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Mondrian, moderner geht es nicht

Ausstellung Mondrian, moderner geht es nicht

Piet Mondrian ist rumgekommen, er hat sich von der Landschaftsmalerei bald fortentwickelt und ist in strenger Abstraktion gelandet: Geometrische Formen in Grundfarben, das sollte für sich sprechen. Nun widmet ihm der Berliner Martin-Gropius-Bau eine Ausstellung, mit gut 50 Bildern maßvoll dimensioniert. Mondrians Stationen sind die eines künstlerischen Krimis.

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„„Bäume am Gein: aufgehender Mond“ von Piet Mondrian (1872-1944). Quelle: Gemeentemuseum Den Haag

Berlin. Piet Mondrian ließ seine Kleckse stets im Atelier zurück, er nahm die Spuren seiner Malerei nicht rüber ins zivile Leben. Nach Feierabend zog er seinen Kittel aus und griff zu der Garderobe eines feinen Herrn. Auf dem Selbstbildnis von 1918, Öl auf Leinwand, steht er im braunen Anzug, schwarze Fliege um den Hals, es sind Symbole eines bestens situierten Künstlers, der er zu dieser Zeit, zumindest finanziell, noch nicht gewesen ist. Er ist 46 Jahre auf dem Bild, doch selbst mit knappen 60 Jahren musste er noch Blumenaquarelle malen, denn Blümchen bringen Geld.

Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt dieses Selbstporträt gleich zu Beginn der Schau „Piet Mondrian. Die Linie“, es wirkt wie der Willkommensgruß des Malers, bei dem sich viele nicht so sicher sind, ob er denn malen kann – im Sinne der Akademien und Volkshochschulen, wo es weiter darum geht, Bilder zu schaffen, die sich an der Fotografie orientieren. Sein Selbstbildnis belegt, dass Mondrian, der Niederländer, nicht nur die Abstraktion beherrscht, bei der er 1918 längst gelandet war, sondern auch den Strich des Mannes, der die Natur für bare Münze nimmt, sie ehrt und malerisch kopiert, ohne wilde Gesten der Interpretation oder Zertrümmerung.

Auf dem Bild schaut er mit schwarzen Augen auf die Welt, taxiert sie kritisch und vermisst sie im Detail. Aus diesem Antlitz lässt sich lesen, dass Mondrian sich nicht mehr für die Blumen interessiert, sondern für das Zusammenschnurren all des Klimbims, der die Natur nur schmückt, doch nicht auf ihren Kern zielt.

Die Berliner Ausstellung will eben diesen Weg nachzeichnen: Sie beginnt mit dem Impressionisten, der die Stimmungen der Landschaft fingerfertig illustriert, hin zum kühl wirkenden Grafiker, der nur noch Rechtecke oder Quadrate gelten lässt, leicht asymmetrisch ordnet er sie an und füllt sie mit Rot, Blau, Gelb. Dicke schwarze Rahmen darum, gerade so, wie man sie heute wieder bei den Brillen in den kreativen Branchen sieht.

„Das erste, was ich in der Malerei veränderte, war die Farbe“, sagt Mondrian. Doch das ist untertrieben – er hat die figürliche Gestaltung runtergedimmt bis auf die nackte Linie.

Ein Leben in den Grundfarben

Piet Mondrian , eigentlich Pieter Cornelis Mondriaan, wurde am 7. März 1872 in Amersfoort geboren, er starb am 1. Februar 1944 in New York. Die Gemälde des Niederländers zählen zur klassischen Moderne. Mit seinen späten Werken machte er sich einen Namen als Mitbegründer der abstrakten Malerei.

Stilistisch begann er als Impressionist der Haager Schule, orientierte sich aber in den Folgejahren an Vincent van Gogh sowie Georges Braque und Pablo Picasso. Seine Entwicklung führte ihn zu streng geometrischen Gemälden, die aus einem schwarzen Raster, verbunden mit rechteckigen Flächen in Grundfarben bestehen.

Die Ausstellung „Piet Mondrian. Die Linie“ zeigt der Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Berlin-Kreuzberg. Mi-Mo 10-19 Uhr, bis 6. Dezember.

Mondrian, 1872 geboren in Amersfoort, hatte eine künstlerische Weltreise absolviert, als er sich selbst 1918 mit dem Gestus des gut gekämmten, arrivierten Bürgers Modell stand. Er hatte ausgestellt in Den Haag, Amsterdam, Stockholm, Paris, New York, Dresden – auch in Potsdam.

Die konzentrierte, klug gehängte, mit gut 50 Bildern maßvoll dimensionierte Ausstellung im Martin-Gropius-Bau untermauert, was der Mann für unsere Gegenwart geleistet hat. Vom Landschaftsmaler, der früh das Dunkle und die Andeutung gesucht hat, hat sich Mondrian, ­hineingeboren in eine stilistisch überreiche Zeit der Malerei, mit den Jahren handwerklich zurückgenommen – fort vom Filigranen, suchte er das Wesentliche, hat die Objekte ausgewaidet und sich für ihre Statik interessiert, um nicht zu sagen: fürs Skelett. Und irgendwann für ihre Seele.

Seine späten, spärlich kolorierten Quadrate wirken wie der frühe Verweis auf eine digitale Zeit, in deren Programme es nur 1 und 0 gibt, eine nüchterne Sprache, die nichts wissen will von handschriftlichen Liebesbriefen, sondern kühl den Daumen hebt: „Gefällt mir“ oder „Gefällt mir nicht“.

Diese Verknappung, das Ergebnis eines intellektuell fortwährenden Prozesses bei Mondrian, bringt die Berliner Ausstellung auf den Punkt. Ohne beschwerendes Beiwerk. Mondrian hätte das gefallen.

Von Lars Grote

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