 1000 Euro den Besitzer. Alles in allem sind in den vergangenen Jahren 14 500 Euro aufs Konto der Deutschen Krebshilfe geflossen.

Und jetzt, wo der Abschied der Band bevorsteht? Da laufen die Auktionen besser denn je. Allein 18 Banner aus dem ehemaligen Puhdys-Museum auf der Burg Storkow wechselten den Besitzer, zehn folgen noch. Die Puhdys hören auf, die Neumanns machen weiter: „Das ist für uns zur Lebensaufgabe geworden, jetzt wollen wir das Haus noch leer kriegen.“ Das Wichtigste steht ja ohnehin auf dem Grundstück davor: die Baumpflanzung. Es ist ein Maulbeerbaum, schließlich hatte die Freundin so ein ehrliches Mundwerk.

Von Maurice Wojach

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