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Kultur Mit radikalem Ansatz
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16:11 08.11.2017
Wut in der Stimme: Anchor & Hearts. Quelle: Sascha Gerdes
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Potsdam

Es wird ja sowas von wüst. Von gepflegter Härte kann beim Auftritt von Anchor & Hearts schon einmal gar nicht die Rede sein. Darüber ist die Truppe aus Bremervörde schon längst und weit hinaus. Sie haben einen Hybriden aus Punk, Hardcore und nächstfolgenden rigoros verschärften Härtegraden erschaffen. Schlicht bemerkenswert ihr Tatendrang auf ihrem aktuellen Longplayer „Across The Borders“. Unbeeindruckt gehen sie ihren Weg: Zwischen Wut und Aufbäumen. Zwischen feinmelodischen Ansätzen, die noch jede Meute im Konzert toben und mitsingen lässt, und physisch eindrucksvollem Spiel.

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Wie machen die das nur? Amenra schleichen sich heran. Auf leisen Sohlen erst. Dann bricht das Inferno aus. Die Band aus Flandern agiert mit zerstörerischer Wucht. Gitarren mahlen schwer. Der Schlagzeuger wuchtet sich schwerfällig voran. Dazwischen lähmende Schreie und zaghafte, beinahe lyrische Momente. Bis der Kreislauf von neuem beginnt. Doch die Schmerzen nehmen nicht ab. Es scheint, als ob die Band um Colin H. Van Eeckhout und Mathieu Vandekerkhove tiefer und tiefer in die lichtlose Schatten schreitet. Sie sind Entfesselungskünstler. Sind Magier von Sturm und Stille. Gestalter von einzigartigen Atmosphären. Mit Doom und Post Rock als Eckpfeiler eines schwebenden, tosenden reinigenden Sound-Orkans. Es ist ihre sechste Messe. Wohl nicht die letzte.

Amenra: Mass VI. Neurot Recordings/Cargo.

Brasilien also: Lange hatte es nur ein Tape von der Band gegeben. Doch es sprach sich rasch herum, dass die Deafkids etwas sehr Besonderes in der Mache hatten. Einen Sound der extremen Kontraste. Tonnenschwere Riffs, die auf Trommelwahnsinn – ganz sicher das Erbe der Sklaven, die einst aus Afrika verschleppt wurden -, ewig kreisende Drones und wüst zerballerten Industrial treffen. Kurz, der Wahnsinn macht die Runde. Angstfrei auf die Beine gestellt, wankt er umher. Freigeister zwischen Jazz, Punk und Gesellschaftskritik. Ein schrankenlos rätselhafter Geräuschteppich.

Deafkids: Configuracao Do Lamento: Neurot Recordings/Cargo.

Schließlich gibt es auch noch die eine oder andere Botschaft. Wie jene, dass Intoleranz eine schäbige Haltung von zerstörerischer Kraft ist. Die Piraten zeigen halt Charakter. Und dann poltern die Jungs wieder los. Seit fünf Jahren schon. Ein Einbruch ihres Energielevels, ihrer Groovequalitäten und ihr Lärmfähigkeit ist nirgends zu bemerken. Mit von der Partie sind außerdem Watch Out Stampede wie Anchor & Hearts aus dem Norden.

Genialer Lärm kommt von Lorna Shore. Quelle: Promo

Wer früher losgeht, der hat mehr vom Abend. Vor allem – mehr Bands, die auf der diesjährigen Ausgabe der „Never Say Die!“-Tournee gemeinsame Sache machen. Wie Lorna Shore. Die sind auf einer Art Triumphzug. Extrem auf den Punkt bringt es die vierköpfige Truppe aus New Jersey. Auch auf ihrem jüngsten Album „Flesh Coffin“, das aber erst Ende Januar im Händlerregal stehen wird. Monsterriffs präzise auf die Rhythmus-Sektion abgestimmt. Immer auf die Zwölf. Nicht minder minutiös das inszenierte Vokal-Werk – Keifen und Grunzen. Passgenau. Metallverarbeitung ohne Fugen und Schweißnähte. Lorna Shore reiten Attacke auf Attacke. Die Ohren flattern bei den Gitarren, die tief und zielgerichtet in die Magengegend treffen. Und dieser Schlagzeuger erst: Prügelt alles in Grund und Boden. Gefangene werden nicht gemacht. Nicht in diesem Grenzbereich des Deathcore. Fieser hochgezüchteter Metal, technische Brutalität und progressive Tendenzen.

Zu Schredder-Armee gehören an diesem lauten Abend noch viele weitere Kapellen wie Emmure, Deez Nuts, Chelsea Grin, Sworn In, Kublai Khan und Polaris.

Die Konzerte: Lorna Shore treten am Freitag, dem 10. November, ab 17.45 Uhr im SO 36 in Berlin-Kreuzberg auf. Anchor & Hearts gastieren um 20 Uhr im Badehaus in Berlin-Friedrichshain.

Von Ralf Thürsam

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