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Kultur Monika Schulz-Fieguth im Potsdam-Museum
Nachrichten Kultur Monika Schulz-Fieguth im Potsdam-Museum
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19:21 26.05.2016
Die Potsdamer Fotografin Monika Schulz-Fieguth vor ihren Porträts des 2006 verstorbenen Astrophysikers Hans-Jürgen Treder. Quelle: foto: Christel Köster
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Potsdam

Entschlossenheit? Trotz gegenüber der eigenen Verletzlichkeit? Oder ist es Überheblichkeit, die dem Betrachter aus den Augen des Astrophysikers Hans-Jürgen Treder entgegentritt? Es ist jedenfalls der Blick eines 78-jährigen Mannes, der bald sterben wird. Die Potsdamer Fotografin Monika Schulz-Fieguth hat ihn wenige Tage vor seinen Tod im Jahr 2006 fotografiert. Ein Bild, das persönliche Nähe und zugleich individuelle Distanz ausdrückt. Die Distanz zeigt sich im Blick des Fotografierten, die Nähe im Auge der Kamera, denn wer lässt sich in so einer Situation noch ablichten?

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Bilder, die manchmal wie gemalt wirken. Monika Schulz-Fieguth Fotografien zeigen eine vertrauliche Nähe und doch haben die Porträtierten eine eigenwillige Distanz zum Betrachter. Sie behalten ihre Würde. Arbeiten der Potsdamer Fotografin aus vier Jahrzehnten sind jetzt im Potsdam-Museum zu sehen. Hier eine kleine Auswahl.

Zu sehen ist das Bild ab Samstag im Potsdam-Museum in der Ausstellung „Lumen et Umbra“. Licht und Schatten ist ein gutes Motto für die 110 Arbeiten von Monika Schulz-Fieguth, die dort auf zwei Etagen ausgestellt sind. Denn die Künstlerin arbeitet mit minimalen Mitteln, viel in Schwarz-Weiß und selbst da, wo sie Farbe zulässt, ist sie streng komponiert und taucht eher sparsam auf. So entstehen Bilder, meist Porträts, die den Betrachter nicht loslassen wollen, und die der fotografierten Person eine eigenwillige Kraft verleihen.

Vertrauen ist ihr Kapital

Neben ihrer Kamera ist Monika Schulz-Fieguths wichtigstes Kapital Vertrauen. „Man muss die Scheu verlieren, die eine Kamera beim Fotografen wie beim Fotografierten verursacht“, sagt die 66-Jährige. Meist gelang ihr das, indem sie sich Zeit nahm. Den äußerst öffentlichkeitsscheuen Forscher Hans-Jürgen Treder lernte sie noch während ihres Studiums 1979 kennen und hat ihn bei seiner Arbeit auf dem Potsdamer Telegrafenberg über Jahre hinweg fotografiert. „Irgendwann spielt die Kamera dann keine Rolle mehr“, sagt Schulz-Fieguth.

Lumen et Umbra

Monika Schulz-Fieguth ist 1949 in Potsdam geboren, hat hier zunächst eine Fotografenlehre gemacht und anschließend in Leipzig Fotografie studiert.

1982-84 war sie Leiterin des Fotolabors am Zentralinstitut für Astrophysik auf der Sternwarte in Potsdam.

Seit 1984 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin.

Lumen et Umbra– Fotografien von Monika Schulz-Fieguth. 28. Mai bis 21. August. Potsdam-Museum, Am Alten Markt 9. Di., Mi., Fr. 10-17 Uhr, Do. 10-19 Uhr, Sa., So. 10-18 Uhr. Eintritt 5 Euro.

Dann entstehen solche Fotos. Von Treder, versunken in seine Studien. Oder von der querschnittsgelähmten Christa, die sich 1981 als Akt fotografieren ließ. Oder von der Landkommune im thüringischen Hartroda, wo Menschen seit 1978 mit und ohne Behinderung zusammenlebten. Die

Eine Werkschau über 40 Jahre

Die Potsdamer Ausstellung ist eine Werkschau, die sich über 40 Jahre erstreckt. Von der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie zur farbigen Digital-Technik, die es erlaubt, Bilder zu bearbeiten. Von der DDR in die Zeit nach dem Mauerfall. Die Schau dokumentiert nicht nur einen technologischen und historischen Bruch in den Arbeiten von Monika Schulz-Fieguth, in den 90ern zeigt sich auch eine stilistische Verschiebung: weg von der dokumentarischen Fotografie, hin zur Inszenierung.

Schön zu sehen ist das an den beiden Porträts der Potsdamer Malerin Barbara Raetsch. 1986 nachdenklich in ihrer Küche am Fenster fotografiert, 2010 vor schwarzem Hintergrund im schwarzem Gewand mit blassem Teint und roten Lippen – konzentriert sich der Blick allein auf die Gesichtszüge.

Der sterbende Vater

So nah und doch so entrückt sind diese Bilder. Monika Schulz-Fieguth fotografiert mit einer Wärme und aus einer Nähe, die es sogar erlaubt, den eigenen Vater beim Sterben oder den geliebten Onkel kurz vor dem Tod zu zeigen. „Der Tod hat etwas Erhabenes“, sagt Schulz-Fieguth. Diesen existenziellen Prozess anteilnehmend zu begleiten, war ihr ein Anliegen. Gibt es etwas, was sie nicht fotografieren würde? „Einen Unfall“ , sagt sie, „niemals“.

Von Mathias Richter

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